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    Finsterlohr

    Oppidum Finsterlohr: Auf den Spuren der Kelten

    Das Oppidum in Finsterlohr war eine Stadt der Kelten. Solche Nachbauten von Wohnhäusern und Nutzgebäuden der Kelten sind im Freilichtmuseum heute zu sehen. Foto: Jürgen Haug-Peichl

    Zugegeben, für manche Menschen ist das Thema Kelten so prickelnd wie eine Verwaltungsvorschrift. Im Schulunterricht haben sogar die Römer oder Griechen bessere Karten. Andererseits umgibt die Kelten viel Mystik, Nebel und Ungewisses. Und genau das wiederum ist der Reiz, der von ihnen ausgeht.

    So oder so, die Zeit der Kelten wirkt bis heute nach - etwa in unserer Sprache. Und nicht zuletzt durch die wohl berühmtesten Kelten: Asterix, Obelix und Druide Miraculix.

    Diese Rekonstruktion einer sogenannten Pfostenschlitzmauer zeigt im Oppidum die Bauweise der Kelten. Foto: Jürgen Haug-Peichl

    Das Oppidum war eine richtige Stadt...

    Wer sich von diesen Comicfiguren abgesehen mit den Kelten intensiv beschäftigen will, steht oft vor zugewachsenen, unscheinbaren Hügeln irgendwo in der Landschaft. Man muss dann seine Fantasie schon sehr anstrengen, um zu erahnen, was rund um diese Grabhügel einmal war.

    Auf freiem Feld unweit des beschaulichen Dorfes Finsterlohr (Main-Tauber-Kreis) geht das einfacher. Denn dort befindet sich ein Oppidum, das einst eine respektable Stadt mit ein paar tausend Kelten gewesen sein muss und heute ein kleines Freilichtmuseum ist. Ein Kleinod hoch über der Tauber, das sich als Start oder Ziel für Wanderungen anbietet.

    ...und hat eine riesige Fläche

    Wobei Kleinod irgendwie der falsche Begriff ist: Das Bodendenkmal an der Landesgrenze zu Bayern hat die Fläche von gut und gerne 70 Fußballplätzen. Vieles davon ist Wiese, Acker oder Wald. Das hat Gründe: Zum einen waren diese befestigten Siedlungen ("Oppida", Einzahl: "Oppidum") der Kelten nicht komplett bebaut, Teile des Areals dienten als Weide- und Ackerland. Zum anderen sei in Finsterlohr noch längst nicht alles erforscht, sagt Angela Kopanitsak.

    Die Creglingerin kümmert sich im Verein "Keltisches Oppidum Finsterlohr-Burgstall" um das Erbe aus den vier Jahrhunderten vor Christi Geburt und macht dort Führungen im Kelten-Gewand. Für weitere Forschungsarbeiten am Oppidum fehle schlicht und einfach das Geld, so Kopanitsak. Deshalb wisse sie mit Blick auf Ausgrabungen nicht, "ob da noch was kommt".

    Spuren der Steinzeit

    Erstmals freigelegt wurden Teile der Keltensiedlung 1903. Weitere Ausgrabungen folgten nach Vereinsangaben 1910 und 1973. Das Gelände muss freilich schon weit vor den Kelten für Menschen attraktiv gewesen sein: Forscher fanden dort auch Werkzeuge aus der Steinzeit.

    Dass das Oppidum für die Kelten wichtig in puncto Verteidigung war, zeigt seine Lage: Das Hochplateau fällt im Norden und Osten steil ab ins Tal der Tauber, war von dort her also nur mühsam zu erobern. In den anderen Richtungen liegt flaches Feld, so dass dorthin Schutzvorrichtungen wichtig waren.

    Warum das Oppidum wie eine Burg war

    Davon zeugt im Oppdium Finsterlohr der Nachbau einer sogenannten Pfostenschlitzmauer, deren Eichenstämme im Original gut zwei Meter in die Erde reichten. Die Mauer soll bis zu sechs Meter hoch gewesen sein. Schon deshalb war das Oppidum für die außerhalb lebenden Kelten wie eine Burg und somit ein geschätzter Rückzugsort, wenn Feinde nahten.

