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    LAUDA

    Vom ganz normalen Büro-Wahnsinn

    Büro-Comedy: Hans Gerzlich begeisterte als Assistent der Geschäftsleitung im Weinhof Ruthardt in Lauda. Foto: Jérôme Umminger

    Mit einem kabarettistischen Doppelpack setzte das Weinhaus Ruthardt zum Finale der Freiluft-Saison auf der Klein-Kunst-Bühne im Weinhof an. Nach Stephan Bauer mit „Vor der Ehe wollt ich ewig leben“ auf (wir berichteten) tags darauf Hans Gerzlich mit seiner Büro-Comedy „So kann ich nicht arbeiten“ zu Gast.

    Bereits als Gerzlich die Bühne betrat und die ersten Worte sprach, war klar: Das wird heute kein 0815-Programm. Im schnieken Anzug mit Krawatte stellte sich Bauer als Assistent der Geschäftsleitung vor und verwandelte die als Comedy-Abend angekündigte Veranstaltung kurzerhand in eine Betriebsversammlung. Gleich zu Beginn outete sich der studierte Wirtschaftswissenschaftler als Diplom-Ökonom. Warum er das studierte habe? „Da muss man nicht besonders schlau sein, nur fleißig.“ Das habe perfekt zu ihm gepasst.

    Nach dem Studium sei es für ihn schwer gewesen, einen Job zu finden. „Es gab Firmen, die haben mir schon Initiativabsagen geschickt.“ Und auch die Bewerbungsgespräche seien eine Qual gewesen. „Eigentlich müsste es Verstellungsgespräch heißen, nicht Vorstellungsgespräch.“ Abgedroschene Fragen wie „Wo möchten Sie in fünf Jahren sein“, sollte man mal ehrlich beantworten. „Na, auf den Bahamas, aber dafür fehlt mir noch die Kohle, deshalb bin ich jetzt hier.“

    Schließlich habe es mit dem Job geklappt. Als Marketing-Referent bei einem großen Energieversorger. Deshalb konnte Gerzlich auch mit allerhand Insiderwissen aus dem Büroalltag überzeugen. Abgedroschene Floskeln zog er schonungslos durch den Kakao. „Kennen Sie das, wenn ein Kollege sagt, er ist da ,leidenschaftslos‘? Das heißt doch nur, das ist mir scheißegal, weil ich jetzt zwei Wochen Urlaub hab.“ Ganz gefährlich sei auch der Satz: „Ich setz dich da mal in Cc. Das heißt, wenn‘s scheiße läuft, hängst du auch mit drin.“

    Im zweiten Teil wurde Gerzlich auch einen Hauch politisch. „Die Politik von Merkel ist so geradlinig wie der Nachhauseweg von Harald Juhnke zu seinen besten Zeiten“, lästerte er da. Aber auch andere Politikgrößen bekamen ihr Fett weg. Horst Seehofer bezeichnete er nur als „Crazy Horst“ und Hermann Gröhe als „Merkels Zäpfchen“.

    Glänzende Höhepunkte setzte Gerzlich auch immer wieder, wenn er mit Situationskomik überzeugen konnte. Als auf der Straße ein lautes Motorrad vorbeiknatterte, fragte er beispielsweise: „Kommen jetzt die Hells Angels wegen dem Witz aus dem ersten Teil?“

    Nach sechs Auftritten endete die Freiluft-Saison der Klein-Kunst-Bühne im Weinhof. Hauptorganisator Jochen Ruthardt zeigte sich „positiv geschockt“ von den guten Besucherzahlen und versicherte, auch im Sommer 2018 werde die Veranstaltungsreihe fortgesetzt. Die Klein-Kunst-Bühne verleiht heuer erstmals Kabarett-Comedy-Preis „Korken-Zieher“. Nach der Saison erhält der vom Publikum und einer Jury am besten bewertete Künstler den „Korken-Zieher“.

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