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    Tauberbischofsheim

    Ein "Bischemer Bu" ist Ehrenbürger in Frankreich

    Ein letztes Mal anstoßen mit Bürgermeister Wolfgang Vockel, wenn auch in luftiger Höhe, dank der Feuerwehr und ihrer neuen Drehleiter mit Ehefrau Karin und Stadtkommandant Michael Noe Foto: Matthias Ernst

    Gut 300 Bürger, Weggefährten und Freunde wollten sich vom scheidenden Bürgermeister Wolfgang Vockel im Ratssaal des Tauberbischofsheimer Rathaus verabschieden. Nach 24 Jahren Dienstzeit endete mit dem 31. August eine Ära. Kein Bürgermeister war länger Oberhaupt als er und nur wenige haben mehr erreicht. Das wurde bei den zahlreichen Reden anlässlich des Abschieds deutlich. Vorherrschendes Wort an diesem denkwürdigen Abend war: "Danke". Egal ob sein Stellvertreter Gerhard Baumann, die Sprecherin des Stadtrates Nina Warken, Festredner IOC Präsident Thomas Bach oder Jean-Pierre Bouquet, der Bürgermeister von Tauberbischofsheims Partnerstadt Vitry le François, sie alle bedankten sich bei Wolfgang Vockel für seinen Einsatz für seine Stadt.

    "Nordwind blies die Mitbewerber weg", hieß es bei der ersten Wahl von Wolfgang Vockel in der Presse. Der gebürtige Cuxhavener konnte sich 1995 im ersten Wahlgang gegen sieben weitere Mitbewerber mit der absoluten Mehrheit von 53 Prozent durchsetzen. Seitdem haben ihn die Tauberbischofsheimer Bürger noch zweimal wiedergewählt. Nur bei der letzten Wahl entschied sich die Mehrheit gegen ihn. Ab 1. September übernimmt Anette Schmidt die Geschicke dieser Stadt. "Es wird für seine Nachfolgerin eine gute Basis sein, die Wolfgang Vockel geschaffen hat", lobte Thomas Bach die Arbeit von Vockel in den letzten 24 Jahren.

    "Bewegt und gerührt", verfolgte Vockel die vielen positiven Aussagen zu seinem Werk. Ihm selbst war es wichtig in den letzten beiden Monaten eine funktionierende Verwaltung für seine Nachfolgerin zu hinterlassen. "Ich habe meinen Beruf als Berufung gesehen, nämlich daran zu arbeiten, eine Kommune zu entwickeln und gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen". Einige "Baustellen" hat er seiner Nachfolgerin zwangsläufig hinterlassen. Doch Vockel will auf den Rat seiner wirklichen Freunde nun loslassen und sich neuen Aufgaben widmen. Sein Kreistagsmandat will er behalten. Hier will er jetzt freier reden, da die Keule der kommunalaufsichtsrechtlichen Beschränkungen nun gefallen ist. "Die hat jetzt nur noch meine Frau", fügte er augenzwinkernd hinzu.

    Anpacken war seine Devise, mit der er schon zu Beginn seiner Amtszeit punktete. Und genau dieses Anpacken ist es, was die Arbeit von Wolfgang Vockel in den 24 Jahren seiner Amtszeit geprägt hat. Anpacken für die Bürger des Mittelzentrums Tauberbischofsheim, aber auch Anpacken für die Wirtschaft in der Stadt. Die Entwicklung auf dem Laurentiusberg sei nur ein Beispiel, man könnte noch viele andere aufzählen, so Thomas Bach. "Man musste ihn meist nicht rufen, er war schon da." Egal ob in guten oder in schlechten Zeiten, Vockel habe immer ein offenes Ohr für die Wirtschaft gehabt. "Er hat die Stadt umgestaltet", stellte Bach mit Blick aus dem Rathausfenster auf den Marktplatz fest. Dass dies nicht ohne Scherben passieren könne, liegt in der Natur der Sache. "Wenn ich Mitbürger gekränkt oder verletzt habe, möchte ich mich dafür entschuldigen. Mein Handeln war nicht von Egoismen, sondern von dem Wohl für unsere Stadt bestimmt", sagte Vockel.

    IOC Präsident Dr. Thomas Bach überreichte Wolfgang Vockel eine sehr seltene Auszeichnung, die IOC Presidents Trophy Foto: Matthias Ernst

    "Deine Konzepte hatten immer Hand und Fuß, unausgegorene Dinge sind einfach nicht dein Fall", lobte Nina Warken das akribische Arbeiten Vockels. Dabei überzeugte er immer wieder mit Sachverstand und großer Detailkenntnis. Die Dankbarkeit der Bürger äußerte sich in dem großen Geschenketisch am Rand des Saales, aber auch in der Überreichung der "IOC Presidents Trophy" durch Thomas Bach und die Ernennung zum Ehrenbürger von Vitry le François. Diese Ehre habe vor ihm noch kein Mensch erhalten, erläuterte dessen Bürgermeister Jean-Pierre Bouquet. Doch das höchste Lob kam aus dem Mund von Thomas Bach: "Du bist ein Bischemer Bu". Ein höheres Lob gebe es in Tauberfranken nicht.

    Viel Applaus zum Abschied von Wolfgang Vockel aus dem Amt des Tauberbischofsheimer Bügermeisters Foto: Matthias Ernst
    Vitrys's Bürgermeister Jean-Pierre Bouquet(links) ernannte Wolfgang Vockel zum ersten Ehrenbürger seiner Gemeinde Foto: Matthias Ernst
    Sichtlich gerührt nahm der scheidende Bürgermeister Wolfgang Vockel die vielen Reden und Glückwünsche für seine Zukunft entgegen Foto: Matthias Ernst

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