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    Tauberbischofsheim

    Horst Evers: Ein grundsympathischer Typ im Engelsaal

    Der Kabarettist Horst Evers im Engelsaal. Foto: Ulrich Feuerstein

    Der Mann ist eigentlich das Understatement in Person: Ein Kabarettist der besonderen Sorte, ein echtes Original und dabei so alltäglich, wie man sich nur vorstellen kann, ein geradezu auffallend unauffälliger Normalo mittleren Alters, mittelgroß und von etwas fülliger Statur, mit spiegelblanker Glatze und großen Kinderaugen, ziegelrotem Hemd über schwarzen Jeans, sieht er aus wie ein kleiner Angestellter oder Beamter in einer deutschen Mittelstadt, ohne besondere Ansprüche ans Leben, ein sanfter, friedfertiger, grundsympathischer Typ, dem jeder gern auf die Schultern klopft, dazu biederer Familienmensch, der ohne aufzumucken nach Feierabend auch alle Hausarbeiten und Besorgungen erledigt, die der lieben Gattin und der lieben Tochter zu viel sind.

    Gemeint ist Horst Evers (geb.1967), aus dem niedersächsischen Diepholz stammend und seit langem in Berlin lebend, der bei seinem zweiten Gastspiel(das erste war schon 2005) im voll besetzten Engelsaal des Kunstvereins mit aktuellem Programm und seinem Markenzeichen, dem leisen, hintergründigem Humor reüssierte. Evers ist seinem Wesen nach eigentlich mehr Humorist als klassischer Kabarettist, für letzteres fehlen ihm die Lautheit, Hektik und Aggressivität, er spricht stattdessen ein gepflegtes Hochdeutsch, mal monologisierend, mal Dialoge improvisierend, mal mit mal ohne Blatt: Seine Spezialität sind komische Alltagsbeobachtungen und -episoden, maßvoll überspitzt und mit milder, nachsichtiger Ironie vorgetragen. So wurde auch im Engelsaal ständig halblaut gelacht doch nie gebrüllt. Für Lachsalven ist diese Kunst nicht geschaffen.

    Dafür hat der Künstler offenbar einiges bei dem unvergessenen Heinz Erhardt und - bei seinen leicht überspitzten aber lebensnahen Dialogen - ein bisschen auch von Vicco von Bülow gelernt, im Aufspießen des Alltäglichen und seiner der kleinen Ungereimtheiten und Widersprüche, die von den meisten übersehen werden, die Evers aber Anlass zu ebenso ausgedehnten wie umständlichen Gedankengängen mit am Ende absurden und grotesken Resultaten geben.

    Und last but not least hat er ein ungewöhnliches Talent zur koketten Selbstverspottung: So wenn er z.B. die eigene Unsportlichkeit überzeugend thematisiert, sich allenfalls mit „Rennrodeln“ identifizieren kann, weil es „im Liegen“ geschieht, oder sich daran erinnert, dass er im Sportunterricht bei allen Mannschaftssportarten das „Spiel ohne Ball“ immer vorgezogen hat....

    Was gab es sonst noch alles in den ca. zwei Stunden? Von Überlegungen zu den Vorteilen des Älterwerdens (in einer mehr denn je vom Jugendwahn besessenen Gesellschaft) über Möglichkeiten bis zu ein paar obligaten Seitenhieben auf Donald Trump, den Berliner Flughafen, Stuttgart 21 und die viel gescholtene Bahn reichte die Bandbreite: Alles Themen, die auch von Kollegen beackert werden, und doch gibt ihnen Evers seine ganz eigene gelassene und entspannte Note. Er besitzt nämlich etwas, was heutzutage auf diesem Feld extrem selten ist – persönlichen Charme.

    Bearbeitet von Thomas Hess

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