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    TAUBERBISCHOFSHEIM

    Landwirte lernen innovative Höfe und Firmen kennen

    Die Teilnehmer der Lehrfahrt für Landwirte aus dem Main-Tauber-Kreis vor der Molkerei Schrozberg: Die Genossenschaft hat bundesweit einen hervorragenden Ruf, da sie sowohl konventionell als auch nach Demeter-Richtlinien erzeugte Milch verarbeitet. Foto: Lisa-Maria Guhs

    Gemeinsam mit dem Verband Landwirtschaftlicher Fachbildung Main-Tauber organisiert das Landwirtschaftsamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis jährlich eine Lehrfahrt für Landwirte. Sie gibt den Teilnehmern Gelegenheit, Berufskollegen über die Schulter zu blicken, Neues inner- und außerhalb der Landwirtschaft kennenzulernen und Ideen für den eigenen Betrieb zu sammeln. In diesem Jahr führte die Fahrt zu Betrieben im Main-Tauber-Kreis und im Raum Schrozberg im Landkreis Schwäbisch Hall.

    Erste Station war die Firma Roto Frank in Bad Mergentheim, die Wohndachfenster sowie Rollos produziert und Drehkipp-Beschlagsysteme für Fenster und Fenstertüren anbietet. Seit mehreren Jahren vertreibt Roto seine Produkte nur noch über den Fachhandel. Besonders beeindruckt waren die Teilnehmer von dem umfangreichen Schulungskonzept: am Firmensitz, dem „Roto Campus“, finden laufend Schulungen für Geschäftspartner und die eigenen Mitarbeiter statt. So kann das Unternehmen seine Qualitätsstandards weitergeben und sich von der Konkurrenz abheben, heißt es in einer Pressemitteilung.

    Beim Landwirtschaftsbetrieb Thomas Landwehr in Harthausen wurde der neue, als Teilaussiedlung errichtete Bullenmaststall besichtigt. Die Familie verfolgte damit das Ziel, die innerorts gelegene und sanierungsbedürftige Milchviehhaltung aufzugeben, jedoch weiterhin mit Rindern zu arbeiten und gleichzeitig den Betrieb für die nächste Generation zu erhalten. Beim Bau wurden zugunsten des Tierwohls hohe Anforderungen realisiert. Aus der Beobachtung der Tiere in den vergangenen Monaten konnte der Betriebsleiter bereits bestätigen, dass sich beispielsweise das höhere Platzangebot positiv auswirkt. Wie in vielen anderen Betrieben auch hat die lange Trockenheit diesen Sommer dazu geführt, dass der Betrieb Landwehr im Vergleich zum vergangenen Jahr auf seinen Flächen 30 Prozent weniger Maissilage ernten konnte und deshalb von anderen Betrieben Futter für den Winter zukaufen musste.

    Der landwirtschaftliche Betrieb Baureis in Schrozberg-Standorf hat vor wenigen Monaten einen neuen, besonders tiergerechten Mastschweinestall in Betrieb genommen, der durch das Programm der „Europäischen Innovationspartnerschaften“ (EIP) unterstützt wurde. Bei diesen werden im direkten Zusammenwirken verschiedener Forschungseinrichtungen und Praktiker neue Ideen entwickelt, getestet und in der anschließenden Begleitforschung auf Praxistauglichkeit hin untersucht.

    Die Fahrtteilnehmer konnten so beobachten, wie der Außenklimastall mit Hilfe eines Strohroboters mit Stroh eingestreut wird. Bis zu fünf Mal fährt der Roboter am Nachmittag während der Hauptaktivitätsphase der Schweine über die Stallbuchten hinweg und verteilt frisches Stroh, was den Tieren immer wieder einen Anreiz zur Beschäftigung bietet. Mehrere Klimazonen für die Tiere, Kot-Harn-Trennung (um Ammoniakemissionen zu reduzieren) oder eine Suhle, in der sich die Schweine abkühlen können, sind weitere Neuheiten. Ein Höhepunkt für Besucher ist der von außen zugängliche Besucherraum oberhalb des Stalls. Dort kann man durch eine große Glasfront ausgiebig die Tiere beobachten, ohne sie zu stören.

    Letzte Station war die Schrozberger Molkerei. Die Molkereigenossenschaft hat bundesweit einen hervorragenden Ruf, verarbeitet sie doch sowohl konventionell produzierte wie auch nach Demeter-Richtlinien erzeugte Milch. Bereits seit 1974, also seit mehr als 40 Jahren, wird letztere separat verarbeitet. Heute bietet die Molkerei das größte Demeter-Sortiment auf dem Markt von Frischmilch über Naturjoghurt bis Fruchtkefir an. Die konventionelle Milch wird häufig zu Spezialprodukten wie türkischer Joghurt oder Flammkuchencreme verarbeitet.

    Laufend wird an der Entwicklung neuer Produkte geforscht und werden Marktchancen aufgegriffen. Dabei kommt fortschrittliche Technik zum Einsatz, so zum Beispiel bei der Abfüllung und Verpackung mit Robotern. Glasverpackungen und Mehrwegsystem sind wieder sehr gefragt: Wurden vor zehn Jahren etwa acht Millionen Einheiten in Glas gefüllt, sind es heute schon etwa 18 Millionen Einheiten.

    Bearbeitet von Klaus Richter

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