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    BAD NEUSTADT

    Aufgespießt: Futter unter der Haube

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    Mein Auto stinkt. Eigentlich hat der Mechaniker die Motorhaube geöffnet, um den Keilriemen nachzuziehen. Jetzt weicht er angeekelt zurück, weil ihm üble Gerüche entgegenwabern. Ein bisschen fühle ich mich in meiner Hausfrauenehre gekränkt und erkläre kleinlaut, dass ich den Kleinwagen durchaus ab und zu durch die Waschanlage fahre, die Motorhaube lasse ich dabei zugegebenermaßen geschlossen. Mit Reinlichkeit hat das nichts zu tun, erklärt der junge Mann und zieht aus den Tiefen des Motorraums eine tote Amsel, die dem Geruch nach zu urteilen ihr Leben schon vor Wochen ausgehaucht haben muss.

    Wie kommt eine tote Amsel dahin? Hätte ich sie im Tiefflug erwischt, würde ich mich dran erinnern. Glaubt er auch nicht, sagt der Mechaniker. Wahrscheinlicher ist, dass irgendein Marder sein Futter in meinem Auto bunkert. Vielleicht übernachtet er auch dort, denn Marder lieben Automotoren, erfahre ich aus berufenem Mund: Warm, dunkel, verwinkelt, sicher und angenehm zum Schlafen.

    Also hat der Marder, der meinen Nachbarn seit Jahren fast in den Wahnsinn treibt, weil er nächtens unterm Dach lautstark sein Unwesen treibt und überall halbverweste Mäuse und Vögel herumliegen lässt, sich eine Zweitwohnung in meinem Auto eingerichtet. Das ist nicht schön, aber wahrscheinlich nicht zu ändern. Eines ist sicher: In den Wahnsinn lasse ich mich von dem Tierchen nicht treiben. Solange der Marder keine Kabel und Schläuche durchbeißt, werden wir in friedliche Koexistenz miteinander. Und ab und zu werde ich meinem Auto halt eine Motorwäsche gönnen. Das ärgert den Marder und schont das Näschen meines Automechanikers.

    Martina Harasim martina.harasim@mainpost.de

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