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    TRAPPSTADT

    Alarmierungspanne wird untersucht

    Einsatzkoordination: Auf einem Bildschirm in der Integrierten Leitstelle (ILS) wird dem Disponenten angezeigt, welche Rettungsmittel in der Region gerade verfügbar sind. Das Symbolbild entstand in der ILS Würzburg, die mit dem beschriebenen Fall nichts zu tun hat.FOTO: Pat Christ
    Einsatzkoordination: Auf einem Bildschirm in der Integrierten Leitstelle (ILS) wird dem Disponenten angezeigt, welche Rettungsmittel in der Region gerade verfügbar sind. Das Symbolbild entstand in der ILS Würzburg, die mit dem beschriebenen Fall nichts zu tun hat.FOTO: Pat Christ

    Der schwere Verkehrsunfall mit insgesamt sechs Verletzten am 23. Oktober an der Kreuzung bei Trappstadt hat die Wellen hochschlagen lassen. Vor allem bei Feuerwehr und Rettungsdienst.

    Wie berichtet, waren Hilfskräfte aus Thüringen von der Rettungsleitstelle Suhl zu der Unfallstelle beordert worden. Dies hatte dazu geführt, dass der Großteil der Hilfsfristen keinesfalls eingehalten werden konnte. Erschwerend kam hinzu, dass man die Ortsfeuerwehr Trappstadt nicht eingreifen ließ.

    Aufgrund der Berichterstattung und der Recherchen haben sich nun Politiker eingeschaltet, darunter die CSU-Landtagsabgeordneten Steffen Vogel (Stimmkreis Haßberge-Rhön-Grabfeld) und Sandro Kirchner (Stimmkreis Bad Kissingen) sowie die Verkehrsstaatssekretärin und hiesige Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (ebenfalls CSU). Letztere hatte ihren Parteifreund Gerhard Eck, Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, über den Vorfall informiert und um eine Stellungnahme gebeten.

    Eck antwortet Bär

    Nun hat Eck geantwortet. „Es ist zutreffend, dass es in grenznahen bayerischen Regionen vorkommen kann, dass der 112-Notruf an eine Leitstelle in Thüringen, Baden-Württemberg oder Hessen weitergeleitet wird. Diese technische Unzulänglichkeit kann derzeit nicht behoben werden.“

    Während in Bayern nur die unmittelbar an ein anderes Bundesland angrenzenden Regionen betroffen sind, kommt dies in anderen Bundesländern, die kein einheitliches Alarmierungssystem haben, an den Grenzen eines jeden Leitstellenbereichs und somit viel öfter vor. So könnte es auch bei dem Verkehrsunfall in Trappstadt gewesen sein.

    Ecks Büro hat sich die entsprechenden Daten zukommen lassen und erfahren, dass an jenem 23. Oktober um 16.36 Uhr ein Anruf der Leitstelle Suhl in der Integrierten Leitstelle (ILS) Schweinfurt einging. Den Schweinfurtern wurde mitgeteilt, dass der Leitstelle Suhl ein Verkehrsunfall zwischen Eicha (Lkr. Hildburghausen) und Trappstadt gemeldet worden sei. Erste „Rettungsmittel“ seien bereits eingetroffen. Es habe sich herausgestellt, dass sich der Unfallort „knapp auf bayerischem Gebiet“ befinde.

    Die eigentliche Unfallzeit dürfte damit um einiges zurückliegen. Nachdem jedoch sämtliche Einsatzkräfte bereits unterwegs seien, wurde vom Suhler Disponenten das Angebot seines Schweinfurter Gesprächspartners, weitere bayerische Kräfte zu alarmieren, für nicht erforderlich gehalten. Man wollte offenbar erst einmal die erste Lagemeldung abwarten. So wurde vom Disponenten der ILS Schweinfurt davon abgesehen, die Führung und Begleitung dieses Einsatzes zu übernehmen. Begründung: Es befänden sich ja nach Angaben der Leitstelle Suhl bereits Einsatzkräfte an der Einsatzstelle oder waren kurz davor.