    Wie Finsterlohr war auch der Staffelberg in Oberfranken für die Kelten ein wichtiger Ort. Auf dem Berg bei Bad Staffelstein stand ebenfalls ein Oppidum. Foto: Sascha Ott

    Finsterlohr reiht sich ein in Dutzende von Oppida, die die Kelten einst in einem breiten Korridor von Westfrankreich bis ins heutige Tschechien als Handels- und Stammeszentren errichteten. Das war das Kerngebiet dieses Volkes, das sich auch bis auf die Iberische Halbinsel, die britische Insel, den Balkan sowie nach Italien und in die Türkei ausbreitete. Bekannt sowohl für ihre Trinkfreudigkeit als auch für ihren Schmuck und ihre Druiden, waren die Kelten andererseits gern genommene Söldner in griechischen und karthagischen Heeren.

    Warum die Kelten wohl im Schatten stehen

    Diese Mischung an Merkmalen seien es, die die Kelten mittlerweile für junge Menschen wieder interessant macht, hat Angela Kopanitsak bei ihren Führungen beobachtet. Die Buben interessierten sich für keltische Waffen und Kriegsführung, die Mädchen für Gewänder und Schmuck. Dass dennoch die Kelten im Gegensatz etwa zu den Römern nach wie vor im Schatten der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen, liege daran, "dass sie in den Schulbüchern vernachlässigt worden sind".

    Das Info-Angebot im Oppidum von Finsterlohr steuert dem ein Stück weit entgegen. Es gibt einen weit gefächerten Einblick in das Leben jenes Volkes. Ein Volk, das auch unsere Sprache geprägt hat: Leder hieß "letro", heilig "sakro" und drei "tri".

    Oppidum Finsterlohr
    Das Areal zwischen den Orten Finsterlohr und Burgstall ist ganzjährig geöffnet. Freier Zutritt. Anmeldungen für Führungen (auch Schulklassen oder größere Gruppen) unter Telefon (0 79 33) 78 25 bei Familie Kammleiter im Gasthaus "Grüner Baum" in Finsterlohr.
    Der 2,5 Kilometer lange und weitgehend ebene Rundweg durch Teile des Oppidums hat sechs Stationen, eine Reihe von Infotafeln und ein kleines Infozentrum am Zufahrtsweg aus Richtung Burgstall. Zu sehen sind auf dem Lehrpfad auch Schutzwälle und Nachbauten - so eine für die Kelten typische Pfostenschlitzmauer sowie Gebäude.
    Nicht aus der Zeit der Kelten ist die Flachsbrechhütte auf dem Oppidum. Dennoch macht das Mini-Museum klar, dass Flachs auch bei den Kelten als Kulturpflanze gängig war. Führungen und Vorführungen in dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert sind nach Anmeldung bei Gerhard Strauß unter Telefon (0 98 65) 497  oder bei Klaus Geißendörfer unter Telefon (0 98 65) 547 möglich. Weitere Infos: www.kelten-creglingen-finsterlohr.de
    Um die Kelten geht es im Taubertal auch an einem anderen Ort: In Lauda bauen Freiwillige seit Jahren das frei zugängliche Keltendorf "Dubra" auf. Details: www.dubra.org
    Das in Franken wohl bekannteste Kelten-Oppidum ist auf dem prägnanten Staffelberg. Die gut 500 Meter hohe Erhebung ist der Hausberg von Bad Staffelstein in Oberfranken.
    Wanderungen rund ums Oppidum Finsterlohr
    Die Keltenanlage bei Finsterlohr bietet sich für Wanderungen an. So führt eine Rundtour (15 Kilometer, Startpunkt beliebig) von Finsterlohr über das Taubertal durch das Oppidum. Ein Abstecher ins Herrgottstal bei Creglingen mit der Herrgottskirche und ihrem berühmten Riemenschneider-Altar sowie zum Freizeitsee bei Münster ist möglich. Die Rundtour liegt streckenweise auf den Fernwanderwegen Main-Donau (Zeichen: "MD") und Main-Donau-Bodensee ("HW 4"). Weitere Infos: www.touren.liebliches-taubertal.de

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