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    Tauberbischofsheim

    Matthias Brandts Romandebüt stößt in Bad Mergentheim auf großes Interesse

    Matthias Brandt erhielt den Bayerischen Filmpreis, den Adolf-Grimme-Preis und einen Bambi. Bei 'Literatur im Schloss' in Bad Mergentheim trat er als Autor und Erzähler auf.
    Matthias Brandt erhielt den Bayerischen Filmpreis, den Adolf-Grimme-Preis und einen Bambi. Bei "Literatur im Schloss" in Bad Mergentheim trat er als Autor und Erzähler auf. Foto: Felix Roettger

    Große Beachtung fand die Lesung von Schauspieler Matthias Brandt bei "Literatur im Schloss" in Bad Mergentheim. Die Vorstellung seines Romandebüts "Blackbird" wurde ob der großen Nachfrage vom Schloss in den Kursaal verlegt, der auch rasch ausverkauft war. Das hatte es bislang nur bei den Lesungen von Roger Willemsen und Martin Walser gegeben.

    Schon 2016 hatte Brandt als Schriftsteller mit "Raumpatrouille" eine melancholisch gefärbte Erzählung über die Kindheit in der Bonner Republik vorgelegt und dafür eine große Anerkennung erfahren. Mit "Blackbird" versucht sich Brandt nun als Romancier.

    Brandt wird zum Romancier

    Wiebke Porombka moderierte die Lesung über unterhaltsamen 90 Minuten: Sie überraschte den Autor mit einem "Amselfelder"-Rotwein von 1977. Brandt war nicht abgeneigt, den Wein gleich mit der Moderatorin zu probieren, denn der "Amselfelder" spielt im Roman über ein entscheidendes Jahr im Leben des 15-jährigen Motte und seines Freundes Bogi eine Rolle.

    Mit "Blackbird fielder" hat Bogi gleich die modische Übersetzung parat. Zum Wein gab es den von Porombka per Handy eingespielten Soundtrack des Erotikfilms "Bilitis".  Denn im Roman hat der jugendliche Ich-Erzähler Morten, von seinen Freunden "Motte" genannt, für die von ihm angebetete Jacqueline diesen Kinofilm ausgesucht.

    Doch für den frisch Verliebten endet der Kinobesuch im Fiasko. Motte lebt in einer ungenannten Kleinstadt am Ende der 1970er-Jahre und erfährt plötzlich von der Krebserkrankung seines besten Freundes. Mit großem Einfühlungsvermögen taucht Brandt mit lakonisch beschriebenen Empfindungen und trockenem Humor in die Gefühlswelt eines Pubertierenden ein, der auf dem Weg zum Erwachsenen viele Herausforderungen meistern muss.

    Gefühlswelt gerät ins Wanken

    Mottes Gefühlswelt gerät nicht nur wegen der Krankheit des Freundes ins Wanken. Im altersgemäßen Jargon schreibt Brandt über Mottes Schwärmen für Jacqueline mit dem Holland-Fahrrad, über dessen Bewunderung für Steffi, die eine Schornsteinfeger-Lehre absolviert, und wie der Jugendliche den Kiffer "Neandertaler-Klaus" und den Sozialkundelehrer Meinhardt sieht.

    Unverhofft kam Brandt beim Schreiben die lebenstüchtige Steffi in den Sinn. Sie wurde – neben Bademeister Elvis – zu seiner "Lieblingsfigur". In vielen Situationen steht Motte sich selbst im Weg, weil er sich bei Freundschaft, Liebe und Schmerz auf wackeligem Boden fühlt. Auch die Eltern und erst recht die Lehrer können ihm nicht weiterhelfen.

    Jugendsprache als Zeitzeugnis

    Rote Faden im Roman sind die Abgrenzungsversuche des inzwischen 16-Jährigen von der Welt der Erwachsenen. Die vom Autor verwendete Jugendsprache der späten 1970er-Jahre, mit denen sich Motte und Bogi von anderen Gruppen abgrenzen und sich eine eigene Identität sichern, ist heute ein Zeitzeugnis der Welt damals ohne Handy und Internet.

    Das macht den Reiz des Romans aus, der nicht nur als Hörbuch mit dem Autor selbst als Erzähler vorliegt, sondern auch für das Theater adaptiert und als Hörspiel bearbeitet wird.

    Für seine Lesung wählte Brandt das letzte Kapitel aus, in dem die Beerdigung von Mottes Freund Bogi geschildert wird, und fügte darin Rückblenden aus früheren Kapiteln ein, beginnend mit dem Anruf von Bogis Vater, der Mottes Leben auf den Kopf stellte.

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