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    Grünsfeld

    So soll der Weinbau in Grünsfeld wieder an Bedeutung gewinnen

    Pflanzaktion mit Initiator Karl-Heinz Schmidt (rechts) und Bürgermeister Joachim Markert (Zweiter von rechts) sowie Mitgliedern des Vereins für Obstbau, Garten und Landschaft. Foto: Ulrich Feuerstein

    Der Weinbau hat in Grünsfeld eine lange Tradition. Einst haben die hiesigen Winzer ihren edlen Rebensaft bis nach Frankfurt, Nürnberg und München verkauft. Heute erinnert an diese Vergangenheit so gut wie nichts mehr. Das soll sich ändern. Ein Schauweinberg am Zehntgebäude knüpft an die alte Tradition an.

    Als „kulturhistorisch wertvoll“ und „des Erinnerns wert“ bezeichnet Karl-Heinz Schmidt die Geschichte des Weinbaus in Grünsfeld. Von ihm stammt die Idee, einen Schauweinberg anzulegen. Bürgermeister Joachim Markert und der Gemeinderat gaben grünes Licht. Die Suche nach einem geeigneten Ort für die Anpflanzung gestaltete sich schwierig, weil in Frage kommende Flächen unter Naturschutz standen. Letztlich entschied man sich für das Areal hinter dem Zehntgebäude.

    Mehr als 100 Rebstöcke geplanzt

    Am vergangenen Samstag war es dann soweit. Schmidt, Markert und etliche Helfer vom Verein für Obstbau, Garten und Landschaft pflanzten mehr als 100 Rebstöcke. „Wir unterstützen die gute Idee“, erklärte Vorsitzender Herold Schäfer. Die Mithilfe war mehr als angebracht, denn die Pflanzaktion gestaltete sich als schweißtreibende Angelegenheit. Der mit Steinen durchsetzte Boden war gar nicht so einfach zu bearbeiten.

    Die Rebstöcke hat Ökowinzer Michael Baumann aus Gerlachsheim zur Verfügung gestellt. 99 davon sind Exemplare mit dem Namen Pinot Nova. Die Rotweinsorte gilt als widerstandsfähig gegen Pilzbefall. Hinzu kommen zehn verschiedene Tafeltrauben wie Muskat Bleu oder Birsfelder Muskat. Diese Sorten schmecken, so Baumann, besonders gut und sind für den sofortigen Verzehr gedacht. „Wer daran vorbeigeht, darf zugreifen und naschen.“

    Ein Blick in die Geschichtsbücher macht die große Tradition des Weinbaus in Grünsfeld deutlich. Das erste Schriftstück stammt aus dem Jahr 1116. Allein in den Kellern der ehemaligen Burg sollen im 13. Jahrhundert 1000 Fuder – das entspricht rund einer Million Litern – Wein gelagert worden sein. Die erste Weinschenke ist für das Jahr 1388 nachgewiesen. Auch existierten im Stadtgebiet so genannte Hecken- oder Besenwirtschaften.

    Tauberweine galten als leichter als die Mainweine

    Seit dem 15. Jahrhundert sorgten die hiesigen Grafen dafür, dass der Wein über die Grenzen hinaus bekannt wurde. Der Weinhandel im Mittelalter und der Renaissance spielte sich vorwiegend mit Großhändlern in Frankfurt, München und Nürnberg ab. In einem Gutachten aus dem Jahre 1724, das den Würzburger Bischöfen vorgelegt wurde, werden die Tauberweine als blumig und fruchtig und leichter als die Mainweine bezeichnet, wobei in Grünsfeld überwiegend Rotweine angebaut wurden.

    Einen Rückschlag im Weinbau erlitt Grünsfeld bei der Neugliederung des Deutschen Reiches durch Napoleon. Die Zölle zu den Nachbarstaaten erschwerten den Handel erheblich. Hänge verwahrlosten und verödeten. 1834 waren viele Weinberge ausgehauen, Rebenanbau wurde zur Nebensache. Da der Ertrag im Taubertal unter dem badischen Durchschnitt lag, schickte die Landesregierung die hiesigen Winzer zu einem Lehrgang nach Meersburg.

    Ab 1886 fügte die Weinrebenkrankheit Peronospora den Winzern große Schäden zu. Die durch diese Krankheit befallenen Reben erfroren im folgenden Winter. Der strenge Winter 1889/1890 gab dem Weinbau hier den Rest. Eine fast 800-jährige Weinbautradition ging damit zu Ende.

    Der Schauweinberg im historischen Burgareal markiert in gewissem Sinne einen Neuanfang. Bürgermeister Joachim Markert hofft, dass zum Stadtjubiläum im nächsten Jahr die ersten Trauben genossen werden können. Und angesichts des Klimawandels könnte der Weinbau in Grünsfeld wieder eine Rolle spielen.

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