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    GROßRINDERFELD

    Wenn aus einer Schule ein Rathaus wird

    Die „Beschilderung von Kulturdenkmälern und Dokumentation der inner- und überörtlichen Geschichte von Großrinderfeld“, so heißt das Projekt, das vom Regierungspräsidium genehmigt und von der Regionalgruppe von Leader mit 60 Prozent der Nettokosten gefördert wurde. Auf insgesamt 34 Hinweistafeln wird an 24 Standorten auf die Besonderheiten der Gemeinde hingewiesen. Es kommt nicht so häufig vor, dass ein so kleines Dorf wie Großrinderfeld sich der Erforschung seiner Geschichte so lückenlos verschreibt, hob Ortsvorsteher Walter Lutz bei der offiziellen Übergabe der Leader-Plakette durch den Vorsitzenden der Regionalgruppe Badisch-Franken, Alfred Beetz, hervor.

    Lutz ging auf die Anfänge des Projektes zurück. „Initialzündung für die Beantragung des Projektes war ein Bericht in der Zeitung: Ran an die Fördertöpfe“. Leader Badisch-Franken hatte dazu aufgerufen, Anträge für „zündende Ideen“ zu stellen, für die man keine Zuschüsse aus einem Fachförderprogramm enthält und die mit den Richtlinien Badisch-Franken zusammen passen. Das Besondere an diesem Programm ist, dass jeder Anträge stellen kann: Kommunen, Vereine, Private, Gewerbetreibende. Bezuschusst werden „Besonderheiten“, keine 0/8-15-Projekte“, so Lutz.

    Großrinderfeld erhielt 1699 Marktrecht

    Das Großrinderfelder Projekt schlug mit 10 000 Euro zu Buche und setzt sich aus drei Teilen zusammen, die Lutz anhand des Rathauses erklärte. „Auf der ersten Tafel ist dieses Kulturdenkmal, heute ist es das Rathaus, ab 1828 war es in erster Linie eine Schule, beschrieben.“ Es wurde seinerzeit für 1700 Gulden gebaut, im Jahr 1985/86 für etwa eine Million D-Mark zu einem funktionsfähigen Rathaus umgebaut. Die zweite Tafel verkörpert den innerörtlichen Geschichtsbezug. Nachdem nachweislich der letzte Markt im Jahr 1809 abgehalten wurde, ruhte das Marktrecht bis zum Jahr 1949. Bürgermeister Weismann erreichte seinerzeit, dass man dieses Marktrecht zurückbekam.

    Auf der dritten Tafel ist ein Aspekt der überörtlichen Geschichte dokumentiert. Die Gemeinde Großrinderfeld gehört zu den wenigen kleinen Gemeinden, die Marktrecht erhielten. Eine große Besonderheit ist, dass man die originale Markturkunde noch besitzt. Sie ist im Rathaus sicher aufbewahrt. Auf der Tafel ist auch beschrieben, wer für die Verleihung des Marktrechtes im Jahr 1699 verantwortlich war: Erzkanzler Lothar Franz von Schönborn.

    Zahlreiche Bildstöcke und Feldkreuze

    Andere Schilder beschäftigen sich mit den Bildstöcken und Feldkreuzen im Gemeindegebiet. Auf einem Rundweg von 1,3 Kilometer Länge kann man der alten Befestigungsanlage von Großrinderfeld folgen. Das Dorf war als eine der wenigen Siedlungen komplett mit Mauerwerk, Zäunen, Gräben und Erdwällen umgeben. Außerdem gab es zwei Tore, durch die man in den Ort gelangen konnte.

    Auch die Wasserversorgung ist ein Thema, so weist eine Tafel auf die ehemalige Viehtränke hin, aus der die Juden im Ort ihren Vorrat an Wasser decken durften. Dies solle keine Abwertung sein, so Rudolf Geiger, Ehrenvorsitzender des Heimat- und Kulturvereins (HKV). Er hat zusammen mit Christoph Kraus die Aufschriften der Tafeln verfasst und in Form gebracht.

    Lob für die Umsetzung

    Dr. Jürgen Gernert, aktueller Vorsitzender des HKV, berichtete, dass er schon von mehreren Bürgern Lob für die Gestaltung der Tafeln und die informativen Texte erhalten hat. Während früher nur die hohe Politik für die Geschichtsforscher interessant war, würden nun auch die kleineren Gemeinden soziale und wirtschaftliche Beziehungen in den Blick rücken. Die nun angebrachten Tafeln geben die aktuellen Wissensstände über die Historie wieder, aber seien sicher nicht vollständig.

    Geschichtsforschung ändere sich immer dann, wenn neue Quellen erschlossen werden. Es sei ein fließender Prozess. Gernert erinnerte daran, dass nicht nur Großrinderfeld eine bewegte Geschichte habe, sondern auch die Teilgemeinden wie Gerchsheim, Schönfeld und Ilmspan. Hier könne man sich in Zukunft seitens des HKV gut vorstellen, ein ähnliches Projekt anzugehen.

    Projekt auch für weitere Ortsteile denkbar

    Dies griff Alfred Beetz auf. Aktuell laufe wieder eine Bewerbungsphase für Leader-Projekte. Bis zum 28. September könne man noch Anträge stellen. Beetz wünscht sich, dass das Leader-Förderprogramm auch über das Jahr 2020 hinaus aufgelegt wird, denn mit den Fördermitteln könne man viele Projekte in der Gegend anstoßen. Wer sich bewerben möchte, der erhält in der Leader-Geschäftsstelle in Walldürn, Tel. (0 62 81) 52 12-13 97 Unterstützung. Beetz lobte den Einsatz der Bevölkerung für das Großrinderfelder Projekt. So großes Interesse der Bürger sei selten.

    Das sah auch Bürgermeisterin Anette Schmidt so. Sie dankte dem Ortschaftsrat für die Initiative und den Mitgliedern des HKV für die kompetente Umsetzung. „Genau diese Projekte tragen zur Identifikation mit seiner Gemeinde bei.“

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