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    HAUSEN

    Äpfel mögen es nicht so heiß

    In den Medien schwärmen sie über die frühe und ertragreiche Apfelernte in diesem Sommer. Am Bodensee ist sie längst gestartet, im Alten Land im Norden auch. In der Rhön sieht man ebenfalls viele Äpfel. Aber alle hängen sie nicht mehr am Baum. Hängt das mit der enormen Hitze zusammen?

    Steinobst-Ertrag heuer optimal

    „Bei uns sind bislang nur die Frühsorten geerntet, weiße Klaräpfel oder rote Suislepper“, erklärt Adam Zentgraf aus Hausen. Er ist der Mann hinter dem Streuobstlehrpfad in der Modellgemeinde in der Rhön. „Steinobst wie die Mirabelle ist heuer optimal gewesen. Jetzt habe ich auch schon die ersten Birnen als Kernobst geerntet. Bei den Äpfeln geht es drauf zu“, zeigt sich der 66-Jährige noch verhalten mit dem Start und einer definitiven Bewertung der diesjährigen Ernte.

    Man dürfe nicht den Fehler machen, Plantagenbäume mit denen auf der Streuobstwiese zu vergleichen, erklärt Zentgraf. Gewerbliche Obstbauern schneiden ihre Bäume auf Ertrag ohne Mitteltrieb. „Bei uns stehen nur Hochstämme. Und da sehe ich momentan eine normale Ernte, keine Rekordernte!“, sagt der Hausener.

    Wasser besser verarbeiten

    Hochstämme können mit heißen Sommern wie diesen viel besser umgehen als Plantagenbäume. „Die haben eine größere Unterlage. Denn Wurzeln von Hochstämmen gehen über ein Drittel über die Kronengröße hinaus“, doziert Zentgraf. Und so können sich diese Bäume gut mit Wasser versorgen. „Obstbäume im Garten zu gießen ist gleichbedeutend mit Wasser vergeuden. Und wenn es 1000 Liter sind, auch die würden verdampfen“, sagt der 66-Jährige.

    Der vergangene Winter in der Rhön sei wieder ein feuchter gewesen, so dass die Baumwurzeln viel tanken konnten. „Jetzt zehren sie davon. Ich habe bei uns kaum einen Baum gesehen, der trauert“, schiebt Zentgraf nach. Dass dennoch viele Äpfel am Boden liegen, habe oft andere Ursachen. Generell kommen Äpfel besser zurecht, wenn es nicht ganz so heiß ist wie in diesem Sommer. Deshalb entledigt sich der Baum eines Teils seiner Äpfel, um sich selbst zu entlasten. Die Elastizität der Äste und Bäume lasse zwar bei einem geringeren Wasserhaushalt nach, aber Schädlinge wie der Apfelwickler bereiten weit größere Sorgen, so Zentgraf.

    Bis zu drei Schädlings-Generationen

    Vor allem bei den am Boden liegenden Äpfeln können sich die Raupen schnell verpuppen und als Schmetterlinge wieder das Obst im Baum anstechen. Darin entsteht dann die nächste Larve. „In einer Saison können sich bis zu drei Generationen vom Apfelwickler ausbilden“, weiß der Hausener. Beste Gegenmaßnahme sei, Nistkästen für Vögel im Baum aufzuhängen. Ansonsten müsse das Fallobst schnell aufgelesen und entsorgt werden. „Am besten verfüttert man dies bei Schafen, Schweinen oder Pferden. Auch auf Grünabfallplätzen hab ich momentan viel Fallobst gesehen“, sagt Zentgraf.

    Er gibt auch gerade bei diesem heißen Sommer zu bedenken, dass man grundsätzlich zwischen Baum- und Genussreife bei den Äpfeln unterscheiden muss. Lasse sich die Frucht durch leichtes Drehen vom Baum lösen, sei das der richtige Zeitpunkt für die Ernte. Momentan solle man sich durch das frühzeitige Fallobst nicht verleiten lassen, alle Äpfel zu ernten. „Die Qualität ist noch nicht ausgereift!“ Erst Mitte September könne man hochwertige Qualitätsfrüchte ernten, um sie dann beim Einlagern zur Genussreife zu bringen.

    Am 21. Oktober wieder Apfelmarkt

    Sicher ist sich Zentgraf aber, dass es in diesem Jahr wieder den beliebten Apfelmarkt gibt. „Im vergangenen Jahr hat der Frost uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir hatten kaum Sortenvielfalt für den Markt, deshalb haben wir ihn ausfallen lassen.“ Heuer nun ist wieder alles greifbar. Über 30 Sorten will Zentgraf mit seinen Helfern vom Arbeitskreis Streuobst am Sonntag, 21. Oktober, anbieten. Wer will, kann dort auch seine heimische Sorte bestimmen lassen. Adam Zentgraf: „Fünf verschiedene Äpfel können mitgebracht werden. Aber bitte ohne Wurmbefall!“

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