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    Tauberbischofsheim

    Männergesangsverein Tauberbischofsheim wird 175 Jahre

    Der Männergesangverein und die Mini-Maxis sangen gemeinsam bei der Jubiläumsfeier mit Dirigentin Mechthild Geiger. Foto: Ulrich Feuerstein

    Historie und Gegenwart besitzen erstaunliche Parallelen. "Die Männer, die sich damals zusammenschlossen, setzten sich für ein anderes Deutschland, für eine bessere Zukunft ein", befand Wolfgang Paetow vom Liederkranz Tauberbischofsheim. Heute würde sich solch eine Bewegung vielleicht "Wednesdays for future" nennen, meinte das Mitglied des Führungstrios schmunzelnd in Anspielung auf den noch immer geltenden wöchentlichen Probentermin.

    Wolfgang Paetow würdigte besonders Chorleiterin Mechthild Geiger. Sie dirigiert nicht nur schon viele Jahre den Männergesangverein, sie hat vor 25 Jahren auch die Mini-Maxis gegründet. "Sie führt uns durch die Welt des Chorgesangs mit sanfter Geduld und fester Hand", erklärte Paetow. Ihrem unermüdlichen Einsatz sei es zu verdanken, dass die Sänger ihren Vereinszweck erfüllen können: geselliges Vergnügen zu bereiten, besonders durch Gesang.

    Einen Blick in die Chronik des Liederkranzes warf Hermann Müller. Der ehemalige Geschichtslehrer ergänzte die bislang schon recht gut dokumentierte Vereinshistorie um weitere Facetten. So hat der 1844 gegründete Chor als erstes Lied Friedrich Silchers "Ännchen von Tharau" einstudiert. Ein inniges Liebeslied und keinen der damals recht beliebten patriotischen Gesänge. Das sei eine "anrührende, zu Herzen gehende Überlieferung", meinte Müller.

    Liederkranz-Welt war noch in Ordnung

    Von der nationalen Begeisterung blieben die Sänger des Liederkranzes nicht unberührt. Zum 50-jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1894 stand der von Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich komponierte "Sang des Aegir" auf dem Programm. Der Vereinschronist, so hat Müller recherchiert, berichtete hinterher fast nichts: "Vielleicht war ihm der Auftritt nur peinlich."

    Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine für den Männergesangverein gute Zeit mit zahlreichen Höhepunkten. "Die Liederkranz-Welt war noch in Ordnung", so Müller. Viele Sänger, ein prall gefüllter Veranstaltungskalender und ein hohes Leistungsniveau bei anspruchsvollen Aufführungen. "Der Liederkranz war aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht wegzudenken."

    Mittlerweile ist die Schar der Sänger kleiner geworden. Dass sie trotzdem unverdrossen durchhält und sogar sehr aktiv ist, verdient nach Müller Auffassung allerhöchsten Respekt. Alle aktiven Sänger, so seine Erfahrung, hängen mit Herzblut an ihrem Liederkranz und wollen ihn am Leben halten. Mit einem flammenden Appell beendete Hermann Müller seinen Festvortrag.

    Die Glückwünsche der Kommune übermittelte Bürgermeisterin Anette Schmitt. Ihren Angaben zufolge vermittelt der Chorgesang wichtige Werte. "Wer in der Gemeinschaft singt", so Schmitt, "fügt sich ein und hört auf andere." Von solch einem disziplinierten Miteinander profitiere die ganze Gesellschaft.  

    Eine Bereicherung für das Zusammenleben

    Als einen Kulturträger, der das Zusammenleben der Bürger bereichert, bezeichnete Hubert Heffele den Jubiläumsverein. Der Vizepräsident des Sängerbundes Badisch-Franken lobte den Jubiläumsverein dafür, dass er sich dem Trend zur individuellen Freizeitgestaltung erfolgreich entgegenstelle. Mit der Gründung der Mini-Maxis habe der Liederkranz die Herausforderungen der Zeit angenommen.

    Die beeindruckende Geschichte und die erbrachten Leistungen des ältesten Vereins im gesamten Sängerbund Badisch-Franken würdigte Hubert Heffele mit zwei besonderen Auszeichnungen. Er überreichte die Gratulationsurkunde des Badischen Chorverbandes und die Ehrenurkunde des Deutschen Chorverbandes.

    "Trotz dem hohen Alter ist der Liederkranz kein verstaubter Verein", versicherte Christoph Schauder. Der Männergesangverein steht nach Auffassung des Ersten Landesbeamten vielmehr mitten im Leben. Den Sängern und ihrer Dirigentin bescheinigte er vorbildliches ehrenamtliches Engagement. Damit seien sie der "Kitt der Gesellschaft". Schauder kam nicht mit leeren Händen. Wie zuvor Bürgermeisterin Anette Schmitt übergab er einen Scheck.

    Gesungen wurde auch. Eine "Musica zu Ehren des Festtages" stimmte der Männergesangverein unter der Leitung von Mechthild Geiger an. Wilhelm Heinrichs' Lied hatte programmatischen Charakter. Es handelte von Klängen, die in Harmonie verbinden, und davon, dass das Singen die Menschen miteinander verbindet. Natürlich durfte das Ännchen von Tharau nicht fehlen. Die Mini-Maxis sangen, betreut von Ulrike Pfeifer Scheuermann und Stefanie Buck-Neuhäuser, "Wir sind Gottes Melodie" und "Verleih uns Frieden gnädiglich". Gemeinsam stimmten Männergesangverein und Mini-Maxis zum Abschluss des Festaktes das Badner-Lied an.

    Männergesangverein und Mini-Maxis mit Dirigentin Mechthild Geiger Foto: Ulrich Feuerstein
    Ehrung (von links): Vizepräsident Hubert Heffele, Wolfgang Paetow, Bertold Keller, Herbert Vierneisel und Wolfgang Runge (stellvertretender Vorsitzender des Sängerbundes Badisch-Franken) Foto: Ulrich Feuerstein

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