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    Großrinderfeld

    Liebesgeschichte im 1. Weltkrieg über Ländergrenzen hinweg

    Der Soldat Johann Lang aus Großrinderfeld heiratete während des Ersten Weltkriegs die Lothringerin Anna Guisse. Foto: Archiv Reinhart

    Vor mehr als hundert Jahren erlebte der Wehrmann Johann Lang vom Landsturm Instandsetzungs-Bataillon III in Mosbach, geboren in Grossrinderfeld in Baden, eine filmreife Geschichte. 1875 in Großrinderfeld geboren, leistete er 1895 seinen zweijährigen Wehrdienst in der kaiserlichen Armee ab. Im Ersten Weltkrieg wurde er bald eingezogen und gehörte als älterer Soldat dem Landsturm an. Leute seines Alters wurden nicht an vorderster Front eingesetzt.

    Wie seine noch lebenden Enkel Edmund und Julian erzählten, fuhr er mit dem Großrinderfelder Landsturmmann Johann Popp ein Pferdefuhrwerk mit einem Transportwagen für Verwundete. Sie mussten die Schwerverwundeten von den Hauptverbandsplätzen hinter der Front in weiter zurückliegende Lazarette transportieren. Dabei waren sie oft feindlichem Artilleriebeschuss ausgesetzt. Eingesetzt waren beide in der Gegend von Metz im Reichsland Elsass-Lothringen, das seit 1871 zum Deutschen Kaiserreich gehörte.

    Die spätere Ehefrau kennengelernt

    In seiner spärlich bemessenen Frei- und Urlaubszeit hatte er auch Kontakt mit jungen Damen aus umliegenden Dörfern. Einige von ihnen waren als Krankenschwestern in den Lazaretten eingesetzt. Johann Lang lernte dabei Anna Guisse aus Insmingen kennen, die er 1915 dort heiratete. Die erste Tochter Josefine wurde noch 1916 in Insmingen geboren. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg musste Lothringen wieder an Frankreich abgetreten werden. Johann nahm seine Frau und Tochter mit nach Großrinderfeld. Dort wurden Tochter Thekla und die Söhne Edmund und Anton geboren.

    In der katholischen Kirche von Insmingen gaben sich Johann Lang und Anna Guisse 1915 das Jawort. Foto: Archiv Reinhart

    Der Kontakt von Großrinderfeld in die alte Heimat Lothringen war kurz nach dem Ersten Weltkrieg schwierig und zuerst nur auf Briefe beschränkt. Besuche waren erst später wieder möglich. Ab und zu kamen auch Verwandte aus Lothringen nach Großrinderfeld. Johann Lang starb 1937, seine Ehefrau Anna schon ein paar Jahre früher. Die Kinder wuchsen zusammen mit der Familie von Josefine auf.

    Lothringen zwischen Frankreich und Deutschland

    1940 wurde Lothringen und somit auch Insmingen wieder dem Deutschen Reich eingegliedert. Die Besuche waren jetzt wieder leichter möglich. Ein Verwandter aus Insmingen lebte und arbeitete während des Zweiten Weltkrieges längere Zeit in Großrinderfeld. 1945 wurde Lothringen wieder Französisch. Es dauerte eine Weile bis die gegenseitigen Besuche wieder möglich waren, sie hielten bis in die 70er und 80er Jahre an.

    Heute leben noch acht Enkel und vierzehn Urenkel von Anna Lang, geborene Guisse, in Großrinderfeld, weitere Enkel und Urenkel leben in anderen Städten in Süddeutschland. Insmingen ist heute eine französische Gemeinde mit rund 600 Einwohnern im Département Moselle in der Region Grand Est.

    Bearbeitet von Klaus Reinhart

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