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    Tauberbischofsheim

    "Rekordbeteiligung" bei Altmeister-Feier

    Eiserne und Diamantene Meisterbriefe verliehen: Bei der Altmeisterfeier gab es diese besonderen Auszeichnungen; hier die Geehrten, dazu (stehend von links) MdB Alois Gerig, Kreishandwerksmeister Michael Szabo und Bürgermeister-Stellvertreter Norbert Groß sowie (stehend von rechts) Geschäftsführerin Angelika Gold und Handwerkskammer-Präsident Ulrich Bopp. Foto: Herbert Bickel

    Das Interesse steigt stetig: Gar von einer „Rekordbeteiligung“ sprach daher Geschäftsführerin Angelika Gold, als am Sonntagnachmittag in der Stadthalle in Lauda die traditionelle Altmeisterfeier der Kreishandwerkerschaft Main-Tauber mit rund 400 Besuchern über die Bühne ging. Im Mittelpunkt der festlichen Veranstaltung stand dabei in erster Linie die Verleihung der Meisterbriefe, wobei man den Umfang hinsichtlich der Geehrten vor drei Jahren erstmals ausdehnte. Seitdem gibt es nicht nur die Auszeichnung in Gold (diesmal 24), sondern auch in Diamant (gleich in zwölffacher Ausfertigung) und sogar zweimal in Form eines Eisernen Meisterbriefes .

    Bei gelungener Umrahmung, auf akustischer Seite durch die schmissigen böhmisch-mährischen Klänge der Eiersheimer Musikanten unter der Leitung von Eddy Hauck sowie in sportlicher Hinsicht durch die Einlagen der Tanzgemeinschaft TSG Veitshöchheim/CF Zellerau mit ihrer Trainerin Silvia Schrauth, würdigte Kreishandwerksmeister Michael Szabo die Altmeister neben der Treue zum Beruf vor allem für die Weitergabe ihrer Fähigkeiten. Mit ihrer Lebensleistung hätten sie die Fundamente des Handwerks gestärkt, bekräftigte Szabo, der sich nach dem Dank an Partner und Freunde auch mit einem kurzen Blick der Zukunft zuwandte.

    Prüfung vor mindestens 50 Jahren abgelegt: Die Goldenen Meisterbriefe wechselten gar 24 Mal auf der Bühne den Besitzer; die traditionelle Veranstaltung seitens der Kreishandwerkerschaft erfuhr einen weiter steigenden Zuspruch, ersichtlich an den rund 400 in Lauda bestens unterhaltenen Besuchern. Foto: Herbert Bickel

    „Wir setzen uns weiterhin für die Beibehaltung des Meisterbriefes für die künftige Generation ein, und zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“, erhob diese Forderung der Obermeister der Kfz-Innung, der den Meisterbrief als „ein Kulturgut des Handwerks“ bezeichnete, das man nicht antasten dürfe. Der Wertheimer, der die momentane Situation in der Ausbildung beklagte, die ein seiner Meinung nach bedenkliches Bild zeige, untermauerte diese Aussage mit fehlenden Besetzungen in Berufen wie Bäcker, Metzger, Zimmermann oder Bauarbeiter, ehe er die Frage nach dem heutigen Stellenwert des Handwerks in der Familie aufwarf.

    „Wollen wir nur noch Akademiker und Wissenschaftler?“, formulierte es Michael Szabo, der auf die Verknappung der Arbeitskraft und die bereits vorhandenen Terminnöte verwies, einhergehend mit steigenden Preisen, bevor er an die Eltern appellierte, diese sichere Erwerbsquelle in die Überlegungen mit einzubeziehen. Schließlich hätten die Handwerker maßgeblich zum Wohlstand beigetragen, griff im Anschluss der stellvertretende Bürgermeister von Lauda-Königshofen, Norbert Groß, diesen Gedanken auf, wozu er aber ebenso sonstige Aktivitäten der nunmehrigen Jubilare hervorhob. Auch beim Repräsentanten der Kommune, der die große Resonanz in der Halle „überwältigend“ fand, bildete das teilweise Aussterben gewisser Berufe ein wichtiges Thema, verbunden mit einem Abstecher zur Bedeutung des Meisterbriefes.

    Er selbst komme bald in den Genuss der goldenen Ausführung, fügte der Bundestagsabgeordnete Alois Gerig an, der gezielt die Leistungen und Qualität im Handwerk als besondere Attribute in das Blickfeld rückte, ehe er das Augenmerk auf die Vorbildfunktion des dualen Systems lenkte. Man sei gerade dabei, die ja seit 2004 gültige teilweise Aufhebung der Meisterpflicht in so manchen Bereichen zu überdenken, wusste Gerig, der den erkennbaren Mangel an Facharbeitern als „größte Sorge“ titulierte. Dabei biete dieser Berufszweig durchaus Perspektiven für Abiturienten, betonte der Abgeordnete, der sich im Anschluss noch ausführlich der Einbeziehung von Migranten sowie den Vorzügen des ländlichen Raumes widmete.

