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    Bad Neustadt

    Am Heiligen Abend in die Christmette?

    Sie ist einer der stimmungsvollsten und bestbesuchten Gottesdienste im Kirchenjahr, aber sie findet nicht mehr in jedem Ort statt. Doch es es gibt Alternativen.
    Um das Kind in der Krippe geht es in der Christmette, aber auch in Kinderkrippenfeiern und weihnachtlichen Wort-Gottes-Feiern. Foto: Marion Eckert

    In der katholischen Kirche gibt es zwei große nächtliche Feiern im Kirchenjahr. Die eine ist die Osternacht, die andere steht gerade bevor. Es ist die Christmette in der Nacht vom Heiligen Abend auf den ersten Weihnachtsfeiertag. Krippe, Christbaum, Kerzenschein, und dazu Stille Nacht, das ist schon sehr stimmungsvoll. Die Christmette zählt zu den bestbesuchten Gottesdiensten des Jahres, zu dem auch Menschen kommen, die sonst keine regelmäßigen Kirchgänger sind.

    Das bestätigt stellvertretender Dekan Thomas Menzel. Er ist der Leiter des  größten pastoralen Raums im katholischen Dekanat Rhön-Grabfeld mit den drei Pfarreiengemeinschaften Franziska Streitel Mellrichstadt, Fladungen/Nordheim und Besengau-Bastheim. Alle, die zur Mette kommen, da ist er sich sicher, kommen nicht wegen irgendeiner Sentimentalität, sondern aufgrund einer tiefen Sehnsucht - nach einem heilen Leben, nach Menschlichkeit und Frieden, oder eben nach der Liebe Gottes.

    Normale Eucharistiefeier

    Der Begriff Mette leitet sich ab von „Matutin“, der Bezeichnung für das nächtliche oder frühmorgendliche Gebet, erklärt er. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sind Metten keine Messen mehr, sondern mit Lesungen verknüpfte Psalmengebete. Dass die Messe in der Heiligen Nacht trotzdem als „Christmette“ bezeichnet wird, hängt lediglich mit dem Zeitpunkt zusammen, so Menzel.

    Das ist eigentlich auch der einzige Punkt, worin sich die Christmette beispielsweise von einer Sonntagsmesse unterscheidet, erläutert der Geistliche. "Natürlich kann sie besonders feierlich gestaltet werden. Und das Lied 'Stille Nacht', das bei ausgeschaltetem elektrischen Licht gesungen wird, darf natürlich nicht fehlen." Damit die Christmette nicht einfach nur eine eine feierliche Messe in der Nacht ist, könne man Lesungen und Psalmen am Beginn einbauen, oder das sogenannte Martyrologium, die Ankündigung  der Geburt Jesu. Am Beginn könnte auch ein Adventslied stehen als Hinweis, dass nun die Zeit der Erwartung vorbei ist.

    Personalmangel -Gläubigenmangel

    Der festlich geschmückte Chrstbaum gehört natürlich zur Christmette. Ehrenamtliche stellen ihn wie hier in Bad Neustadt kurz vor Heiligabend auf. Foto: Ines Renninger

    Christmetten in jedem Ort, wie es früher einmal möglich war, gibt es aber nicht mehr. Das ist dem fehlenden Personal geschuldet. Es gibt allerdings nicht nur einen Priestermangel, wie Menzel klar stellt, auch die Zahl der Gemeinde- und Pastoralreferenten nehme ab. Im gleichen Atemzug müsse  man außerdem immer auch den Mangel an Menschen nennen, die die Gottesdienste besuchen. Beides gehört für Menzel zusammen.

    Menzels Seelsorgeteam setzt sich neben ihm aus Pfarrvikar Paul Reder, Pfarrvikar Piotr Bruski, Diakon Hans-Günther Zimmermann, Gemeindereferentin Ursula Schäfer, Gemeindereferentin Michaela Köller, Pastoralreferentin Iris Will-Reusch, Pastoralreferent Ulrich Emge sowie Gemeindeassistent Christof Brod zusammen. Dazu kommt eine Reihe von ehrenamtlichen Gottesdienstbeauftragten, die regelmäßig Wort-Gottes-Feiern halten. 

    Nicht einfach nur Ersatz

    Mit diesem Personal ist es Menzel möglich, in den drei Pfarreiengemeinschaften jeweils zwei Christmetten anzubieten - insgesamt also sechs Christmetten anzubieten. Dieses Angebot wird ergänzt von Kinderkrippenfeiern oder weihnachtlichen Wort-Gottes-Feiern. Bei ihnen von Ersatz für die Mette zu sprechen, hält Menzel für nicht angebracht. "Am  Heiligen Abend wird in jeder Gemeinde ein Gottesdienst angeboten." Das ist ihm wichtig. "Denn nach wie vor haben viele Menschen am Heiligen Abend das Bedürfnis, in die Kirche zu gehen und die Botschaft von Weihnachten zu hören", so seine Wahrnehmung.    

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    Ob es sich dabei um eine Christmette, also eine Eucharistiefeier, eine Kinderkrippenfeier oder eine Wort-Gottes-Feier handelt, sei zunächst einmal nicht das Entscheidende. "Oftmals sind Kinderkrippenfeiern und Wort-Gottes-Feiern sogar 'beliebter' als die Christmette, da sie in der Regel zu familien- und feierfreundlicheren Uhrzeiten stattfinden", sagt der Seelsorger. Oft seien die sogar besser besucht als die eigentlichen Christmetten zu später Stunde. "Alle Gottesdienstformen am Heiligen Abend sind wichtig, keine ist ein Ersatz", macht Menzel deutlich.

    Einseitige Eucharistiezentriertheit

    Natürlich könne der Eindruck entstehen, dass man jetzt aufgrund des Personalmangels erfinderisch wird und nur, weil nicht mehr überall die Eucharistie gefeiert werden kann, „Notlösungen“ sucht. tatsächlich sei es aber so, dass die Kirche seit ältesten Zeiten eine Vielfalt von Gottesdiensten kenne. Besonders die Wort-Gottes-Feier sei schon vom Zweiten Vatikanischen Konzil wieder neu als eigenständige Gottesdienstform entdeckt worden. "Leider ist dieses Bewusstsein aufgrund einer einseitigen Eucharistiezentriertheit etwas verloren gegangen", stellt Menzel fest.

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