    Zweiter Anruf in Schweinfurt

    Sechs Minuten später änderte sich dies allerdings: Um 16.42 Uhr ging ein zweiter Anruf der Leitstelle Suhl in Schweinfurt ein. Die Thüringer forderten darin einen Rettungswagen zur Unterstützung bei Trappstadt an. Die Leistelle Schweinfurt informierte daraufhin die Rettungswache in Bad Königshofen, die sofort einen Rettungswagen nach Trappstadt schickte. Mittlerweile waren dort auch alle Rettungskräfte sowie zwei Hubschrauber eingetroffen.

    „Unsererseits können wir konstatieren, dass die thüringischen Rettungsmittel, zum Beispiel RTW Westhausen oder RTW Wolfmannshausen in die Bereichsfolge grenznaher bayerischer Einsatzstellen integriert sind und auch zum Einsatz gebracht werden; ebenso ist dies im Bereich der Feuerwehralarmierungsplanung, wo grenznahe thüringische Wehren im Einsatzleitsystem erfasst und eingepflegt sind“, schreibt Eck. RTW ist schlicht die Abkürzung für Rettungswagen.

    Somit werden auch bei einer Einsatzführung durch die ILS Schweinfurt, zumindest zum Teil, auch thüringische Rettungskräfte und Wehren alarmiert und eingesetzt. Dies war in Trappstadt, aber auch erst kürzlich bei einem schweren Verkehrsunfall bei Ottelmannshausen der Fall. Für den Staatssekretär aus Donnersdorf (Lkr. Schweinfurt) ist eine abschließende Beurteilung der Gesamtsituation zurzeit nicht möglich. Dazu seien noch entsprechende Auskünfte der Leitstelle Suhl erforderlich.

    Das unterstreicht auch der Leiter der Integrierten Rettungsleitstelle Schweinfurt, Thomas Schlereth. Auf Anfrage teilte er mit, dass es für ihn entscheidend sei, den genauen Wortlaut des eingehenden Notrufes vom 23. Oktober vom Band zu hören. Der bringe genauen Aufschluss, wie konkret der Anrufer den Unfallort beschrieben hat. Dort ist dann auch die genaue Uhrzeit des Anrufs nachzuvollziehen.

    Komplettes Lagebild

    Von der ILS Suhl erwartet man außerdem den entsprechenden Einsatzbericht, um sich ein komplettes Bild der Sachlage zu verschaffen. „Sofern erforderlich, wird die ILS Schweinfurt im Anschluss gemeinsam mit den Feuerwehrführungskräften des Landkreises Rhön-Grabfeld und dem Zweckverband Rettungsdienst und Feuerwehrwesen mit Sitz in Schweinfurt auf die entsprechenden Verantwortlichen im Bereich der Leitstelle Suhl zugehen“, so Eck. Verantwortlich sind dort der Rettungszweckverband und das Gefahrenabwehrzentrum Suhl/Zella-Mehlis. Außerdem sollen dann Feuerwehrführungskräfte und Verantwortliche der Leitstelle Suhl bei dem Gespräch dabei sein. „Es ist ganz wichtig, Verbesserungen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu erreichen“, schreibt der CSU-Politiker.

    Etwas, das auch der Leiter der Rettungsleitstelle Schweinfurt, Thomas Schlereth unterstreicht. Schließlich gehe es um schnellstmögliche Hilfe – und damit um Menschenleben.

    Kreisbrandinspektor Michael Weber (Bad Königshofen), der den Stein ins Rollen gebracht hatte, konnte sich nach den Presseveröffentlichungen, in denen die Anfahrtszeiten der Rettungsfahrzeuge aus Thüringen aufgeschlüsselt waren, vor Anrufen aus dem Nachbarland kaum retten. Immer habe bei ihm das Telefon geklingelt, berichtet er.

    Für Kreisbrandrat Stefan Schmöger (Bad Neustadt) ist es nun unbedingt notwendig, hier „eine klare Linie“ hineinzubringen. Es gehe darum, „dass Menschen in Gefahr sind, unsere Hilfe brauchen und wir, wie auch der Rettungsdienst, ihnen auf dem schnellsten Weg helfen wollen“. Schmöger verweist noch einmal deutlich auf die Hilfsfristen. Die liegen bei der Feuerwehr bei zehn Minuten nach Eingang eines Notrufs, zwölf Minuten sind es beim Rettungsdienst.

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    Von unserem Mitarbeiter Hanns Friedrich

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