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    Tauberbischofsheim

    Landesbühne führt "Mercedes" in Wertheim und Tauberbischofsheim auf

    Tim Tegtmeier als Sakko (links) und Elena Weber als Oi spielen im Theaterstück "Mercedes" von Thomas Brasch in der Aufführung der Badischen Landesbühne. Foto: Sonja Ramm

    Die Badische Landesbühne zeigt am Dienstag, 17. März, um 19.30 Uhr in der Aula Alte Steige in Wertheim und am Montag, 4. Mai, um 19.30 Uhr in der Stadthalle in Tauberbischofsheim das Theaterstück "Mercedes" von Thomas Brasch in einer Inszenierung von Alexander Schilling. Das teilt die Landesbühne in ihrer Pressemitteilung mit.

    Zwei junge Menschen treffen sich im Nirgendwo: Sakko hat seinen Job verloren und dazu eine Abfindung bekommen. Arbeitslos, haltlos und einsam steht er an der Straße und zählt Autos. Um seinem Leben wieder Sinn zu geben, sieht er als einzigen Ausweg die Armee.

    Oi kann Sakkos Haltung nur schwer nachvollziehen. Für sie ist freie Zeit doppelte Zeit, arbeitslos oder Urlaub – kein Unterschied. Wenn sie etwas braucht, klaut sie es im Supermarkt oder aus der Umkleide in der Sauna. Und zur Not nimmt sie auch mal Geld für Sex.

    Sakko und Oi, so grundverschieden ihre Haltungen zum Leben und zur Arbeit auch sind, sie versuchen sich langsam anzunähern, probieren unterschiedliche Rollen, Konstellationen, Versuchsanordnungen aus, nehmen Rauschmittel und immer wieder neuen Anlauf. Medium oder Bindeglied ihrer Begegnungen ist ein Auto, das als Wunsch und Projektionsfläche dient: ein Mercedes.

    Sprachgewaltige Liebesgeschichte

    Thomas Braschs sprachgewaltiges Stück ist eine Liebesgeschichte. Es habe, so der Autor, mit Leonce und Lena zu tun, "mit den beiden Königskindern, die sich zufällig begegnen und ineinander verlieben, ohne zu wissen, dass sie diejenigen sind, die füreinander bestimmt sind. Oder mit Romeo und Julia, denen es verboten wird, sich zu lieben." Wie sie können Sakko und Oi ihr Ziel nicht auf geradem Weg erreichen. So wird erst über den Umweg von Experiment und Spiel für zwei Gestrandete etwas möglich, was in der stupiden Realität nicht zustande kommt: Nähe.   

    Der Schriftsteller und Filmemacher Thomas Brasch (1945 bis 2001) war eine der markantesten Figuren der neueren deutschen Literatur. Aus seinen Texten spricht die individuelle Erfahrung eines jungen Mannes mit dem Zwangssystem seines Vaters, der ein hoher Parteifunktionär in der DDR war. Die unbedingte Sehnsucht nach Utopie, die Beschreibung sozialer Unfreiheit und Auseinandersetzung mit entfremdeter Arbeit, die "dem Mensch das Leben wegfrisst" (Katja Lange-Müller), machen ihn zu einem Autor von bleibender Aktualität.

    Bearbeitet von Jürgen Sterzbach

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