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    WENKHEIM

    Unternehmer Walter Seubert wird 80

    Walter Seubert auf der heimischen Terrasse in Steinbach. Foto: Matthias Ernst

    Täglich trifft man Walter Seubert immer noch in seiner Firma in Wenkheim an und das, obwohl er am 1. September 80 Jahre alt wird. Dabei heißt täglich wirklich täglich, denn Wochenenden oder Feiertage sind dem umtriebigen Unternehmer fremd. Er lebt für seine Firma, die er zusammen mit seiner Frau Edith, die im Jahr 2010 verstarb, bereits 1970 gründete.

    Bei der Firma Seubert Feinkostmanufaktur werden hochwertige Produkte für die Gastronomie gefertigt. Was anderswo als „Convenience Food“ mit „Fertigprodukt“ übersetzt wird, ist bei Seubert handgefertigte Spitzenware als Unterstützung für Gastronomie, Catering und Kantinen in kleineren und größeren Mengen. Die Idee zu diesen Produkten kam Walter Seubert bei seinem Aufenthalt in den USA.

    Nach dem Konditor noch Koch gelernt

    Dort wurden schon in den 60er Jahren in großen Hotels einzelne Produkte vorproduziert und tiefgefroren und bei großen Büfetts zeitgerecht aufgetaut und angerichtet. Diese Form der Unterstützung von Küchen müsse man doch auch in Deutschland anbieten können, war damals die Idee des gelernten Konditors und Kochs, als er 1968 nach Deutschland zurück kam.

    Zuvor hatte er sich den Wind um die Nase wehen lassen, wie man so schön sagt. Aufgewachsen im Altertheimer Ortsteil Steinbach – damals gab es dort nur eine Schulklasse für alle Schüler von der ersten bis zur achten Klasse – lernte Seubert im Café Konrad in Tauberbischofsheim Konditor. Nach der Lehre wurde er von einem Kollegen angesprochen, ob er zusätzlich nicht noch Koch lernen möchte. Da sei man flexibler. Er lernte also weiter, dieses Mal im „Schwarzen Bock“ in Wiesbaden und, als die Lehrzeit zu Ende war, ging es gleich in ein großes Hotel nach England.

    In England die Kochkenntnisse verfeinert

    Nicht die Auslandserfahrung trieb Seubert damals dorthin, vielmehr die „Flucht“ vor der Wehrpflicht. Er hatte den Zweiten Weltkrieg als Kind noch miterlebt und ist bis heute überzeugter Pazifist. In England lernte er neben der Verfeinerung seiner Kochkunst die Landessprache und qualifizierte sich damit für andere Länder, in denen Englisch gesprochen wird. Es zog ihn in die Karibik. Erste Station war Jamaika, damals noch englische Kolonie. Hier blieb er zwei Jahre, bevor es noch mal kurz zurück nach Deutschland ging.

    1964 erreichte ihn der Ruf eines Unternehmers, der auf den Bermudas ein Hotel mit 400 Betten eröffnen wollte. Seubert sollte dort Abteilungskoch für die kalte Küche werden. „Wir wurden alle nach London beordert, und von da aus brachte uns ein Flugzeug in 22 Stunden auf die Bermudas.“ Direktflüge gab es damals noch nicht. „Wir waren eine internationale Mannschaft, die Hausdame kam beispielsweise aus Frankreich und die Köche aus Deutschland oder der Schweiz.“

    Stationen in Puerto Rico und den USA

    Mit weiteren Stationen über Puerto Rico und die USA, zuletzt im Boston Sheraton, schloss er seine Auslandserfahrungen ab. Das war ihm damals aber noch nicht klar. Er wollte nur kurz in Neu Isenburg in der „Gutsschänke Neuhof“ aushelfen. Da lernte er seine spätere Frau kennen. „Sie war Sekretärin eines echten Patriarchen“, erinnert sich Seubert.

    So stand er vor der Entscheidung weiter durch die Welt zu ziehen oder in Deutschland zu bleiben. Seubert entschloss sich für letzteres. In den USA hatte er die Vorfertigung von Gerichten für Stoßzeiten oder Büfetts schon kennengelernt und wollte das System nach Deutschland übertragen. In einer alten Metzgerei in Wenkheim entstanden die ersten Muster. Seubert setzte sich in sein Auto und stellte die Produkte den regionalen Köchen und Hotels vor. Die zeigten anfangs wenig Interesse.

    Hilton-Gruppe zeigte Interesse

    Erst als die Hilton-Gruppe ihre Hotels in München, Düsseldorf und Mainz eröffnete, kam die Produktion von Walter Seubert ins Laufen. Er kannte die Küchenchefs aus seiner Zeit in Amerika und der Karibik. Es folgten Großaufträge für die Lufthansa oder in den vergangenen Jahren beispielsweise für die Kantinen von Mercedes Benz oder BMW.„Wenn sie bei BMW ein Münchner Schnitzel essen, dann kommt das von uns“, spricht der stolze Unternehmer.

    Seit 48 Jahren steht die Seubert Feinkostmanufaktur nun schon für Innovation und kontinuierliche Weiterentwicklung. Diese Innovationsfreude und das Reagieren auf Wünsche der Kunden ist es, das Walter Seubert in all den Jahren von der Konkurrenz unterscheidet. Mittlerweile werden 250 Produkte serienmäßig in der Firma gefertigt. Hinzu kommen spezielle Kundenwünsche, so wie aktuell beispielsweise 400 Zwerghähnchen, die gehälftet und teilentbeint für den Kunden und sein Büfett vorbereitet werden.

    Neubau in Gerchsheim

    Der Betrieb ist stetig gewachsen und stößt nun an seine Grenzen am Standort in Wenkheim. Deshalb entschlossen sich Walter Seubert und sein Sohn Marcus, der seit 1995 ebenfalls in der Geschäftsleitung tätig ist, einen kompletten Neubau in Gerchsheim zu errichten. Dort entsteht aktuell der neue Firmensitz nach modernsten Gesichtspunkten. Auch hier schaut Walter Seubert täglich vorbei, um die Arbeiten zu überwachen und notfalls eingreifen zu können. „Ich bin Springer und erledige alles, was im Betrieb notwendig ist“, beschreibt er seine Tätigkeit. Er ist sich auch nicht zu schade, sich ins Lieferauto zu setzen und die Ware zum Kunden zu bringen, wenn alle anderen Fahrer ausgelastet sind.

    Seubert lebt für seine Firma, und das hält ihn wahrscheinlich auch so jung. „Nie hätte ich gedacht, dass ich nach Steinbach zurückkehre“, fasst er seine Lebensreise zusammen. Er wohnt nun im Haus seiner Großmutter und genießt an den Abenden das Sitzen auf der Terrasse bei gutem Essen und einem Glas Rotwein. Seubert ist eben auch ein Genussmensch.

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