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    BURGWALLBACH

    Als Au-Pair aus Madagaskar in die Rhön

    Noch arbeitet Tiana aus Madagaskar als Au-Pair-Mädchen in einer Burgwallbacher Familie. Ihre Gasteltern unterstützen sie... Foto: Karin Nerche-Wolf

    Es geschah auf dem Bahnhof in Bad Neustadt. Andrée Manger, seit fünf Jahrzehnten Vhs-Kursleiterin für Französisch und gebürtige Madagassin, wartete auf den Zug. Sie schaute sich die Mitreisenden an, plötzlich war sie wie elektrisiert. Da, die junge Frau!

    Entschlossen ging die ältere Dame auf das hübsche Gesicht zu. „Darf ich Sie fragen, ob Sie aus Madagaskar sind?“ Ein sprachloser Moment des ungläubigen Staunens, dann wissen Andrée Manger und Tiana: Sie haben 8500 Kilometer von daheim völlig unerwartet eine Landsfrau getroffen – das typisch Madagassische hat sie zusammengebracht.

    Von Hitze geplagt

    Tiana, die mit vollständigem Namen Zo Iangotiana Andrianafetra heißt, erzählte, dass sie als Au-Pair-Mädchen in Burgwallbach ist – und die allgemeine Neugierde war geweckt.

    Am Ufer des Burgwallbacher Sees sprudelt die Geschichte vom Rhön-Abenteuer in fließendem Deutsch aus der 20-Jährigen, die aus Madagaskars Hauptstadt Antananarivo stammt. Weil die Temperaturen dort gewöhnlich unter 30 Grad liegen, jammert sie genau wie alle anderen über die Hitzewelle. Auch sonst gibt es viele deutsche Eigenschaften, die zu ihrer Persönlichkeit passen, beispielsweise Pünktlichkeit und Fleiß.

    Weil sie es mag, die Dinge anders als üblich zu gestalten, gehörte sie in Madagaskar auch zu den geringen fünf Prozent, die in der Schule Deutsch lernen. Sie besuchte den Deutschclub und war begeistert, wenn der Lehrer deutsche Gäste hatte. Nach dem Abitur begann sie zunächst ein Medizinstudium, aber aufgrund schwieriger Universitätsbedingungen ließ sie sich über ein Au-Pair-Programm für Studenten nach Deutschland vermitteln – und zog das goldene Los.

    Ältestes Klapperkind

    Denn ihre Gastfamilie möchte zwar, dass sie am Nachmittag die beiden kleinen Kinder betreut, mit ihnen spielt und spazieren geht, fördert aber auch die junge Madagassin und eröffnet ihr alle Wege, dass sie Land und Leute, Kultur und Bräuche kennenlernt und nach dem Au-Pair-Jahr in Deutschland eine qualifizierte Ausbildung machen kann.

    Wie wohl sich Tiana hier fühlt, verdeutlicht sie am Gradmesser Heimweh. Das hat sich seit dem vergangenen November überhaupt noch nicht eingestellt. Stattdessen schwärmt sie von ihren vielfältigen Kontakten, dem Rhönrad-Turnen, das sie trainiert, und der Faschingsparty, zu der sie als Hexe ging – ein Spaß, der etwas völlig Neues für sie war. Ebenfalls einen tiefen Eindruck auf sie hat der österliche Brauch des Glockenersatzes gemacht. So zog sie als ältestes Klapperkind mit durch die Straßen. „Das war ganz schön anstrengend“, erinnert sie sich an ihren ungewöhnlichen Einsatz.

    Schwimmen als neue Erfahrung

    Eine ganz neue Erfahrung bedeutet für Tiana das Schwimmen im Burgwallbacher See. „Wenn es bei uns irgendwo so ein Wasser gibt, dann waschen die Leute dort ihr Auto. Oder sie fürchten sich vor dem Geist, der in den Fluten herrscht.“

    Zu ihrem Freundeskreis zählt die Madagassin eine junge Weißrussin, die als Au-Pair-Mädchen in Leutershausen arbeitet. Der Kontakt entstand durch die beiden Gastfamilien, die miteinander befreundet sind und gleichzeitig ein Au-Pair-Mädchen suchten.

    Ihre offene Art hilft Tiana sehr bei der Perfektionierung ihrer Deutschkenntnisse. Ganz wunderbar empfindet sie es, dass sie im Juni zum ersten Mal problemlos vier deutsche Bücher verschlungen hat. Und nicht vergessen wird sie ihren Geburtstag. Den hat sie mit dem Französisch-Kurs von Andrée Manger gefeiert.

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