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    Tauberbischofsheim

    Freiheitsentzug in der Altenpflege wird diskutiert

    Dr. Friedrich Frieß, Leitender Oberarzt der Abteilung Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Krankenhaus Tauberbischofsheim bei der Fortbildungsveranstaltung "Freiheitsentziehende Maßnahmen", die vom Gesundheitsamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis veranstaltet wurde. Foto: Michael Kappus

    Immer wieder kritisch diskutiert werden die Notwendigkeit und der gebotene maßvolle Umgang mit Freiheitsentziehenden Maßnahmen in stationären Einrichtungen der Altenhilfe, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Das Thema war deshalb Gegenstand einer Fachtagung für Fachkräfte in Pflegeeinrichtungen im Landkreis.

    So viel wie nötig, so wenig wie möglich lautete unisono das Kredo der drei vortragenden Experten zu freiheitsentziehenden Maßnahmen. Dr. Alexander Jörg, Direktor des Amtsgerichts Tauberbischofsheim, stellte die haftungsrechtlichen Aspekte bei freiheitsentziehenden Maßnahmen dabei in den Fokus. Jörg stellte klar, dass das Gericht diese Maßnahmen nicht anordnet, sondern lediglich genehmigt und nur Betreuer oder Bevollmächtigte als Antragsberechtigte in Frage kommen. Die Initiative für die Beantragung einer freiheitsentziehenden Maßnahme kann jedoch sehr wohl von entsprechendem Pflegepersonal in den Einrichtungen ausgehen.

    Dokumentation ist wichtig

    Neben den ethischen Überlegungen und Abwägungen stellen sich für die Einrichtungen bei freiheitsentziehenden Maßnahmen auch haftungsrechtliche Fragen, heißt es in der Mitteilung. Anhand zahlreicher praktischer Fallkonstellationen und erfolgter Gerichtsurteile konnte den Teilnehmern latent vorhandene Ängste genommen werden. Gleichzeitig wies Jörg auf die nötige nachvollziehbare Dokumentation der individuellen Sachverhalte, die für oder gegen die Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen sprechen, hin.

    Medizinische, juristische und ethische Aspekte bei Einsatz von Psychopharmaka stellte Dr. Friedrich Frieß, leitender Oberarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie am Krankenhaus Tauberbischofsheim in den Mittelpunkt. Wirkungsweisen, Anwendungsbereiche und Nebenwirkungen, insbesondere mögliche Sucht- und Abhängigkeitspotentiale, sowie das ethisch notwendige Abwägen von Nutzen und Gefahren, hier vor allem Nebenwirkungen, wurden erläutert.

    Herausforderungen stellen sich bei der Aufklärung und Einwilligung des Patienten in die vorgeschlagenen Maßnahmen und Therapien. Neben aller Kritik und Skepsis hinsichtlich der Einnahme von Psychopharmaka plädierte er dafür, den Nutzen dieser Medikamente für den einzelnen Betroffenen nicht aus den Augen zu verlieren, heißt es in der Mitteilung.

    Zusammenarbeit ist wichtig

    Zum Abschluss nahm Benedikt Schenk von der Betreuungsbehörde die Fachkräfte mit auf einen Streifzug durch das Betreuungsrecht. Im Rahmen einer Betreuung muss der Aufgabenkreis konkret auf die besonderen Defizite des Betreuten zugeschnitten und abgegrenzt werden, auch hier gilt der Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten im Rahmen eines Betreuungsverfahrens ist ebenfalls wichtig.

    Mit der neuen Vorsorgemappe des Kreisseniorenrats Main-Tauber kann jeder entsprechende Vorsorge treffen für den Fall einer möglichen geistigen, seelischen und körperlichen Einschränkung. Die Mappen sind auch über die Betreuungsbehörde erhältlich.

    Bearbeitet von Katrin Amling

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