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    Bad Neustadt

    100-Jähriger kam sieben Jahrzehnte ohne Krankenhaus aus

    Zum 100. Geburtstag brachte die Musikkapelle Wülfershausen dem früheren Schulleiter Kurt Höret ein Ständchen im  BRK Alten- und Pflegeheim. Zu den Gratulanten gehörten Bürgermeister Wolfgang Seifert (links) und stellvertretender Landrat Josef Demar (rechts). 
    Zum 100. Geburtstag brachte die Musikkapelle Wülfershausen dem früheren Schulleiter Kurt Höret ein Ständchen im BRK Alten- und Pflegeheim. Zu den Gratulanten gehörten Bürgermeister Wolfgang Seifert (links) und stellvertretender Landrat Josef Demar (rechts).  Foto: Karin Nerche-Wolf

    "Ich bin gerührt", dankte Kurt Höret der Musikkapelle Wülfershausen für die Klänge, die sie ihm zu seinem 100. Geburtstag schenkte. Aus seinem Heimatort waren die Bläser am Mittwoch, 20. Februar, zu seinem jetzigen Zuhause, dem BRK Alten- und Pflegeheim, gekommen, um ihm eine Freude zu machen.

    Große Verdienste um die Gemeinde gewürdigt

    Mit strahlenden Augen nahm der Jubilar den Takt mit seinen Händen auf und genoss dieses Geschenk gemeinsam mit seinen vielen Gratulanten. Unter ihnen befanden sich Wülfershausens Bürgermeister Wolfgang Seifert und stellvertretender Landrat Josef Demar. Beide würdigten die großen Verdienste, die sich Kurt Höret um seine Gemeinde gemacht hatte.

    Demar nannte in erster Linie den pädagogischen Beitrag des ehemaligen Schulleiters zur Persönlichkeitsbildung der Wülfershäuser, Seifert hob die Gestaltung des Friedhofsparkplatzes hervor, für die ihm noch heute Dank gebühre. Höret hatte vor fast 20 Jahren die Wülfershäuser dazu mobilisiert, das ehemals schlammige Gelände selber anzulegen und hatte die Materialkosten dafür übernommen.

    Uhu-Verschluss brachte Jahresration Klebstoff

    Aber nicht nur durch diese Aktivität zeichnete sich Kurt Höret aus, er setzte sehr viel mehr in Bewegung, wie sein Enkel Florian voller Stolz von seinem Opa berichtete. So habe Höret den Verschluss für die Uhu-Tube erfunden, der das Eintrocknen des Klebers verhindert, und bekam als Dank eine Jahresration Klebstoff für die Schüler.

    Seine technische Begabung spiegelte sich in einem Steckkasten für die Jugend, den er entwickelte. Jahrzehnte später brachte sein heimatgeschichtliches Interesse CDs hervor über 1200 Jahre Wülfershausen und den Saale-Umbau.

    Ratloser Chefarzt in der Kreisklinik

    Bemerkenswert ist auch folgende Begebenheit: 2016 musste Höret nach einem Sturz in die Kreisklinik nach Bad Neustadt. Etwas ratlos bekam er Chefarzt-Besuch: "Wir können Ihre Krankenakte nicht finden. Ist Ihr Name vielleicht falsch geschrieben?" Die verblüffende Antwort lautete: "1944 wurde ich angeschossen und kam ins Krankenhaus Stettin. Da können Sie anrufen." Danach hatte es keine Krankenhausaufenthalte mehr gegeben. Entsprechend gestaltete Höret bis vor knapp einem Jahr sein Leben in der eigenen Wohnung selbst, aber auch in seiner neuen Umgebung im Alten- und Pflegeheim bleibt er aktiv.

    Aufgewachsen ist Kurt Höret im sudetendeutschen Obergrund. In der Kreisstadt Aussig besuchte er die Lehrerbildungsanstalt und musste von dort direkt in den Krieg ziehen. Nach der Gefangenschaft konnte er als unbelasteter Lehrer sofort an den Volksschulen in Wülfershausen und Saal unterrichten, die Wege zwischen den Orten legte er damals zu Fuß zurück.

    Niemand musste Angst haben, sitzen zu bleiben

    Die Stöckchen des Pfarrers für den Religionsunterricht verschwanden, außerdem musste niemand fürchten, dass er sitzenbleiben würde. Höret bemühte sich so lange um den Schüler, bis es zur Versetzung reichte, berichtet Enkel Florian und erinnert an den Pensionseintritt des Schulleiters im Alter von 60 Jahren.

    Geheiratet hatte Kurt Höret schon 1943 bei einem Heimaturlaub seine Trude, die wie er aus Obergrund stammte. 1948 wurde ihr Sohn geboren, bis zum Hausbau 1962 lebte die junge Familie in der Schulwohnung.

    Jede Menge könnten die beiden Enkel noch über ihren Opa erzählen, der an seinem 100. Geburtstag sehr glücklich darüber war, dass er seine kleine Urenkelin im Arm halten durfte und natürlich keine Zeit fand, selber aus seinem Leben zu plaudern.

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