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    GRÜNSFELD

    Treffpunkt am Nachtwächter aus Holz

    Das Bild zeigt (von links) Nachtwächter Hermann Freitag, Sekretär Edgar Weinmann und den Grünsfelder Bürgermeister Joach... Foto: Ulrich Feuerstein

    Sie sind ein ungleiches Paar. Seit vier Jahren sind Hermann Freitag und Edgar Weinmann in Grünsfeld unterwegs. Beide eint das Interesse für die Stadtgeschichte. Als Nachtwächter und Sekretär bringen sie den Besuchern Geschichte und Geschichten aus der Gauhauptstadt näher. Mit Erfolg. Kürzlich absolvierte das Duo seine 50. Führung.

    „Edgar Weinmann und Hermann Freitag sind ein ideales Gespann“, betonte Joachim Markert. Der Bürgermeister empfing die beiden im Rathaus. Die Führungen nehmen in der Regel von seinem Amtssitz ihren Ausgang und können über die Stadtverwaltung gebucht werden. „Es gibt immer sehr viele Anfragen“, sagte Markert. Kein Wunder, dass das Stadtoberhaupt von einer „Erfolgsgeschichte“ sprach. Das liegt in seinen Augen an dem großen Engagement der beiden und ihrer Leidenschaft für die Stadtgeschichte.

    Zum Erfolg trägt sicher auch die Aufmachung bei: Hermann Freitag ist bei den Führungen im historischen Gewand eines Nachtwächters unterwegs. Laterne, Hellebarde und Horn gehören zu seiner Ausstattung. Einen Nachtwächter habe es in Grünsfeld nie gegeben, räumte Freitag ein. Torwächter seien aber bezeugt.

    Mütze und Umhang kennzeichnen den Sekretär. Edgar Weinmanns Aufgabe bei den Führungen ist es, den Besuchern Wissenswertes aus der Stadtgeschichte zu vermitteln. Eloquent und sachkundig erledigt er seinen Part. Mit einem Augenzwinkern streut er auch die eine oder andere Anekdote ein. „Edgar Weinmann ist ein wandelndes Geschichtsbuch“, staunte Bürgermeister Markert. Mit seinen anschaulichen Ausführungen mache er die Vergangenheit lebendig.

    Rund 2000 Personen haben den Nachwächter und seinen Sekretär auf ihren Stadtrundgängen bislang begleitet. Die Geburtstagsführung hat das Ingenieurteam Jouaux gebucht. „Als in Grünsfeld ansässiges Unternehmen lassen wir uns gern auf die Geschichte ein“, erklärte Michael Jouaux. Mitarbeiter und deren Partner waren eingeladen.

    Die Führungen, die der Nachwächter und sein Sekretär anbieten, sind kostenlos. Um eine Spende wird gebeten. Etwa 4000 Euro kamen auf diese Weise in den vergangenen vier Jahren zusammen. Edgar Weinmann und Hermann Freitag haben das Geld für kulturelle oder soziale Anliegen eingesetzt.

    Bei der aktuellen Führung bekam Bürgermeister Markert gleich zwei Präsente. Ein Geschenk war die repräsentative Darstellung eines Nachtwächters. Die Holzfigur soll einen Standort im Eingangsbereich des Rathauses bekommen und kann dann als Treffpunkt für künftige Stadtrundgänge dienen.

    Das andere Präsent ist eine Original-Urkunde aus der Barockzeit. Das Dokument wurde am 7. März 1610 angefertigt und ist bislang im Stadtarchiv nicht verzeichnet. Es handelt sich um einen Brief, der die Geburt von Anna Schmieg bescheinigt. Die hat das Dokument offensichtlich für eine spätere Heirat benötigt. In der von Kreisarchivarin Claudia Wieland angefertigten Transkription ist zu lesen, dass die beiden Eheleute Ulrich und Elisabetha Schmieg ihre Tochter in ihrem „reinen“ und „keuschen“ Ehebett „ehelich und ehrlich erzeugt“ haben. Für den Nachtwächter und seinen Sekretär ist das eine weitere Kostbarkeit für die Schatztruhe ihrer Erzählungen.

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