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    Großrinderfeld

    Grenzsteine als Kleindenkmale erster Güte

    Mit viel Einsatz suchten die Schüler alte Grenzsteine und dokumentierten sie. Die Steine mussten ausgegraben und vom Moos befreit werden. Dann ging es darum, die Beschriftungen zu entziffern, den Stein zu vermessen und seinen Zustand zu beurteilen. Foto: Matthias Ernst

    Nach einer gemeinsamen Idee der Freiherr-von-Zobel-Grundschule und des Heimat- und Kulturvereins der Großgemeinde Großrinderfeld wurden in den letzten beiden Jahren gut die Hälfte der ehemaligen Grenzsteine Großrinderfelds zu den Nachbargemeinden freigelegt, geokartiert und katalogisiert. Obwohl sie ihre Bedeutung als Anzeige der Gemeindegrenze verloren haben, sind sie ein Zeugnis der Geschichte der Gemeinde und schützenswerte Kleindenkmale.

    Kulturelles Leben

    Kleindenkmale sind nach der Definition der Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg (GEEK) "Zeugnisse unseres kulturellen und wirtschaftlichen Lebens. Sie sind klein in ihren Ausmaßen, ortsfest, meist freistehend, von Menschenhand geschaffen und aus beständigem Material wie zum Beispiel Stein, Holz oder Metall. Kleindenkmale haben gestaltenden, künstlerischen oder handwerklichen Charakter und erinnern oft an bestimmte Personen oder Begebenheiten, markieren Rechte und Pflichten, grenzen Eigentum ein und Zuständigkeiten ab und erfüllen Funktionen im Alltag und bezeugen den Glauben".

    Dank des Einsatzes von Schulleiterin Sabine Klingert und Walter Lutz vom Heimat- und Kulturverein wurden zuerst im Rahmen des Ferienprogramms 16 Grenzsteine an der Grenze zu Ilmspan und Paimar gesucht, freigelegt und erfasst. Zusätzlich wurde von jedem Stein eine Fotografie angefertigt. So entstand ein einzigartiges Nachschlagewerk. Die Kinder waren dabei voll in ihrem Element. Schließlich galt es die Steine erst einmal zu finden, sie auszugraben und vom Moos zu befreien. Dann ging es darum, die Beschriftungen zu entziffern, den Stein zu vermessen und seinen Zustand zu beurteilen.

    So erfuhren die Kinder, dass die Buchstaben "GR" Gemeinde Großrinderfeld bedeuten, "GI" für Gemeinde Ilmspan und "GP" für Paimar steht. Dabei zeigt die jeweilige Beschriftung in die Richtung des Ortes, den sie bezeichnet. Auf der flachen Oberfläche ist meist noch eine Linie eingraviert, die den Grenzverlauf bis zum nächsten Stein anzeigt. Auch viele Jahreszahlen waren noch zu erkennen, einige Steine sind über 150 Jahre alt. Viele Steine besitzen zudem eine Nummerierung, die mit Eintragungen in alten Flurkarten übereinstimmt.

    Ergebnisse zusammengefasst

    Später wurde die Grenze zu Tauberbischofsheim und Impfingen abgegangen und nach demselben Muster dokumentiert. In Gruppen von vier bis sechs Kindern widmete man sich einem Grenzstein und erforschte ihn. Den Kindern zur Seite stand immer ein Erwachsender, neben Lutz und Klingert waren das Claus und Bernd Leuchtweis sowie Bernd Liebler. Die Ergebnisse wurden zusammengefasst und an das Landratsamt in Tauberbischofsheim gemeldet, wo sie in das Geoportal eingetragen wurden und so für jeden Interessierten abrufbar sind.

    Preisübergabe an die Großrinderfelder Grundschule (von links): Dorothee Kühnel, Gerhard Staib (beide GEEK), Nikolaus, Schulleiterin Sabine Klingert, 1. Bürgermeisterstellvertreter Sven Schultheiß, Ortsvorsteher Walter Lutz, Wanderwarte Bernd Leuchtweis, Claus Leuchtweis und Bernd Liebler. Foto: Matthias Ernst

    Die Arbeit in Großrinderfeld blieb auch der GEEK nicht verborgen. Dort hat man sich zum Ziel gesetzt, als erstes Bundesland alle Kleindenkmale zu dokumentieren. Normalerweise, so die 1. Vorsitzende Dorothee Kühnel, gibt der Verein nur Zuschüsse für Restaurierungen. Aber wegen des besonderen Einsatzes der Großrinderfelder Schüler wich man von dem Grundsatz ab und überreichte der Schule einen Scheck über 250 Euro. Der wurde feierlich im Rahmen einer kleinen Feier übergeben. Der erste Bürgermeister Stellvertreter Sven Schultheiß war voll des Lobes über den Einsatz der Schüler. Er vergaß aber auch nicht den Mitgliedern des Heimat- und Kulturvereins für ihren Einsatz zu danken. Es sei nicht selbstverständlich, dass man sich ehrenamtlich in diesem Maße engagiere.

    In den kommenden Jahren sollen weitere Grenzsteine, auch in den anderen Gemeindeteilen, kartiert werden.

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