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    Großrinderfeld

    Neue Wege der Bodenbearbeitung im Ackerbau

    Der Zinkengrubber zeigte mit einem guten flächigen Schnitt (Arbeitsbreite 4,30 Meter, Gewicht 2,5 Tonnen) und einer Tiefe von 3,5 bis 4 Zentimeter ein gutes Ergebnis. Foto: Bernauer

    Mit neuen Wegen im Ackerbau ohne den Einsatz von Glyphosat setzte sich der Feldtag zur Stoppelbearbeitung in Großrinderfeld im Main-Tauber-Kreis auseinander. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor. Dass die Bundesregierung zeitgleich am 4. September ihren Beschluss zum schrittweisen Verbot und das endgültige Aus des Unkrautvernichters bis Ende 2023 fällt, konnten die Veranstalter vorab nicht ahnen.

    Bei der gemeinsamen Veranstaltung des Landwirtschaftsamtes im Main-Tauber-Kreis und des Bioland-Landesverbandes wurden 15 Maschinen bei der Stoppelbearbeitung auf einem abgeernteten Sommergerstenfeld und beim Umbruch eines dreijährigen Luzernebestandes vorgeführt. Nahezu 400 Feldtagsbesucher konnten im Feld die Arbeitsqualität der Geräte zur Bodenbearbeitung vergleichen. Unter den Besuchern war auch Friedlinde Gurr-Hirsch, CDU-Landtagsabgeordnete und Staatssekretärin im Ministerium Ländlicher Raum, die sich über das große Interesse der Landwirte freute.

    Vorab gab es Informationen zum aktuellen Stand der Glyphosat-Zulassung, zu ersten Praxiserfahrungen im Ackerbau ohne Glyphosat und zur mechanischen Unkrautregulierung im Biolandbau. Nach den Worten von Meinhard Stärkel, dem Leiter des Bad Mergentheimer Landwirtschaftsamtes sollte die Gemeinschaftsveranstaltung auch zum gegenseitigen Lernen genutzt werden.

    Umfang der Zulassung bis 2023 noch ungewiss

    Zum derzeitigen Stand der Glyphosat-Zulassung berichtete laut Mitteilung Friedrich Merz vom Stuttgarter Regierungspräsidium. Nach der nationalen Neubewertung werde wohl erst zum 15. Dezember diesen Jahres feststehen, wie es mit der Anwendung von Glyphosat in Deutschland weitergeht. Laut Merz werden Beschränkungen für die Anwendung im Haus- und Kleingarten und öffentlichen Anlagen erwartet. Für die Landwirtschaft sei der weitere Umfang der Glyphosat-Zulassung noch ungewiss.

    Den Landwirten empfahl der Pflanzenschutzexperte daher, weiterhin den verantwortungsvollen Umgang mit dem Wirkstoff und nach Möglichkeiten zu suchen, die Anwendungen zu minimieren und unabhängig davon die Biodiversität und Artenvielfalt zu fördern. Um Wege für alternative Systeme zur Unkrautbeseitigung zu finden, sollte auch der Feldtag in Großrinderfeld dienen.

    Ackerbauliche Fähigkeiten sind gefragt

    Ackerbauberater Frank Käufler, der selbst Landwirt ist und in Nordhessen einen Hof bewirtschaftet, konstatierte ein instabiles Ackerbausystem. Zur Ausgangslage sagte er: "Wir haben in vielen Kulturen sinkende Erträge, massiv steigende Kosten und eine wahnsinnige Informationsflut. Wir brauchen deshalb mehr Ackerbau 1.0 statt Smart Farming 4.0 und Strategien, um mit dieser Sachlage klar zu kommen."

    Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium Ländlicher Raum freute sich über das große Interesse der Landwirte an dem Feldtag in Großrinderfeld. Im Bild ist sie zusammen mit Jonathan Kern (links) und Frank Käufler zu sehen, der die Bodenbearbeitungsmaschinen vorstellte. Foto: Bernauer

    Für den Berater steht fest, dass langfristig das vielfältige Anbausystem am nachhaltigsten sein wird. Allein Weizen, Silomais und Gerste decken zwei Dritte der gesamten Ackerbaufläche Deutschlands ab, was zu viel sei. Das in Hessen und Nordrhein-Westfalen gewährte Förderprogramm "Vielfältige Fruchtfolge" nannte Käufler beispielhaft. Mit 1000 Euro pro Hektar (Hessen) könnten rindviehhaltende Betriebe zum Beispiel den vollen Nutzen aus der Verwertung von Ackerbohnen und deren ackerbaulichen Vorteilen (Sommerung/Blattfrucht) ziehen. Förderbedingung sei, zehn Prozent der Fläche mit Ackerbohnen zu bestellen.

    Mit Blick auf die künftige Stoppelbearbeitung ohne Glyphosat würden Maschinen benötigt, die heute noch gar nicht verfügbar sind. Für sehr wichtig hält der Ackerbauexperte hierbei die Tatsache, dass 90 Prozent der Unkraut- und Ungräsersamen im Bereich von 0 bis 5 Zentimeter keimen.

    Mehr Überfahrten werden für den Bauern teuer

    Die einzuhaltende Arbeitstiefe von fünf Zentimetern war bei der Maschinenvorführung in Großrinderfeld daher die Vorgabe. Die Mehrkosten der Stoppelbearbeitung ohne den Einsatz von Glyphosat werden auf 100 bis 130 Euro pro Hektar veranschlagt. Nach einer Umfrage unter Landwirten wird davon ausgegangen, dass dazu zwei Überfahrten mehr erforderlich sind und die Arbeitstiefe um zehn Zentimeter erhöht werden muss.

    Den großen Nachteil intensiverer Bodenbearbeitung infolge eines Verbots von Glyphosat sieht Käufler in der steigenden Bodenerosion in Hang- und Steillagen. Mulchsaat sei deshalb nicht auf allen Flächen möglich. Auch die Nährstoffverlagerung werde zunehmen und der Boden durch einen massiven Anstieg der Verdunstungsrate trocken gelegt.

    Gespür für das Unkrautmanagement

    Bei der Unkrautregulierung im Ökoanbau geht es nicht allein um Striegeln und Hacken. Wie Bioland-Berater Jonathan Kern hervorhob, müsse man sich um den gesamten Komplex Gedanken machen. Das Unkrautmanagement bestehe aus sechs Säulen, wobei eine ausbalancierte Fruchtfolge das A und O bilde. Zusammen mit einem guten Kleegrasmanagement, das für Ökobetriebe grundlegende Bedeutung hat, seien bereits 80 Prozent der Hausaufgaben erledigt. Zu den weiteren Säulen zählt Kern den Zwischenfruchtanbau, die Sortenwahl, die mechanische Unkrautregulierung und die Bodenbearbeitung.

    Bearbeitet von Katrin Amling

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