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    Lohr

    Wie sich die Flüchtlingshilfe in Main-Spessart verändert hat

    Karen Panter war für Geflüchtete im Landkreis lange die erste Ansprechpartnerin bei Problemen. Sie blickt zurück auf fünf Jahre Integrationsarbeit.
    Karen Peter, die fünf Jahre für die Malteser im Landkreis Main-Spessart Integrationsarbeit leistete, berichtet, dass sich in dieser Zeit die Flüchtlingsarbeit deutlich geändert hat.
    Karen Peter, die fünf Jahre für die Malteser im Landkreis Main-Spessart Integrationsarbeit leistete, berichtet, dass sich in dieser Zeit die Flüchtlingsarbeit deutlich geändert hat. Foto: Frank Zagel

    "Integration ist keine Einbahnstraße", sagt Karen Panter überzeugt. Sie muss es wissen: Seit 2015 arbeitet sie mit Flüchtlingen im Landkreis Main-Spessart. In der Zeitung las sie damals von einer jungen geflüchteten Familie, die ein Kind erwartete. Sie meldete sich freiwillig als Patin für die Familie, war ehrenamtlich für sie da und begleitete die Frau während ihrer Schwangerschaft – bis in den Kreißsaal.

    Diesen Tag werde sie nie vergessen, sagt Panter heute. "Diese junge Frau sagte zu mir 'Du bist wie eine Mama für mich. Ich hab Angst vor der Geburt, bitte komme mit mir.'" Bis heute verbindet sie mit der Familie eine innige Freundschaft. 

    Panter baute ihr Engagement aus, half ehrenamtlich mit den Stunden einer Vollzeitkraft in der Gemeinschaftsunterkunft in Lohr. 2016 wurde die Flüchtlingshilfe schließlich ihr Hauptberuf: als Koordinatorin für Ehrenamtliche Integrationsdienste bei den Maltesern. "Das waren die vier prägendsten und schönsten Jahre meines Lebens", sagt Panter. 

    Geflüchtete brauchen heute andere Unterstützung als vor fünf Jahren

    Die Situation der Flüchtlinge im Landkreis hat sich in dieser Zeit stark verändert. "Anfangs ging es um ganz grundlegende Probleme, die Menschen brauchten zum Beispiel Winterjacken oder Windeln für ihre Kinder", erinnert sich Panter. Heute organisiert sie für die Geflüchteten Hilfe bei Bewerbungen oder der Wohungssuche und Deutschstunden, in denen sie alle Vokabeln für die Führerscheinprüfungen lernen.

    Für die Kinder organisierten Panter und ihr Team aus Ehrenamtlichen lange eine Spiel- und Bastelgruppe. Die gibt es heute nicht mehr: "Die Kinder sind mittlerweile so gut integriert, dass sie keine Zeit mehr für unsere Gruppe haben", erzählt Karen Panter lachend. "Die sind in Sportvereinen, bei der Feuerwehr, auf Kindergeburtstagen – das ist toll, das zeigt, dass wir unsere Arbeit gut gemacht haben."

    1500 Masken genäht

    Corona hat auch für die Geflüchteten vieles durcheinander gebracht. "Viele können gerade nicht arbeiten oder haben ihren Job ganz verloren", erzählt Panter. Die Angst vor dem Virus und die Unsicherheit, was man darf und was nicht, seien anfangs sehr groß gewesen. Gut 250 Menschen lebten Ende April in einer der vier Unterkünfte, die die Regierung von Unterfranken im Landkreis betreibt. Corona-Infektionen hat es in den Gemeinschaftsunterkünften bisher glücklicherweise noch nicht gegeben.

    Panter hat versucht, aufzuklären, Fragen zu beantworten. Von der Rückmeldung der Menschen war sie überrascht: "Alle wollten sofort etwas tun, sich nützlich machen." Panter organisierte also Stoff, alte Bettwäsche aus dem Krankenhaus, gebrauchte Tischdecken, und gründete die "Flotte-Nadel-Gruppe". Über 1500 Masken hat die Gruppe mittlerweile genäht, und die Motivation lässt nicht nach. "Die Geflüchteten freuen sich, dass sie etwas zurückgeben können für all die Hilfe, die sie in den letzten Jahren erhalten haben", so Karen Panter. Dass Integration keine Einbahnstraße ist, das hat ihr diese Situation noch einmal deutlich gezeigt.

    Lernpatenschaften, Erste-Hilfe-Kurse, Infotage zum Berufseinstieg und zur Wohnungssuche, Kochkurse – das Programm, dass Karen Panter gemeinsam mit rund 30 Ehrenamtlichen für die Neuen im Landkreis organisiert hat, ist vielfältig. Dafür erfährt sie viel Dankbarkeit: "Ich kann nicht durch Lohr gehen, ohne dass ich jemanden treffe und für eine Umarmung stehen bleibe".

    Wechsel von der Flüchtlings- zur Seniorenhilfe

    Die Freundschaften werden sicher bleiben, auch wenn Karen Panter das berufliche Kapitel Flüchtlingshilfe bald abschließt: Ab Juli wechselt sie bei den Maltesern auf eine neue Stelle; als Koordinatorin für das Projekt "Miteinander-Füreinander" will sie dann Angebote für ältere, einsame Menschen schaffen. 

    Der Wechsel war eine Bauchentscheidung, sagt sie. "Die Geflüchteten, mit denen ich die letzten Jahre gearbeitet habe, die gehen jetzt ihren Weg. Ich will jetzt in einem anderen Bereich etwas bewegen."

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