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    Grünsfeld

    Rätsel um die Herkunft von Petrus und Paulus

    Christine Kastner und Alfred Beetz (rechts) mit Kirchenmaler Anton Schulz, in dessen Atelier in Bütthard die beiden Heiligenfiguren derzeit untergebracht sind. Foto: Ulrich Feuerstein

    Die Heiligen Petrus und Paulus sind die Patrone der katholischen Pfarrgemeinde. Zwei überlebensgroße Holzskulpturen mit ihrem Konterfei will der Kulturverein restaurieren lassen. Unterstützung erhält er vom Landesamt für Denkmalpflege. Das hat die beiden Figuren jetzt als besonders erhaltungswürdig eingestuft und in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen. Beide Figuren sind rund zweieinhalb Meter groß und aus Nadelholz geschnitzt. Restauratorin Sophie Richter hat bereits 2017 in einem Gutachten festgestellt, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Zirbenholz handelt.

    Um die Herkunft der beiden Figuren rankt sich eine spannende Geschichte. Mit detektivischem Spürsinn hat Dieter Büchner sie mit Unterstützung von Mitgliedern des Kulturvereins entschlüsselt. Beide Skulpturen wurden vor wenigen Jahren in einer Scheune in Zimmern entdeckt. Dorthin gelangten sie der Überlieferung nach erst 1997, und zwar aus Lauda. Aber auch Lauda ist wohl nicht der ursprüngliche Standort der Figuren.

    Nach Vermutungen des Kulturvereins Grünsfeld stammen sie aus Kloster Schöntal, wo sie am 1680 errichteten neuen Hochaltar der Klosterkirche aufgestellt gewesen seien. Nachdem die Kirche in Lauda 1694 abgebrannt war, sei der Hochaltar mit den beiden Figuren 1699 als Schenkung des aus Lauda stammenden Schöntaler Abtes Benedikt Knittel dorthin gelangt und später in der Pfarrscheune eingelagert worden.

    Indizien für beide Herkunftstheorien

    Diese Provenienzgeschichte dürfte nach Büchners Einschätzung jedoch nur zum Teil zutreffen. Zwar sind seinen Recherchen zufolge für den ehemaligen Hochaltar der Klosterkirche von Schöntal tatsächlich Figuren der beiden Apostelheiligen nachweisbar. Diese stammen laut archivalischer Überlieferung jedoch von dem Bildhauer Johann Jakob Sommer, mit dessen Werk die beiden Figuren keinerlei Übereinstimmungen zeigen. Zudem wurde der Schöntaler Hochaltar nicht 1699 nach Lauda überführt. Die archivalisch für 1699 belegte Überführung eines Altars aus Schöntal nach Lauda kann sich, so Büchner, demnach nicht auf den 1680 errichteten Schöntaler Hochaltar beziehen.

    Dennoch sprechen verschiedene Indizien für eine Herkunft der beiden Figuren aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster Schöntal. Zunächst ist dies der Umstand, dass die beiden Heiligen Petrus und Paulus die Patrone des Klosters sind. Für eine Herkunft aus Schöntal spricht auch die enorme Größe der Figuren, die eine ursprüngliche Verwendung in einer großen Klosterkirche oder sonstigen größeren Kirche wahrscheinlich macht. "Für Schöntal spricht vor allem aber das ungewöhnliche Material Zirbelkiefer, das nur in der Alpenregion vorkommt", ist Büchner überzeugt.

    Staatliche Zuschüsse durch die neue Einschätzung

    Dieter Büchner kommt in seinem Gutachten zu dem Schluss: "Die beiden Figuren der heiligen Petrus und Paulus sind insbesondere aus künstlerischen und wissenschaftlichen Gründen ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung." Ihre Qualität überrage weit diejenige der übrigen südwestdeutschen Monumentalskulptur der Mitte des 17. Jahrhunderts. Laut Büchner kommt ihnen aber auch eine große heimat- beziehungsweise landesgeschichtliche Bedeutung zu, "da sie das Wissen um die Kunstgeschichte einer der bedeutendsten Klosteranlagen des Barocks in Baden-Württemberg wesentlich erweitern."

    Die Verantwortlichen beim Kulturverein freut diese Einschätzung. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Skulpturen zu erhalten. "Unsere erste Vermutung hat sich bestätigt", betont Vorsitzende Christine Kastner. Ihr Stellvertreter Alfred Beetz weist darauf hin, dass mit der Aufnahme in die Liste der erhaltenswürdigen Kulturdenkmale die weitere Arbeit deutlich erleichtere. "Damit können wir auf nicht unerhebliche staatliche Zuschüsse hoffen."

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