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    Lauda-Königshofen

    Theaterstück "Hilde brennt" feierte Premiere

    Das Opfer im Visier: Matthias Weber als Werner und Cornelia Fibich-Bucher als Irmgard. Foto: Ulrich Feuerstein

    Väter haben kein gutes Image mehr. Laut feiert der Zeitgeist die vaterlose Familie als eine ohne Angst, Gewalt und Missbrauch. Ein Trugschluss. Welche verheerenden Folgen es hat, wenn ein Vater verschwindet, zeigt eindrucksvoll Tobias Endres mit seinem Theater Relatief. Das Stück „Hilde brennt“ feierte Premiere im Kulturschock.

    Die Abwesenheit des Vaters

    „Es gibt keine Kompromisse!“ So lautet eines der Dogmen, die Tobias Endres seinem ersten eigenen Werk vorangestellt hat. Kompromisslos und mit existentialistischer Wucht entfaltet sich auf der Bühne das Drama. Es handelt von einem Vater (Martin Weißenberger als Herbert), der nicht nach Hause zurückkehrt. Seine Abwesenheit wird zum Konvergenzpunkt der Sehnsüchte, Einsamkeiten und Ängste der Zurückgelassenen und ihrer bisweilen tragisch-komischen Versuche, mit dieser Leerstelle zurechtzukommen.

    Es ist viel, was Endres in sein Theaterstück gepackt hat. Es ist viel, was er dem Zuschauer zumutet. Wer sich aber darauf einlässt, wird reich beschenkt. Starke Charaktere sind zu erleben. Sie alle sind in irgendeiner Form beschädigt und gehen unterschiedlich mit ihren Deformationen um.

    Da ist Friedrich, der Sohn, spindeldürr und mit großer Verzweiflung gespielt von Lothar Lempp. Er flieht in Mittelalterphantasien und fürchtet eine Wiederholung der Hildebrandsgeschichte. Das Hildebrandslied kommt hier ins Spiel. Das früheste Textzeugnis in deutscher Sprache liefert die Folie und den mythologischen Hintergrund, vor dem die Tragödie sich abspielt.

    Daneben gibt es noch Svenja, die Tochter (Sophia Endres). Ihre Wut auf den abwesenden Vater zielt ins Leere. Einander sind die Geschwister auch kein Halt. Und Ruth, die Mutter, (Barbara Ernst-Hofmann) verliert sich in ihren projizierten Sehnsüchten.

    Reaktion auf Verlust

    Das Stück wirft die Frage auf, wie eine Gesellschaft auf den Verlust ihrer Helden und Mythen reagiert. Die archaische Gewalt und die Verrohung der verschworenen Jägergemeinschaft machen deutlich, dass das Haltbarkeitsdatum ihrer überlieferten Glaubenssätze längst abgelaufen ist.

    Zusehends verwischen die Grenzen zwischen Gegenwart und mythologischer Vergangenheit, zwischen Realität und Spiel. Als das gesamte Dorf zur Suche nach dem abwesenden Vater aufbricht, eskaliert die Situation Es sind die Männerfiguren, die die Gewalt ins Spiel bringen. Andreas Berge als Wolfgang entwickelt unverhohlene Gewaltphantasien. Er sorgt für einen kleinen Skandal, weil er nackt auf der Bühne zu sehen ist. Die Entdeckung des Abends ist Matthias Weber. Sein Werner ist die Verkörperung ungezügelter Brutalität und macht mit seinem verstörenden Auftritt deutlich, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist.

    Humor bricht die Gewalt

    Eine Komödie hat Tobias Endres sein Stück im Untertitel genannt. Und so gibt es neben größter Grobheit auch viel Humor, gepaart mit Ironie und feinem Wortwitz. Der Humor bricht die Gewalt und lässt sie erträglich erscheinen. Das macht „Hilde brennt“ zu einem Drama der Humanität.

    Ironisch gebrochen wird die Gewalt durch den Pfleger Trauf. Hiner Ali, aus Syrien geflohener Kurde, spielt augenzwinkernd mit der Migrantenrolle. Mit Christoph Adam gerät zudem ein Aphasiker ins Stück, Symbol für alle Sprachlosen und Sprachverweigerer.

    Eine weitere Inszenierungsidee sind die im Stück als Regisseure agierenden Kinder Luisa (Luisa Waldecker) und Amelie (Amelie Waldecker). Ihr Eingreifen macht deutlich, dass das Schicksal immer auch eine andere Wendung nehmen kann. Darüber darf am Ende sogar das Publikum entscheiden. Endres hat zwei Schlussvarianten ausgearbeitet. Welche der Zuschauer erleben möchte, kann er selber entscheiden.

    Die Aufführung am Samstag, 9. November, ist bereits ausverkauft. Weitere Termine sind am Sonntag, 10. November, Freitag, 15. November, Freitag, 22. November, Samstag, 23. November, und Sonntag, 24. November. Die Aufführungen beginnen freitags und samstags jeweils um 19 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei Moritz und Lux in Lauda unter Tel.: (09343) 65530 und unter www.theater-relatief.de.

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