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    Grünsfeld

    Woran ein Soldatengrab im Wald des Vockenbergs erinnert

    Seit vielen Jahren pflegt die Familie Klinger ehrenamtlich das Soldatengrab auf dem Vockenberg.
    Seit vielen Jahren pflegt die Familie Klinger ehrenamtlich das Soldatengrab auf dem Vockenberg. Foto: Matthias Ernst

    Es liegt mitten im Wald des Vockenbergs zwischen Zimmern und Kützbrunn, ist alt und doch gut gepflegt. Es ist das Grab des 22-jährigen Jagdfliegers Karl Göller, der hier in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges nach einem Abschuss durch die Amerikaner mit seinem Flugzeug am Vockenberg abstürzte.

    Das Soldatengrab erinnert an eine Tragödie, wie sie sich in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs des Öfteren in Deutschland abgespielt hat. Um die vorrückenden alliierten Truppen aufzuhalten, setzte das NS-Regime immer jüngere Menschen in der Wehrmacht, Marine oder Luftwaffe ein. Nachdem amerikanische Truppen am 1. April die Tauber überschritten hatten und sich Würzburg näherten, versuchte die deutsche Luftwaffe den Gegner hinter den feindlichen Linien zu treffen und so die Nachschubwege zu stören. Doch die meist jungen Piloten hatten wenig Chancen gegen die Übermacht der Amerikaner.

    So erging es auch Karl Göller aus Wallau im Taunus. Der 22-Jährige flog mit seinem Messerschmidt ME109 Jagdflugzeug einen Angriff auf die Amerikaner. Dabei wurde er von deren Flugabwehr in Grünsfeld abgeschossen und schaffte es nur noch bis zum Vockenberg. In seiner Verzweiflung versuchte er mit dem Fallschirm abzuspringen und löste zu diesem Zweck die Kanzel des Flugzeugs, erinnert sich Zeitzeuge und Hobbyhistoriker Edgar Weinmann. Doch der Sprung klappte nicht mehr und Göller stürzte mitsamt seiner Maschine ab und starb dabei.

    Weithin sichtbare Rauchfahne

    Die Absturzstelle war mit einer hohen Rauchfahne weithin sichtbar, so Weinmann. Bereits eine Stunde, nachdem die Maschine abgeschossen worden war, machte sich ein amerikanischer Spähtrupp auf, um die Absturzstelle zu untersuchen. Sie fanden das vollkommen zerstörte Flugzeug und brachten als Beweis für ihren Vorgesetzten den Propeller der Maschine wieder mit zurück. Den hatten sie, so Weinmann, auf die Kühlerhaube ihres Jeeps befestigt und fuhren damit durch die Stadt.

    An der Absturzstelle selbst fanden sich noch weitere Materialsammler ein, die das Wrack förmlich ausschlachteten. Die abgeworfene Flugzeugkanzel wurde später ein ganzes Stück entfernt von der Absturzstelle gefunden, weiß Edgar Weinmann weiter zu berichten. Die Leiche des jungen Piloten konnte man nicht bergen und so entschloss sich die Familie des getöteten Soldaten, ihm an Ort und Stelle ein Grab zu errichten. 

    Stahlhelm auf dem Grab

    Gepflegt ist das Soldatengrab, weil sich Familie Klinger ehrenamtlich darum kümmert. Viele Jahre kümmerte sich Elisabeth Klinger darum. Sie hatte auch als Erkennungszeichen für ein Soldatengrab immer wieder einen Stahlhelm auf dem Grab abgelegt, doch wurden diese regelmäßig von Grabräubern entwendet. Nun steht nur noch der Grabstein mit seiner Inschrift über dem Grab und erinnert an den jungen Flieger. Da Elisabeth Klinger das Grab altersbedingt nicht mehr pflegen kann, übernahm ihre Tochter Elke Zwicker das Ehrenamt.

    Kämpfe rund um Grünsfeld

    An die Kämpfe rund um Grünsfeld erinnert auch ein weiteres Grab auf dem Friedhof der Stadt. Direkt an der Friedhofmauer nach Südwest, zum Kirchenschiff hin, befindet sich ein Grabstein mit sechs Namen der Deutschen, die ihr Leben bei der Verteidigung ihres Landes in Grünsfeld ließen. Ihre auf der Grabplatte befindlichen Namen und ihre Herkunft zeigen das Alter von Anfang 20 bis Ende 30 und die Wohnorte, die sich über ganz Deutschland erstrecken.

    An der ehemaligen Segelfliegerschule in Grünsfeld, so erinnert sich Edgar Weinmann, lagen zeitgleich die aufgebahrten Leichen von gut 60 US-Amerikanern. Sie waren wahrscheinlich bei den umliegenden Kämpfen, vor allem bei den heftigen Auseinandersetzungen bei Messelhausen, gestorben. Ihr Grab befindet sich ebenfalls auf dem Grünsfelder Friedhof.

    Als Kleindenkmale katalogisiert und registriert

    Alle drei Denkmäler sind als Kleindenkmale katalogisiert und registriert und erinnern noch heute an dieses dunkle Ereignis in der deutschen Geschichte, ebenso wie das Denkmal für einen weiteren Flugzeugabsturz bei Marbach am 2. April 1945. Hier hatte der deutsche Flieger schwerverletzt überlebt und wurde von amerikanischen Ärzten erfolgreich behandelt.

    Das Grab des Fliegers Karl Göller mitten im Wald des Vockenbergs zwischen Zimmern und Kützbrunn.
    Das Grab des Fliegers Karl Göller mitten im Wald des Vockenbergs zwischen Zimmern und Kützbrunn. Foto: Matthias Ernst
    Ein Grabstein mit sechs Namen auf dem Grünsfelder Friedhof erinnert an die gefallenen deutschen Soldaten beim Kampf Anfang 1945 um die Stadt.
    Ein Grabstein mit sechs Namen auf dem Grünsfelder Friedhof erinnert an die gefallenen deutschen Soldaten beim Kampf Anfang 1945 um die Stadt. Foto: Matthias Ernst
    Der 22-jährige Jagdflieger Karl Göller stürzte nach einem Abschuss durch die Amerikaner mit seinem Flugzeug am Vockenberg ab.
    Der 22-jährige Jagdflieger Karl Göller stürzte nach einem Abschuss durch die Amerikaner mit seinem Flugzeug am Vockenberg ab. Foto: Matthias Ernst
    Ein Hinweisschild auf dem Weg von Zimmern nach Kützbrunn weist den Weg zum Waldgrab des Fliegers Karl Göller.
    Ein Hinweisschild auf dem Weg von Zimmern nach Kützbrunn weist den Weg zum Waldgrab des Fliegers Karl Göller. Foto: Matthias Ernst
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