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    Wenkheim

    Als es noch Tiere im "Säulisgrund"gab

    Beim Wegebau in der Flurbereinigung Wenkheim Mitte der 50 Jahre wurde noch vieles in Handarbeit erledigt, wie hier der Ausbau des Riedwegs. Foto: Klaus Reinhart

    Im Spätsommer vor 60 Jahren wurde die Flur rund um Wenkheim neu geordnet. Das Flurbereinigungsamt Tauberbischofsheim hatte das 1952 angeordnet. Weil sich Landwirtschaft mit gesichertem Einkommen nur noch mit größeren, gut geformten Grundstücken durchführen ließ, waren die Umstrukturierungen notwendig geworden.

    Rund 1030 Hektar wurden damals in der Feldlage um Wenkheim neu geordnet. Eduard Baumann sen. hatte den Vorsitz der Teilnehmergemeinschaft. Die Waldflächen wurden damals überwiegend nicht in das Verfahren einbezogen. Dadurch herrscht bis heute in den Wäldern rund um den Welzbachtalort die Besitzzersplitterung vor, die eine vernünftige Waldbewirtschaftung stark behindert oder überhaupt nicht zulässt.

    Die Tallage entlang des Welzbaches war schon in den Jahren 1947/48 mit sogenannten Notstandsarbeitern vom Flurbereinigungsamt Buchen aus neu geordnet worden. Anfang der 1980er Jahre gab es eine zweite Talbereinigung, die neben der Zusammenlegung von kleinen Grundstücken, zwei bedeutende Infrastrukturmaßnahmen berücksichtigte: Zum einen konnte neben der Grundschule ein neues Sportgelände ausgewiesen werden (der rund 1,5 Kilometer außerhalb gelegene alte Sportplatz wird seither nur noch zum Training genutzt), und zum anderen wurden im Gewann „Brüblein“ rund zwei Hektar versumpfte Wiesen in naturnahe Wasser- und Grünflächen umgewandelt. Bis heute entwickelt sich dort eine artenreiche Fauna und Flora.

    Die damals befestigten Wege sind heute noch in gutem Zustand

    Ein gut konzipiertes Wegenetz sorgte dafür, dass die Landwirte, die inzwischen fast alle Traktoren besaßen, schnell und kostensparend an ihre Grundstücke kommen konnten. Die Zufahrtswege in den zahlreichen Seitentälern des Welzbachtales wurden ausgebaut und sind bis heute in einem guten Zustand.

    Der stark befestigte „Riedweg“ ist heute noch in einem guten Zustand. Links die 1959 errichtete Stützmauer. Foto: Klaus Reinhart

    Zur gleichen Zeit erkannten vier Wenkheimer Landwirte, dass sie mit ihren beengten Höfen im Ort keine Entwicklungschancen haben. Deshalb siedelten sie in das Gewann Mehlen, Richtung Großrinderfeld aus. Eine fünfte Aussiedlung kam später dazu.

    Schon in den siebziger- und achtziger Jahren ging der Strukturwandel in der Landwirtschaft so rasch voran, dass die Zahl der Haupterwerbslandwirte mit zehn bis 20 Hektar stetig abnahm. Viele Betriebe wurden nur noch im Nebenerwerb bewirtschaftet, da attraktive Jobs in Tauberbischofsheim, Würzburg oder Wertheim höhere Einkommen versprachen.

    Heute gibt es nur noch eine Handvoll Haupterwerbslandwirte

    Dieser Strukturwandel setzte sich bis ins 21. Jahrhundert rasant fort. Heute gibt es noch eine Handvoll Haupterwerbslandwirte, die alle weit über 100 bzw. 200 Hektar pro Hof bewirtschaften. Dies geschieht in der Regel ohne Vieh, so dass seit  Jahrzehnten schon keine Milch mehr in Wenkheim abgeliefert wird. In den fünfziger Jahren war die Zahl der Lieferanten fast dreistellig.

    Die 1960 eingerichteten Aussiedlerhöfe in Wenkheim liegen an der Kreisstraße Richtung Großrinderfeld. Foto: Klaus Reinhart

    Auch die einst in Wenkheim stark verbreitete Schweinehaltung, was dem Dorf den Namen „Säulisgrund“ einbrachte, existiert nicht mehr. Lediglich einer der wenigen Nebenerwerbsbetriebe hält noch Schweine – wie lange noch, steht in den Sternen.

    Die großen landwirtschaftlichen Betriebe haben sich durch Pacht und Tausch Bewirtschaftungseinheiten geschaffen, von denen ihre Vorfahren keine Vorstellungen hatten. Waren 1960 zwei Hektar große Grundstücke schon „ordentlich“, sind heute Flächen über zehn Hektar fast schon normal.

    Glücklicherweise hat die Natur durch die Vergrößerung der Bewirtschaftungsfläche keinen Schaden genommen. Die 1960 vorhandenen Hecken und zahlreichen Feldgehölze gibt es heute noch. Allerdings ist der Grünlandanteil im Laufe der Jahrzehnte stark zurückgegangen und auch Kartoffel-, Klee- und Rübenäcker sind aus dem Landschaftsbild nahezu verschwunden.

    Bearbeitet von Klaus Reinhart

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