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    Großrinderfeld

    Wie 200 000 Eier täglich bunt werden

    Hochbetrieb in der "Ostereierwerkstatt": Berge von Hühnereiern bekommen in Großrinderfeld täglich ein buntes Kleid. Dabei ist Ostern gar nicht die stressigste Zeit.
    Wo weiße Hühnereier zu bunten Ostereiern werden: die Rollfärbeanlage bei Großoduzent Endres in Großrinderfeld.
    Wo weiße Hühnereier zu bunten Ostereiern werden: die Rollfärbeanlage bei Großoduzent Endres in Großrinderfeld. Foto: Patty Varasano

    Mollig warm ist es in der Färberei. Im Sommer käme man hier ganz schön ins Schwitzen, sagt Christian Endres, Chef von Endres Ei. Der Geruch von gekochtem Ei, Kartonage und Farbe liegt in der Luft. Zum Duft gesellt sich das Klappern der Eierfärbemaschine. "Eine der modernsten in Süddeutschland", sagt Endres, in seinem Betrieb in Großrinderfeld im Main-Tauber-Kreis hat er sie seit drei Jahren. 

    Die rohen Eier werden 'angesaugt' . . .
    Die rohen Eier werden "angesaugt" . . . Foto: Patty Varasano

    Zwei bis drei Wochen lagern frischgelegte Eier, die farbig werden sollen, erst einmal. Damit beim Kochvorgang nicht so viele platzen. Automatisch saugt der Aufleger dann sanft die rohen Eier an und setzt sie auf das Becherband. Von dort laufen sie durch Wasserdampf und werden vorgegart, um anschließend im heißen Wasserbad ihre optimale Konsistenz zu bekommen.

    Die Farbe ist bereit . . .
    Die Farbe ist bereit . . . Foto: Patty Varasano

    Wie hoch den Eiern eingeheizt wird, verrät der Chef nicht. "Absolutes Betriebsgeheimnis." Besonders wichtig sei dabei, dass das Eiweiß fest wird und der Eidotter möglichst cremig. Gekocht, aber noch weiß, treten die Hühnereier dann ihren Weg durch die Färbestraße an. Zum Klang der Maschine tanzen sie über farbgetränkte Schwämme und werden dabei rot, grün, türkis, pink, lila oder gelb. "Das ist die Rap-Abteilung", sagt Endres. Weiter geht es wie in der Achterbahn, mehrfach rauf und runter fahrend, trocknen die bunten Eier und kühlen ab. Nach einer halben Stunde ist das Färbe-Spektakel vorbei, die Eier landen automatisch in ihrer Verpackung.

    Eier beim Abkühlen und Trocknen . . .
    Eier beim Abkühlen und Trocknen . . . Foto: Patty Varasano

    Schön bunt - und mit strahlendem Glanz. Der kommt vom Canauberwachs, wie man es auch in Gummibärchen findet und das Endres der Lebensmittelfarbe zusetzt. Genauso wie Schellack, der das Ei versiegelt.   

    Wie aber schaffen es die Hühner, vor Ostern den enormen Bedarf zu decken und mehr Eier zu legen?  "Wir steuern die Produktion im Hühnerstall, das heißt, wir haben im Sommer eher weniger Hühner und jetzt um die Osterzeit sehr viel mehr", sagt Firmenchef Endres. Mehr Hühner, mehr Eier. Im Stall leben 12 000 Legehennen in Bodenhaltung mit Auslauf. "Bodenhaltung plus"nennt Endres das. Mit der Produktionsspitze vor Ostern sei es dann ganz schnell vorbei: "Am Gründonnerstag finden Sie hier kein Ei mehr."

    Aber vorher laufen die Maschinen auf Hochtouren. Um den Ostereier-Berg zu bewältigen, wird im Betrieb schon mal eine Nachtschicht eingelegt und samstags durchgearbeitet. Doch trotz Hoch(ei)saison vor Ostern, Endres sagt: "Weihnachten ist das bessere Geschäft."

    Zwar nicht für bunte Eier, aber für Eier. Denn Weihnachten beginnt schon Anfang November, und traditionell werde da noch immer viel gebacken. Außerdem sei der Mensch viel länger im "Weihnachtsmodus" als in Osterstimmung. Überhaupt: Bunte Brotzeiteier seien inzwischen das ganze Jahr über begehrt, so Endres.

    Agnes und Christian Endres pflegen seit 15 Jahren eine (Zw)Eierbeziehung
    Agnes und Christian Endres pflegen seit 15 Jahren eine (Zw)Eierbeziehung Foto: Patty Varasano

    Drei Jahre alt ist die hochmoderne Eierfärbeanlage, von der Christian und Agnes Endres schon lange geträumt hatten. Schließlich, erzählen sie, hätten sie sich beim Eierfärben verliebt. Damals, vor 15 Jahren, half Agnes bei einem kleinen Eierfärber in Großheubach aus. Christian Endres brachte die hofeigenen Eier zum Färben dorthin. So nahm die (Zw)eierbeziehung ihren Lauf.

    Heute färben die Endres' für Eierproduzenten aus der Region und ganz Deutschland. Bunte Eier aus Großrinderfeld gehen nach München, Hamburg und Berlin. Weiße Eier als Rohware kämen ausschließlich aus der Region, sagt Endres. So vermarktet beispielsweise der Familienbetrieb Hubert Kuhn in Güntersleben die hofeigenen Eier fast komplett über Endres Ei.

    Die haben noch was vor sich . . .
    Die haben noch was vor sich . . . Foto: Patty Varasano

    Rund 14 000 Hühner leben auf dem Hubertushof in Bodenhaltung mit Auslauf, erklärt Barbara Kuhn. Vor Ostern sei bei ihr die Nachfrage nach weißen Eiern deutlich höher als sonst - "weil offensichtlich doch noch viele Menschen zu Ostern Eier färben". Für ihre Familie färbt sie auch selbst: am liebsten natürlich, mit Zwiebelschalen. "Das ergibt wunderschöne warme Farbtöne von gelb bis braun".

    Auch auf dem Geflügelhof Mahler in Estenfeld "wollen jetzt alle weiße Eier", sagt Michael Mahler. Und bunte. Und dazu Enten, Puten und Hähnchen: "Alles, was Federn hat, hat jetzt Saison." Der Selbstvermarkter mit 3200 Hühnern in Bodenhaltung mit Auslauf braucht in der stressigen Vorosterzeit eine gute Portion Organisationstalent bei der Verteilung der Eier.  "Den Knopf bei den Hühnern, den ich drücken muss, dass sie mehr legen, hab ich noch nicht gefunden", sagt Mahler. Dafür seien an Ostern die Eierlager dann leergefegt, nach Ostern kehrt Ruhe ein. Für ein paar Tage zumindest.

    In den Karton . .  . und ab zum Osterhasen.
    In den Karton . .  . und ab zum Osterhasen. Foto: Patty Varasano

    Ein Hühnerei habe übrigens nach etwa drei Wochen sein volles Aroma für den Verzehr erreicht, sagt Christian Endres. Er hält das Ei für das universellste Lebensmittel, das alles hat: Eiweiß, Fette, Vitamine und Mineralstoffe. Deshalb stehen Eier bei ihm täglich auf dem Speiseplan: morgens zwei als Rührei, abends zwei gekocht. Puristisch, nur mit ein bisschen Salz.

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