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    WITTIGHAUSEN

    Tunnel bei Unterwittighausen wird ausgebaut und erweitert

    Der 138 Meter lange Tunnel bei Unterwittighausen stammt noch aus der Zeit der Dampfloks. Im kommenden Jahr wird er erweitert und an die modernen Gegebenheiten angepasst. Foto: Matthias Ernst

    „So eine große Baustelle hatten wir seit 150 Jahren nicht mehr“, begrüßte Bürgermeister Marcus Wessels die Besucher in der voll besetzten Aula der Grundschule in Wittighausen. Es ging um ein ehrgeiziges Bauprojekt der Deutschen Bahn, das der ganzen Region zugutekommen soll.

    Der in den Jahren 1856-1866 gebaute Tunnel bei Unterwittighausen soll erneuert werden. Er war beim Bau der Frankenbahn als „enormes Bauwerk“ errichtet worden, genüge aber heutigen Vorgaben in keiner Weise mehr. Ganz im Gegenteil, der 138 Meter lange Eisenbahntunnel ist ein richtiges Nadelöhr. Wegen gestiegener Zuglängen und breiteren Waggons gibt es aktuell keinen Begegnungsverkehr im Tunnel. So müssen Züge warten, bis sie freie Fahrt haben. Dies führe nicht nur zu einem vermehrten Lärm durch anfahrende Züge, sondern behindere auch die Einführung des Stundentaktes, der mit dem Fahrplanwechsel im Winter dieses Jahres eigentlich auf der Strecke eingeführt werden sollte.

    Tunnelinnere wird verbreitert und erhöht

    Nun erfolgt also eine Generalsanierung. Dabei werden nicht nur die alten Tunnelportale abgebrochen, sondern auch das Tunnelinnere verbreitert und erhöht. So soll das ehemalige Nadelöhr fit gemacht werden. Erste Rodungsmaßnahmen an den Tunnelportalen wurden bereits im Winter durchgeführt, nun beginnt die heiße Phase. Bereits Ende Oktober wird mit „vorbereitenden Maßnahmen“ begonnen und ab 7. Januar 2019 die Bahnstrecke komplett zwischen Kirchheim und Lauda gesperrt und das hat Auswirkungen um den Nah- und Fernverkehr in der gesamten Region. Diese Sperre ist notwendig, um schnell und effizient arbeiten zu können, verdeutlichte Jörg Langefeld, Prokurist der Feldhaus Bergbau GmbH & Co. KG, die den Zuschlag für die Bergbauarbeiten bekommen hatte. Zusammen mit den Firmen Leonhard Weiss und Weiß + Freitag bildet man die AG Tunnelbau Wittighausen.

    Langefeld zeigte auch die Unterschiede beim Tunnelbau von damals und heute. Der alte Tunnel wurde noch gemauert, die Außenseite mit Teer gegen Wassereinbruch abgedichtet und der Spalt zwischen Tunnelwand und Gebirge mit einer „Packlage“ aus zerkleinertem Gestein aufgefüllt. Der so geschaffene „romanische Torbogen“ trägt sich also selbst. Heute arbeitet man mit modernen Maschinen und Spritzbeton. So geht man eine innige Verbindung mit dem Gestein des Berges ein und stützt die metallarmierte Betonschale des Innenraumes damit zusätzlich ab. Um eine zusätzliche Sicherung zu erhalten, werden Metallstäbe längs und quer zum Tunnelverlauf in den Berg getrieben. Dieses Verfahren habe sich bewährt und komme auch in Wittighausen zum Einsatz. Der Querschnitt des Tunnels wird so um rund zwei Meter erweitert und lässt in Zukunft einen reibungslosen Begegnungsverkehr zu.

    Einrichtung von Baustellenstraßen

    In den ersten beiden Monaten der Sperre wird das zusätzliche Material aus dem Tunnel herausgefahren. Dazu werden Baustellenstraßen eingerichtet und für diese Zeitphase die Einbahnregelung in der Sigismund-Lahner-Straße aufgehoben. Die Ab- und Anfahrten sollen für die Bürger möglichst lärmschonend erfolgen, weshalb man beispielsweise bei Zimmern eine parallel zur Bahnstrecke verlaufende Baustraße vorgesehen hat. Von dort erfolgt der Abtransport über normale Straßen auf die Autobahn, erläuterte Frank Fries, Leiter Planung und Steuerung der DB Netz AG - Produktionsdurchführung Würzburg. Zusammen mit Jörg Börries, Leiter der Bau- und Qualitätsüberwachung und Elisabeth Obiero, Projektleiterin der DB Netz AG stellte er sich den Fragen der Bürger.

    Die hatten schon bei einer Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr ihre Vorstellungen und Bedenken geäußert. „Wir haben in der damaligen Bürgerveranstaltung sehr viele Wünsche und Anregungen von den Anwesenden mitbekommen“, nahm Obiero Bezug auf die damalige Veranstaltung und Fries ergänzte: „Wir wollen dieses Projekt mit ihnen zusammen durchführen“.

    Express-Buslinie zwischen Würzburg und Lauda

    Die Bürger interessierte neben der Lärmbelastung vor allem die Weiterführung des Schienenersatzverkehrs. Denn viele Pendler sind auf die Bahn angewiesen. Hierüber informierte Monika Feldner von der DB Regio Bayern, die zudem den vorgesehenen Fahrplan vorstellte. Insbesondere gewährleistet sein müssten die Anschlüsse in Lauda in Richtung Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim, hoben Wessels und Feldner übereinstimmend hervor. Natürlich werden alle zwischen dem gesperrten Abschnitt gelegenen Stationen (Gaubüttelbrunn, Wittighausen, Zimmern, Grünsfeld und Gerlachsheim) weiter angefahren werden.

    Zudem ist der Betrieb einer Express-Buslinie zwischen Würzburg und Lauda geplant, die voraussichtlich über die Autobahn verkehrt. Die Sperre der Strecke soll bis 19. August 2019 beendet sein.

    Nähere Informationen gibt es im Kürze unter: www.bauprojekte.deutschebahn.com sowie auf der Homepage der verschiedenen Verkehrsbetriebe.

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