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    Wittighausen

    Warum das Ökomobil nach Wittighausen kam

    Wie ein Biber mit seinen scharfen Schneidezähnen das Holz bearbeitet, interessierte die Kinder besonders Foto: Matthias Ernst

    Im Rahmen des Ferienprogramms hatte die Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) Kontakt mit dem Regierungspräsidium in Stuttgart Kontakt aufgenommen und das dort beheimatete Ökomobil angefordert. Im Gebiet des Insinger Bach sollten die Kinder angeleitet werden, sich intensiv mit der Natur zu beschäftigen. "Der NABU freut sich, dass die Kinder die oft unscheinbaren Lebewesen im Insinger Bach untersuchen können und dadurch ihr Interesse an der Natur geweckt wird", so Jürgen Hönninger, Vorsitzender der Ortsgruppe.

    Ausgerüstet mit Stereo- und Becherlupen

    Seit 2010 ist das Ökomobil des Regierungspräsidiums Stuttgart unterwegs. Der 7,5-Tonner verfügt über eine leistungsfähige Solaranlage und eine modernere Projektionsanlage mit Laptop, Digitalkamera und Flachbildschirm. Hiermit können die Fänge und Entdeckungen gemeinsam betrachtet werden. Im Inneren des Ökomobils finden Sie auf zirka 20 Quadratmetern sechs Tische und Sitzplätze für maximal 24 Kinder und Erwachsene. Als Arbeitsgeräte stehen zur Verfügung: Stereolupen, Ferngläser, Sammelausrüstung, Bestimmungsliteratur und chemische Schnelltests beziehungsweise Messgeräte für die wichtigsten Verbindungen. Mit Stereo- und Becherlupen sowie der Projektionsanlage (Mikroskop, Kamera und Flachbildschirm) kann man kleinste Tiere beobachten, während die Sonne den Strom dazu liefert.

    In kleinen Gruppen wurde mit Sieben der Gewässerrand durchsucht, um kleine Wasserlebewesen zu erforschen Foto: Matthias Ernst

    Vorher musste erst einmal der Bach mit Sieben durchfahren und entsprechende Tiere zur Untersuchung eingefangen werden. Keine Fische, Kröten, Molche sollen gesammelt werden, machte Paech eine Vorgabe, denn diese Tiere würden nicht im Ökomobil untersucht werden können. Insgesamt 50 Kleinlebenwesen sollte jede der sechs Gruppen sammeln. Das war gar nicht so einfach, fand Leo, der zusammen mit seinen Freunden am Uferrand siebte. Und dann die Sensation. Im Sieb fing sich eine Kaulquappe, die gerade in der Umwandlung zum Frosch war. Die Hinterbeine waren schon zu erkennen. Schnell wurden die Erwachsenen gerufen, um zu klären, um welches Reptil es sich handelte. Letztlich einigte man sich auf einen Laubfrosch, der in wenigen Tagen aus der Kaulquappe entstehen wird. Auch Süßwassermuscheln wurden gefunden, ein Indiz, dass das Gewässer von guter Qualität ist.

    Ökologische Flurbereinigung

    Um die noch zu verbessern, war Jürgen Hammerl, leitender Ingenieur des Flurbereinigungsverfahrens vom Vermessungs- und Flurneuordnungsamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis mit seinem Team zum Ökomobil gekommen. Derzeit läuft am Insinger Bach eine ökologische Flurbereinigung. Die ist ziemlich einmalig im Land. Er freut sich über die Untersuchungsergebnisse der Kinder, die bei den weiteren Planungen berücksichtigt werden können, um die hauptsächlich ökologische Zielsetzung des Verfahrens zu erreichen.

    Zum Schutz des Gewässers und zur Nutzungsentflechtung wegen der Bautätigkeit des Bibers soll ausreichend Raum entlang des Gewässers in öffentliches Eigentum überführt werden und der Natur zur Verfügung stehen. Außerdem sollen teilweise der ursprüngliche Gewässerverlauf wiederhergestellt und Maßnahmen zur Verbesserung der Durchgängigkeit umgesetzt werden.

    Naturschützer hoffen auf ein neues Wassergesetz

    Der NABU ist besorgt, um die Güte der Wasserqualität, da intensive Landwirtschaft und Landnutzung bis ans Gewässerufer in den letzten Jahrzehnten stattfand. Bei jedem größeren Regen färbt sich der Bach erdbraun. Mit dem eingeschwemmten Humus gelangen auch Dünger und Nährstoffe ins Wasser, was sich schädlich auf die Artenvielfalt auswirkt. Große Hoffnung setzt der NABU auf das neue Wassergesetz in Baden-Württemberg, das einen 5 Meter breiten Gewässerschutzstreifen vorschreibt, auf dem keine landwirtschaftliche Nutzung mehr stattfinden darf. Dies soll zukünftig zu einer Verbesserung der Wasserqualität führen.

    Miniforscher bei der Arbeit Foto: Matthias Ernst

    So tief drangen die Kinder allerdings nicht in die Materie ein, doch die Untersuchung im Ökomobil und das vorherige Suchen machten ihnen großen Spaß. Nur schwer konnten sie sich am späten Nachmittag von Werner Paech trennen. Sie hoffen auf eine Wiederholung im kommenden Jahr.

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