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    Großrinderfeld

    Geschichte: Diese Nachnamen sind in Großrinderfeld verschwunden

    Philipp Leuchtweis (1833-1893) und seine Ehefrau Katharina (1837-1901) hatten fünf Töchter und einen Sohn Johann Konrad. Letzterer hatte der wiederum mehrere Töchter und einen Sohn namens Anton hatte. Dieser hatte wiederum nur Töchter. Der Name Leuchtweis starb in dieser Linie aus. Das Familienfoto wurde um 1882 aufgenommen. Foto: Archiv Klaus Reinhart

    Wer seine Ahnen aus Großrinderfeld im Zeitraum der vergangenen 350 Jahre erforscht, wird bald erkennen, dass in diesem Zeitraum reihenweise Namen ausgestorben sind. Namen wie Borst, Betzwieser, Meining, Rost, Haag gibt es schon lange nicht mehr. Im 19. Jahrhundert gehörten sie noch zu den gängigen Namen. Nachwievor trifft das auf Namen wie Schmitt, Dürr, Stolzenberger, Thoma, Michel, Reinhart, Geiger, Kraus, Bach, Dertinger, Horn oder Lang zu.

    Die Ursachen, dass Namen in einem Dorf verloren gehen, sind vielschichtig. Bei dem Namen Haag konnte festgestellt werden, dass überdurchschnittlich viele Töchter und wenig Söhne geboren wurden. Durch die Heirat nahmen die jungen Frauen automatisch die Namen ihrer Ehemänner an und die Haags kontinuierlich ab. Der letzte männliche Haag, der den Namen hätte weitergeben können, fiel im 1. Weltkrieg.  Auch im Hause Meinig gab es zum Schluss nur Töchter, ebenso bei den Betzwiesers. Die Betzwiesers kamen nachweislich aus Gissigheim. Dort gibt es noch wenige, andere leben vermehrt in Tauberbischofsheim.

    Der Name Borst ist ebenfalls durch einen überdurchschnittlichen Frauenanteil letztendlich ausgefallen. Obwohl er in den umliegenden Ortschaften Ilmspan und Brunntal zwischen 1850-1900 ebenfalls häufig auftauchte, sind auch dort heute keine Borsts mehr zu finden. In Gerchsheim, wo vom 17. bis ins 19. Jahrhundert zahlreiche Borsts lebten, sind sie heute fast ausgestorben.

    Auswanderung und gefallene Soldaten sind Ursachen für gesunkene Namensvielfalt

    Eine weitere Ursache für das Verschwinden von Namen sind die massiven Auswanderungswellen  in die USA und nach Australien. Die Erste begann Mitte des 19. Jahrhunderts, die Zweite dauerte von Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre. Für genauere Erkenntnisse müssten Schiffslisten aus Hamburg und Bremen durchsucht werden. Durch die vielen gefallenen jungen Männer im Zuge der beiden Weltkriege wurde die Möglichkeit der Weitergabe des Familiennamens ebenfalls dezimiert.

    Zurzeit findet in Grossrinderfeld etwas statt, was vor 30 Jahren noch undenkbar war. Der Name Leuchtweis, der über Jahrhunderte mit vielen Familien vorhanden war, könnte demnächst ebenfalls aussterben. Lediglich ein jüngeres Ehepaar mit zwei Söhnen kann für den Erhalt sorgen. Zahlreiche Leuchtweis waren früher in der Kommunalpolitik und im Vereinswesen tätig. Nach dem 2. Weltkrieg waren gleich zwei Leuchtweis Feuerwehrkommandanten an der Spitze der Wehr. Der letzte Leuchtweis Bürgermeister regierte in der Weimarer Republik. Die Ursache für das „Leuchtweis-Sterben“ hat viele Gründe. Oft haben die männlichen Kinder studiert oder attraktive Berufe erlernt, wohnen heute in den Ballungsgebieten oder haben einfach nach auswärts geheiratet. Der demografische Wandel hin zu kinderlosen Familien ist ein weiterer Hauptgrund, ebenso die steigenden Zahlen im Singlebereich.

    Aussterben wird auch der Name Schenk, da nur noch eine ältere Person in Großrinderfeld lebt. Auch hier waren früher gleich zwei Feuerwehrkommandanten  zu verzeichnen. Durch Zuzug und Einheirat ist die Anzahl der Namen in einem Dorf wie Großrinderfeld jedoch erheblich gestiegen.

    Bearbeitet von Klaus Reinhart rein

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