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    Wenkheim

    Vom Welzbachtal direkt nach Australien

    Das Gasthaus 'Zum Grünen Baum' in Wenkheim anlässlich einer Hochzeit vor 1900. Es gilt als der Stammsitz der Familien Steger.
    Das Gasthaus "Zum Grünen Baum" in Wenkheim anlässlich einer Hochzeit vor 1900. Es gilt als der Stammsitz der Familien Steger. Foto: Archiv Klaus Reinhart

    Der Familienname Steger kommt heute in Wenkheim nur noch vereinzelt vor. Ende des 19. und Anfang des 20 Jahrhunderts  war dies jedoch anders. Kinderreiche Steger-Familien sorgten dafür, dass der Name ebenso stark vertreten war, wie die Namen Schmidt, Seubert, Kneucker und Thoma.  

    Pfarrer Johann Steger, gebürtig in Wenkheim, Pfarrer in Nassig und Dossenheim. Verfasser des 1929 erschienen Quellenbüchleins.
    Pfarrer Johann Steger, gebürtig in Wenkheim, Pfarrer in Nassig und Dossenheim. Verfasser des 1929 erschienen Quellenbüchleins. Foto: Archiv Klaus Reinhart

    Berühmtester Spross aus den zahlreichen Stegerlinien ist Pfarrer Johann Steger geboren 1887 in Wenkheim, zum Pfarrer dort ordiniert 1913, gestorben 1952 in Dossenheim bei Heidelberg, seiner letzten Pfarrstelle. Viele Jahre war er auch Pfarrer in Nassig. Dort heiratete er 1922 seine Frau Johanna Zimmermann, die aus Waldenhausen bei Wertheim stammte. Als junger Pfarrer hatte er bei seinen Heimaturlauben in Wenkheim Einblick in die Geburts- Tauf- und Sterberegister der beiden Kirchengemeinden nehmen dürfen.

    Das faszinierte ihn und veranlasste ihn, die in alter Schrift gemachten Eintragungen in Druckschrift niederzuschreiben zu ordnen und zu katalogisieren. 1929 erschien dann das komplette Werk "Quellenbüchlein zur Kirchen- und Familiengeschichte des Dorfes und Marktfleckens Wenkheim". Niemand konnte damals ahnen, dass Ahnenforschung nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten ab 1935 so an Bedeutung gewinnen würde, wo es darum ging "arisch" zu sein. Das Quellenbüchlein war zum Nachweis eine große Hilfe.

    Urvater Märten Steger

    Pfarrer Johann, selbst ein Steger, stellte bei seinen Registereinblicken und Forschungen fest, dass alle Wenkheimer mit dem Namen Steger von einem Märten (Martin) Steger abstammen, der von 1627 bis 1669 lebte, vorher gab es keine schriftlichen Aufzeichnungen. Der Name der Ehefrau von Märten und der Hochzeitstermin konnte dabei nicht gefunden werden.

    Der Gasthof  "Zum Grünen Baum"  in der Hindenburgstraße ist schon über mehrere Generationen der Stammsitz der Stegers. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren gleich vier Wirte mit dem Namen Kilian hintereinander die Chefs 1778 bis 1862, 1807 bis 1892, 1838 bis 1920 und 1865 bis 1931. Dann heiratete die Tochter Luise 1932 einen Albert Scherer aus Bobstadt und betrieb das Gasthaus weiter. Später übernahm es Ernst Scherer mit seiner Frau Elfriede.

    Alle die Steger-Familien waren über 120 Jahre lang sehr kinderreich, so dass sich über die Söhne der Name Steger rasch vervielfachte und die Töchter "Stegerblut" in andere Familien fließen ließen. So gab es dann ab etwa 1870 über zehn Familien, die nachweislich aus dem Gasthof "Zum Grünen Baum" kamen und selbst wieder viele Kinder in die Welt setzten. Als herausragende Person gilt Andreas Steger, geboren 1866, gestorben 1944. Er war zweimal verheiratet und hatte aus beiden Ehen zusammen eine zweistellige Kinderzahl.

    Auswanderungswelle nach Australien

    Aufgrund des großen Kinderreichtums Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts blieb es nicht aus, dass mehrere Stegers in die umliegenden Dörfer heirateten. Dazu kam, dass eine gewaltige Auswanderungswelle  ab Mitte des 19. Jahrhunderts nach Nordamerika und Australien stattfand.

    Quellenbüchlein
    Quellenbüchlein Foto: Archiv Klaus Reinhart

    Der fünfte Kontinent war beliebtes Ausreiseziel der Stegers aus Wenkheim. 1852 wandert Katharina Steger mit ihrem Ehemann Peter Flegler aus Niklashausen nach Toowoomba in Queensland aus. Beide betrieben dort eine Farm. Ihr Bruder Johann Karl, verheiratet mit Barbara Stapf aus Kembach, folgte ihr Jahre später auf eine Farm und hatte insgesamt 11 Kinder. 1881 folgte der andere Bruder Johann mit Ehefrau Anna Barbara, geborene Oppmann, und den vier bereits geborenen Kindern ebenfalls nach Australien nach. 2018 waren Nachkommen in Wenkheim, um die Heimat ihrer Urgroßeltern zu besuchen.

    Auch aus anderen Familien berichtet das "Quellenbüchlein" über zahlreiche Auswanderungen von Wenkheim nach Australien.

    Es fällt auf, dass von den Stegers, die früher in die Nachbarorte geheiratet hatten, Kinder oder Enkel wieder zurück nach Wenkheim geheiratet haben. Heute leben noch etwa 15 Personen mit dem Namen Steger in Wenkheim, die Hälfte davon ist angeheiratet. Verfolgt man die Geschichte der Stegers bis zum Dreißigjährigen Krieg zurück, wird man feststellen, dass ein Großteil der heute lebenden rund 400 evangelischen Einwohner früher oder später von Stegers abstammt. Irgendwelche Groß-, Urgroß- oder Ururgroßeltern mit Stegeranteilen gibt es in fast jedem Stammbaum.

                                                                                                                                                                           

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