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    Gerchsheim

    Ab September einsatzbereit

    Die Rucksäcke sind frisch aufgefüllt und ab der ersten Septemberwoche sind die Helfer vor Ort mit einer eigenen Gruppe in Gerchsheim einsatzfähig (von links): Bürgermeisterin Anette Schmidt, Tobias Pfau, Ortsvorsteher Heinz Schmitt, Martina Schmitt, Marco Geniese DRK, Madlen Wolf, Alexa Müssig DRK, Matina Döhner DRK; es fehlt: Christof Igerst Foto: Matthias Ernst

    Mehrmals täglich werden die Rettungsfahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu oft lebensbedrohlichen Notfällen gerufen. Trotz Blaulicht und Martinshorn vergehen einige Minuten (in Baden-Württemberg sind es durchschnittlich acht Minuten) bis die Notfallsanitäter und Notärzte an der Einsatzstelle eintreffen. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommt es jedoch auf Sekunden an.  Um auch die Zeit zwischen Notfallereignis und dem Eintreffen des Rettungswagens (sogenanntes "Freies Intervall") zu nutzen, wurde vom DRK Kreisverband Tauberbischofsheim im Dezember 1997 das Projekt "Helfer vor Ort" (HvO) ins Leben gerufen.

    Bisherige Erfahrungen zeigen, dass sich das Projekt bewährt hat. Die derzeit 13 HvO-Gruppen im DRK-Kreisverbandsgebiet wurden bereits zu mehr als 2.500 Einsätzen (Stand  Ende 2018) gerufen.

    Nachdem das "Helfer-vor-Ort" Projekt bereits in Bettingen, Brehmen, Boxberg, Freudenberg, Gamburg, Hundheim, Külsheim, Nassig, Sachsenhausen, Schüpfer-Grund, Sonderriet, Werbachhausen und Wittighausen funktioniert, startet nun auch in Gerchsheim eine HvO Gruppe.

    Bürgermeisterin begeistert

    Initiatoren dieser Idee waren die neuen Helfer-vor-Ort selbst. So entstand über zwei Personen, die im DRK-Ortsverein Tauberbischofsheim ehrenamtlich aktiv sind, der Kontakt zum Kreisverband und zum Projekt "Helfer-vor-Ort". Bereits im Mai des vergangenen Jahres fanden erste Gespräche zu einer eigenen Helfer-vor-Ort-Gruppe in Gerchsheim statt. Auch Großrinderfelds Bürgermeisterin Anette Schmidt war von der Idee begeistert und sagte sofort ihre Unterstützung zu.

    Während die Ausbildungs- und Fortbildungskosten der Helfer sowie die Kleidung des Vereins DRK-Kreisverband Tauberbischofsheim trug, wurden die Kosten für das Material der vier Notfallrucksäcke von der Gemeinde Großrinderfeld, dem DRK-Ortsverein Tauberbischofsheim und dem DRK-Kreisverband Tauberbischofsheim und der Sparkasse Tauberfranken gemeinsam übernommen. Die Volksbank ergänzte die Ausrüstung durch einen öffentlich ausgehängten automatisierten Defibrillator (kurz AED), der sich in der Filiale Gerchsheim befindet. Dieser ist sowohl von den Helfern-vor-Ort zu nutzen, als auch für jeden Laien geeignet (wir berichteten).

    "Keine Selbstverständlichkeit"

    Bürgermeisterin Anette Schmidt dankte im Gegenzug den freiwilligen Helfern für ihren Einsatz. Eine solch verantwortungsvolle Aufgabe für die Gemeinschaft zu übernehmen, sei keine Selbstverständlichkeit und berichtete von Aktivitäten zur Nachahmung auch im Ortsteil Großrinderfeld. Die Gemeinde begrüßt das ehrenamtliche Engagement direkt vor Ort, da so das Überleben von Menschen besser gesichert werden kann, wie es auch Ortsvorsteher Heinz Schmitt äußerte.

    Manuela Döhner, DRK-Kreisbereitschaftsleiterin, erinnerte in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Einsätze der benachbarten First-Responder-Gruppe Altertheim, welche bisher das Gebiet Großrinderfeld abgedeckt hatte und so zu einer deutlich besseren Erstversorgung im Notfall der Bürger beitrug. "Dieser Einsatz über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinweg, verdient großen Dank und Anerkennung", so Döhner. Auch bei Uwe Rennhofer, stellvertretender DRK-Kreisgeschäftsführer und Leiter der Abteilung Ausbildung, Ehrenamt und Verbandsentwicklung, welcher das HvO-Projekt angegliedert ist, bedankten sich die Beteiligten für die großartige und umfangreiche Vorbereitung. Man sei nun gut auf den Ernstfall vorbereitet, auch wenn man sich natürlich nur sehr geringe Einsatzzahlen wünsche.

    Die Helfer-vor-Ort (ein Team setzt sich aus mindestens drei Sanitäter/innen zusammen) werden bei Bedarf von der DRK-Rettungsleitstelle "Main-Tauber" parallel zum Rettungsdienst über Funkmeldeempfänger oder Handy alarmiert. Die ausgebildeten Helfer fahren nach Alarmierung zur Notfallstelle. Ausgerüstet mit einem kompletten Notfallkoffer (mit Beatmungsgerät, Sauerstofflasche, Blutdruckmessgerät, Verbandsstoffe etc.) können sie noch vor Eintreffen des regulären Rettungsdienstes ‘erweiterte Erste Hilfe’ leisten und die behandlungsfreie Zeit unter Umständen um einige Minuten verkürzen.

    Rettungskette wird ergänzt

    Hierbei ersetzen sie die Kollegen der Notfallrettung allerdings nicht, Helfer-vor-Ort ergänzen die Rettungskette. Im Gegensatz zum Regel-Rettungsdienst sind alle Helfer-vor-Ort rein ehrenamtlich und unentgeltlich für das Projekt, also neben dem eigenen Beruf, der Familie und Hobbys tätig. So kann es auch mal der Fall sein, dass kein HvO’ler nach der Alarmierung eintrifft, sondern "nur" der Rettungsdienst. Auch deshalb ist bei Notfällen immer die "112" zu wählen und kein Helfer-vor-Ort direkt zu kontaktieren.  Die HvO-Gruppe in Gerchsheim wird in der ersten Septemberwoche ihren Dienst aufnehmen. Ab diesem Zeitpunkt können die Helfer für eine qualifizierte Erstversorgung von der Leitstelle zu Einsätzen in Gerchsheim alarmiert werden.

    Um als Helfer-vor-Ort eingesetzt werden zu können, bedarf es zahlreichen Aus- und Fortbildungen. Neben dem normalen Erste Hilfe Kurs besuchen die Ehrenamtlichen eine Sanitätsdienstausbildung über vier Wochenenden, darüber hinaus erhalten Sie ein spezielles Training im Umgang mit Beatmungshilfen und Defibrillator. Die Handhabung der Gerätschaften muss zudem jährlich trainiert und in einer Wiederholungsprüfung demonstriert werden. Außerdem erhalten die Helfer eine Fortbildung mit fachspezifischen Themen im Bereich Einsatzgeschehen und sonstigen Notfällen. Im Anschluss an die Ausbildung ist eine regelmäßige Fortbildung für jeden Helfer Pflicht.

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