• aktualisiert:

    Wertheim

    Amtsgericht Wertheim: Trotz Scheidung noch die große Eifersucht

    Wegen Beleidigung in Tateinheit mit Bedrohung stand ein 54-Jähriger in Wertheim vor dem Amtsgericht. Er hatte eine E-Mail mit Beleidigungen und Drohungen an den neuen Lebenspartner seiner Ex-Frau gesendet (Symbolbild).
    Wegen Beleidigung in Tateinheit mit Bedrohung stand ein 54-Jähriger in Wertheim vor dem Amtsgericht. Er hatte eine E-Mail mit Beleidigungen und Drohungen an den neuen Lebenspartner seiner Ex-Frau gesendet (Symbolbild). Foto: Sebastian Gollnow, dpa

    Wegen Beleidigung in Tateinheit mit Bedrohung hat das Amtsgericht gegen einen Arbeiter eine Strafe von drei Monaten verhängt, setzte sie aber ohne Auflagen zur Bewährung aus. In Anbetracht der Vorstrafen konnte das Urteil für den 54-Jährigen nicht günstiger ausfallen.

    Der Beschuldigte wohnte früher in Oberfranken. Bereits 2016 verurteilte ihn das Amtsgericht in Bayreuth wegen Bedrohung seiner Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung mit einem Küchenmesser zu einer Geldstrafe. Der Angeklagte war zur Tatzeit alkoholisiert und die Frau hatte ihm mitgeteilt, sie ihn nicht mehr liebe.

    Angeklagten fehlt die emotionale Distanz zur Ex-Frau

    Es folgte eine Verurteilung wegen falscher Verdächtigung und wegen des viermaligen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz zu einer weiteren, diesmal höheren Geldstrafe. Der Beschuldigte hatte behauptet, die Frau habe seine Bankkarte unberechtigt genutzt und der inzwischen getrennt lebenden Frau nachgestellt.

    Wieder etwas später verhängte das Landgericht Bayreuth eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten wegen Beleidigung und elf Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz. Im Februar 2018 erfolgte die Scheidung und im Mai 2018 zog der Angeklagte nach Wertheim.

    Anlass war eine Bekannte. Sie ist inzwischen seine Lebensgefährtin. Beide wohnen zusammen. Dennoch fehlt es dem Beschuldigten an der "emotionalen Distanz" zur Ex-Frau, zumindest an jemen Tag im März vergangenen Jahres.

    Richterin hält dem Angeklagten die Realität vor

    Da schickte er dem Lebenspartner der Geschiedenen eine E-Mail mit Beleidigungen und der Drohung, dass er ihn kastriere. Ob der Angeklagte beim Senden alkoholisiert war, wurde nicht bekannt. Der Empfänger jedenfalls nahm diese Drohung ernst.

    Der Beschuldigte wirkte in der Verhandlung gutmütig, er lächelte viel, aber war auch manchmal den Tränen nahe. Die Richterin hielt ihm mehrfach die Realität vor Augen: "Die Ex hat einen neuen Lebenspartner und Sie auch. Gleichwohl schreiben Sie eine solche E-Mail." Außerdem seien Straftaten ungeeignet, emotionale Probleme zu lösen.

    Obwohl der Angeklagte die Bewährung nicht eingehalten habe, beantragte die Staatsanwaltschaft erneut eine Bewährungsstrafe, ansonsten verliere er seine Arbeit und werde weiter destabilisiert. "Sie müssen wieder nicht ins Gefängnis", sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. "Aber seien Sie sich dieses Risikos bewusst, und suchen nicht die Schuld bei anderen."

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Main-Tauber-Newsletter!

    Bearbeitet von Alfons Göpfert

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!