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    WEIKERSHEIM

    Leiche im Gartenbeet: Geständnis oder Albtraum?

    Der Mord an Andrea L. aus Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) ist so gut wie geklärt. Ihr angeklagter 40-jähriger Ehemann schweigt vor Gericht in Lübeck zu dem Vorwurf, sie erstickt und im Gemüsebeet vergraben zu haben. Einer Sachverständigen gegenüber war er wohl offener: „Mir hat er die Tat gestanden,“ zitieren die „Lübecker Nachrichten“ die Sachverständige im Zeugenstand.

    Aus Angst vergraben?

    Dem NDR zufolge äußerte sich der Angeklagte allerdings sehr verklausuliert: Der psychiatrischen Gutachterin habe der Beschuldigte erzählt, seine Ehe sei zerrüttet gewesen. Am Morgen des 2. Weihnachtstages habe er seine Frau tot neben sich im Bett gefunden und sie aus Angst im Garten vergraben.

    Später habe er Albträume gehabt, in denen er seine Frau mit einem Kissen erstickt habe, so die Gutachterin im Zeugenstand. Ob das wirklich so passiert ist, daran könne sich der 40-Jährige nicht mehr erinnern.

    Im Gartenhaus versteckt

    Das Ehepaar aus Tauberfranken hatte zuletzt in Ostholstein gewohnt und gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 40-Jährigen vor, am 26. oder 27. Dezember 2017 seine Ehefrau im Schlaf mit einem Kissen erstickt zu haben. Die Leiche habe er zunächst in einem Gartenhaus auf dem Grundstück der Familie versteckt, berichten die „Lübecker Nachrichten“ von dem gerade begonnen Prozess. Weil der Angeklagte schweigt, kommen in der Beweisaufnahme jetzt 32 Zeugen und zwei Sachverständigen zu Wort.

    Fund im Garten

    Nicht der Ehemann, sondern Kollegen der Frau hatten sie bei der Polizei als vermisst gemeldet, als sie nicht zur Arbeit erschienen war. Eine umfangreiche Suche nach ihr begann. Mehr als zwei Wochen später fanden Ermittler bei der intensiven Suche in und am Haus der Familie den Körper der Toten im Garten in einem Gemüsebeet. Die Leiche war in Plastikfolie verpackt und neben einem Sielschacht auf dem Grundstück vergraben.

    Falsche Angaben

    Seinem 2007 geborenen Sohn, aber auch Nachbarn und Angehörigen hatte der Ehemann erzählt, seine Frau sei in die Schweiz gefahren, um dort zu arbeiten. Dies war aber nicht der einzige Verdachtsmoment: „Die Auswertung der Handydaten des 40-Jährigen hat ergeben, dass er kurz vor dem Verschwinden der Frau im Internet zu Tierbestattungen und ungeklärten Mordfällen recherchiert hatte. Das machte uns stutzig“, sagte ein Kriminalbeamter vor Gericht aus. Er hatte den Beschuldigten mit einem Kollegen stundenlang vernommen. „Als wir ihn damit konfrontierten, sagte er uns, es sei um den gestorbenen Hund eines Nachbarn gegangen.“

    Urteil Anfang Dezember

    Als Motiv für die Tat vermutet die Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte seine Frau tötete, um mit seiner Geliebten zusammenleben zu können. Die war nach Zeugenangaben am 27. Dezember mit ihrem Sohn bei ihm eingezogen.

    Der Prozess wird am 26. September fortgesetzt. Ein Urteil wird für Anfang Dezember erwartet.

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