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    TAUBERBISCHOFSHEIM

    Skandal-Schlachthof: Rätselraten, wie es weitergeht

    Ein halbes Jahr nach dem Tierschutzskandal gibt es nach wie vor viele Fragezeichen um den Schlachthof in Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis). Er hat zwar nach der Zwangsschließung wieder eine Betriebsgenehmigung bekommen, ist aber seit Monaten und bis auf Weiteres geschlossen. Warum es nicht weitergeht, ist nicht klar.

    Behörden gaben grünes Licht

    Wie das Landratsamt Main-Tauber-Kreis auf Anfrage dieser Redaktion mitteilte, sei dem Schlachthof der US-amerikanischen OSI-Gruppe im August die Genehmigung für Schlachtungen wieder erteilt worden. Dies sei „in enger Abstimmung mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz“ in Stuttgart geschehen. Die Genehmigung sei an Auflagen gekoppelt, „die in der Praxis engmaschig überprüft werden“, so das Landratsamt.

    Sprecher: Nicht klar, wie es weitergeht

    Wie schon während des Skandals um Schlachtmethoden im Februar äußerte sich OSI jetzt zur aktuellen Lage nicht selbst. Dazu beauftragt wurde die Agentur FleishmanHillard in Frankfurt.

    Wie dort ein Sprecher gegenüber dieser Redaktion sagte, stehe der Betrieb in Tauberbischofsheim seit April still. Die 50 Mitarbeiter befänden sich nach wie vor auf der Lohnliste von OSI und hätten zum Teil Urlaubstage und Überstunden als Überbrückung der freien Zeit eingebracht.

    Dass die Mitarbeiter gehalten werden, zeige, dass OSI am Schlachthof Tauberbischofsheim festhalten wolle, so der Sprecher weiter. Wann der Betrieb dort wieder laufen wird, habe er aus der deutschen OSI-Zentrale in Gersthofen bei Augsburg nicht erfahren. „Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen.“ OSI nehme seine Verantwortung „sehr ernst“.

    Bauernverband weiß auch nichts Genaues

    Unklarheiten über den Schlachthof im Norden der Stadt gibt es auch beim Landesbauernverband in Tauberbischofsheim. „Ich weiß nicht, was da abgeht“, sagte Kreisgeschäftsführer Stefan Fröber am Dienstag.

    Wohin die bislang an den Schlachthof gelieferten Tierkontingente nun gehen, sei ihm nicht bekannt. Jeder Viehhalter regle das für sich. Und das scheint keine Probleme zu machen: „Bei mir hat sich noch kein Landwirt gemeldet, der nicht weiß, wohin er seine Tiere bringen soll“, schildert Fröber.

    Was eine Augenzeugin gesehen hat

    Dass derzeit auf dem Schlachthof in Tauberbischofsheim nichts geht, schilderte am Dienstag eine Augenzeugin dieser Redaktion. Nur einen Wachmann habe sie gegen Mittag auf dem Gelände gesehen. Aktuelle Fotos zeigen einen menschenleeren Hof, herunter gelassene Rollläden und geschlossene Rolltore an den Laderampen.

    Indes sind bei der Staatsanwaltschaft in Mosbach die Ermittlungen zu Tauberbischofsheim „noch nicht abgeschlossen“, wie Sprecher Florian Sommer auf Anfrage sagte. Das werde wohl erst „in vier bis sechs Wochen“ der Fall sein. Es handle sich um sehr viele Unterlagen, die zu prüfen sind. Sommer zufolge wird gegen gut zwei Dutzend Menschen ermittelt, darunter sowohl Verantwortliche des Schlachthofes als auch Veterinäre.

    Was Tierschützer meinen

    Den Stein ins Rollen hatte im Februar der Augsburger Verein Soko Tierschutz gebracht, als er heimlich im Tauberbischofsheimer Schlachthof gedrehte Videoaufnahmen mit skandalösen Schlachtmethoden veröffentlichen ließ. Amtliche Veterinäre stehen seither ebenfalls am Pranger, weil sie dem Treiben zugeschaut haben sollen, ohne einzuschreiten.

    Noch im Februar schlossen die Behörden den Schlachthof vorübergehend. Der Betreiber sicherte Verbesserungen zu. Im April durfte der Schlachthof in eingeschränktem Maß wieder produzieren. Doch wenige Tage später war damit erneut Schluss, weil es nach wie vor Mängel gab.

    Wie Soko-Sprecher Friedrich Mülln auf Anfrage sagte, „haben wir nach wie vor die Sache im Blick“. Nach seinen Informationen darf OSI in Tauberbischofsheim der Betriebsgenehmigung zufolge derzeit höchstens 20 Tiere pro Stunde schlachten. Vor dem Skandal waren es laut Landratsamt 200 pro Tag gewesen. „Ich weiß, dass OSI Druck machen wird“, das aktuelle Kontingent erhöhen zu dürfen, so Mülln. Andernfalls sei der Schlachthof nicht rentabel.

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