    Die Tradition dieser Veranstaltung in Lauda unterstrich der Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Ulrich Bopp, der anmerkte, dass es egal sei, ob es sich um die Aushändigung von Goldenen, Diamantenen oder sogar Eisernen Meisterbriefen handele. „Allen gebührt gleichermaßen Wertschätzung, Respekt und Anerkennung.“ Er führte an, dass die Jubilare mit der Gründung von eigenen Betrieben Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen hätten.

    Nach einem ausdrücklichen Lob für die Heranziehung des Nachwuchses, womit man die Zukunft des Handwerks gesichert habe, nannte Bopp auch das ehrenamtliche Engagement, um damit grundsätzlich überzuleiten auf die Frauen – „als Allround-Mitarbeiterinnen unerlässlich für den Erfolg eines florierenden Betriebes“. Überhaupt interessiere natürlich in diesem Zusammenhang die derzeitige Wirtschaftslage im Handwerk, machte Bopp auf diesen Sektor aufmerksam, wobei er auf mehr Aufträge und Umsätze sowie eine sehr hohe Auslastung auch im letzten Quartal 2018 hinwies.

    Jetzt reichten die Auftragsbestände bei rund einem Viertel noch für mehr als zwölf Wochen, so der Präsident, der die Nachfrage auch in diesem Jahr „weiterhin hoch“ nannte. Positiv entwickelt habe sich erfreulicherweise außerdem die Situation bei den Ausbildungsplätzen, hieß es zu zuletzt 1957 neu eingetragenen Verträgen im Kammerbezirk, einem kleinen Plus, womit sich der Aufwärtstrend in der Region weiter fortsetzte, verdeutlichte der Redner, der nach dem vorherigen Rückgang seit 2014 einen Anstieg von knapp 13 Prozent erkannte. Bei den neuen Ausbildungsverhältnissen entfielen 184 auf Menschen aus Asylzugangsländern, ein Anteil von fast zehn Prozent, betonte Bopp, der hier ein wichtiges Instrument sah, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Aktuell finde man schließlich noch über 650 freie Plätze mit Beginn 2019 in der Lehrstellenbörse, „davon 128 im Main-Tauber-Kreis“.

    Eiserne, Diamantene und Goldene Meisterbriefe verliehen

    Eiserne Meisterbriefe: Büromaschinenmechaniker: Julius Stang (Lauda-Königshofen), Steinmetz und Bildhauer: Ernst Breidenbach (Bad Mergentheim)

    Diamantene Meisterbriefe: Bäcker: Kurt Freymüller (Igersheim), Ernst Pippinger (Bad Mergentheim), Friseur: Otto Michel (Tauberbischofsheim), Elmar Mütsch (Bad Mergentheim), Egon Singer (Bad Mergentheim), Damenschneiderin: Anna Knebel (Külsheim), Kraftfahrzeugmechaniker: Horst Mott (Tauberbischofsheim), Schlosser: Werner Schwend (Wertheim), Schmied: Fritz Hammer (Niederstetten), Schreiner: Konrad Ziegler (Freudenberg), Uhrmacher: Wolfram Schwarz (Wertheim), Zimmerer: Friedrich Ulshöfer (Bad Mergentheim).

    Goldene Meisterbriefe: Elektroinstallateur: Walter Bach (Laudenbach), Rudolf Spengler (Lauda-Königshofen), Karl Zürn (Wertheim) Fleischer: Edgar Baumann (Hundheim), Wilhelm Nörr (Niederstetten), Friseur: Bernd Kolb (Wertheim), Kraftfahrzeugmechaniker: Friedrich Fertig (Brehmen), Reinhold Herrmann (Schwabhausen), Günter Klingert (Oberlauda), Rudolf Meinikheim (Bad Mergentheim), Dieter Mengler (Lauda-Königshofen), Landmaschinenmechaniker: Stefan Hernadi (Assamstadt), Emil Pranghofer (Niederstetten), Maler und Lackierer: Norbert Eckert (Bad Mergentheim), Helmut Müller (Bad Mergentheim), Maschinenbauer: Arnold Schmidt-Tudl (Wertheim), Schlosser: Karl-Egon Haamann (Freudenberg), Schmied: Ludwig Lampert (Weikersheim), Schornsteinfeger: Heinz Hemmer (Knittlingen), Schreiner: Peter Blum (Ahorn), Walter Merkert (Löffelstelzen), Steinmetz und Bildhauer: Gerhard Kuhn (Lauda-Königshofen), Stuckateur: Klaus Hefner (Boxberg), Ernst Ulshöfer (Edelfingen)

    Bearbeitet von Herbert Bickel

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