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    Bad Königshofen

    Bad Königshofen: Die Wochen nach der Wende waren turbulent

    Vor 30 Jahren begannen die Gespräche zwischen Römhild und Bad Königshofen über eine Städtepartnerschaft. Überall im Grabfeld blühten die Kontakte zwischen Ost und West. 
    Mit der Stadtkapelle Bad Königshofen voran, zogen die Gäste aus Bad Königshofen in Römhild beim Begrüßungstag ein. Foto: Hanns Friedrich

    "Wanda Hoffmann, Bürgermeisterin von Römhild kommt heute im Laufe des Vormittags nach Bad Königshofen, um ihrem Kollegen Wolfgang Mack, einen Besuch abzustatten. Das Treffen ist insofern von Bedeutung weil sich die Stadt seit 1983 um eine Städtepartnerschaft bemüht." So lautete eine aktuelle Zeitungsnotiz des Bote vom Grabfeld am 24. November 1989.

    Der erste Wunsch nach einer Partnerschaft keimte schon 1983 

    Im Jahr 1983 hatte sich der Stadtrat von Bad Königshofen mit einem Schreiben an Römhilds Bürgermeisterin Wanda Hoffmann und  Ewald Mold, dem damaligen ständigen Vertreter in Bonn gewandt, um eine Städtepartnerschaft zu erreichen. Allerdings wurde diese abgelehnt. Weitere Versuche durch den damaligen Landrat Dr. Fritz Steigerwald und den Bundestagsabgeordneten Eduard Lintner, zuständig für Grenzlandfragen, (Münnerstadt) scheiterten ebenfalls. "Jetzt hofft man, dass aufgrund der veränderten Situation der DDR aus einer Städtepartnerschaft doch noch was wird," schrieb die Heimatzeitung am 24. November 1989.

    7. Januar 1990: Römhilds Bürgermeisterin Wanda Hoffmann begrüßte die Gäste aus Bad Königshofen am Kulturhaus in Römhild. Foto: Hanns Friedrich

    Mittlerweile hatte auch die Gemeinde Aubstadt Kontakt mit der Kommune Bauerbach in der DDR.  Die Aubstädter wurden eingeladen bei einer Aufführung auf der Freilichtbühne in Bauerbach dabei zu sein, außerdem könnten Vereine und Verbände in Kontakt kommen. In Aubstadt begrüßte Bürgermeister Wolfgang Abschütz die Gäste, die erst kurz vor Mitternacht wieder die Heimreise antraten. Es war die Zeit, als sich im Rhön-Grabfeld-Kreis nach und nach die Grenzen, oft nur für Stunden, öffneten. So auch in Trappstadt. Von Freude, Jubel, Euphorie und tränenüberströmten Gesichtern wird am 4. Dezember berichtet. Auch in Irmelshausen waren Gäste aus Milz bei einem Heimatabend gekommen, "die aber wieder zurück mussten, weil sonst der Zaun geschlossen wird."

    Bürgerinitiative in Römhild bemühte sich um Westkontakte

    Noch bevor die Partnerschaft mit der Stadt Römhild aktuell wurde, hatte sich in Römhild eine Bürgerinitiative gegründet, die sich um Westkontakte bemühte. Am 11. Dezember 1989 fanden bereits weitere Gespräche zur Städtepartnerschaft mit der Bürgerinitiative bei einem Treffen im Schlundhaus von Bad Königshofen statt. Kontaktperson in Bad Königshofen war Helmut Hempfling, in Römhild Angela Holland-Nell. Am Samstag, 9. Dezember öffneten sich die Grenztore zwischen Mendhausen und Irmelshausen.  

    Das zeigte sich auch beim Treffen der Bürgerinitiative Römhild im Schlundhaus Bad Königshofen. "Das Schlundhaus hätte ruhig ein Drittel größer sein dürfen," notierte die Heimatzeitung damals. Engere Kontakte und eine eigene Busverbindung von Bad Königshofen nach Römhild wurden diskutiert. Mitgebracht hatten die Gäste aus Römhild ein Stück Metallgitterzaun und ein Transparent von einer Demonstration in der DDR. Darauf waren die Umrisse der DDR zu sehen, die durchgestrichen waren und das Wort "unverkäuflich" war zu lesen. Das deutete daraufhin, "die DDR nicht vorschnell zum bundesdeutschen Trabantstaat zu machen."

    Im Museum für Grenzgänger in der Schranne in Bad Königshofen wird an die Städtepartnerschaft erinnert. Dort ist auch das in Kupfer getriebenes Relief der Stadt Römhild zu sehen, das Bürgermeister Wolfgang Mack als Erinnerungsgeschenk bekam. Foto: Hanns Friedrich

    Überall entstanden Grenzübergänge in der Mauer

    Noch im Dezember 1989 trafen sich Bürgermeister Wolfgang Mack,  Norbert Bossinger, geschäftsleitender Beamter der Stadt und Stadtrat Arthur Hofmann auf Einladung von Bürgermeisterin Wanda Hoffmann in ihrem Dienstzimmer in der Glücksburg in Römhild. Dabei legte man einen Begrüßungstag am 7. Januar 1990 in Römhild fest. Es waren ereignisreiche und turbulente Tage: Am 16. Dezember öffneten sich die Grenztore bei Zimmerau und Rieth. Einen Tag vor Heiligabend wurde der neue Grenzübergang Eicha-Trappstadt übergeben.

    Gespräche über einen Fußgängerüberweg zwischen Hindfeld und Breitensee wurden zwischen den Bürgermeistern Werner Langkönig (Milz) und Clemens Ditterich (Herbstadt) am 19. Dezember 1989 bei einem Treffen an der Innerdeutschen Grenze geführt. In Bad Königshofen herrschte Euphorie, was die Grenzöffnung der Kurstadt bringen könnte. So könnte Bad Königshofen künftig Ausgangspunkt für Ausflüge in die DDR werden, sagte Helmut Luff, damals Geschäftsführer der Kurbetriebs GmbH. Als Reisziel wurde Römhild als neue Partnerstadt genannt. Von einer Reisewelle der Bundesbürger in die DDR war die Rede und davon könne auch Bad Königshofen profitieren.

    Mehr als 1000 Königshöfer zogen nach Römhild

    Dann kam der 7. Januar 1990, als zahlreiche Gäste, Bad Königshofens Stadtkapelle voran, die Einladung eines Begrüßungstages annahmen. "Mehr als tausend Bad Königshöfer Einwohner zogen nach Römhild", titelte die Heimatzeitung am Montag, 9. Januar 1990. Bürgermeisterin Wanda Hoffmann sagte: "Wir werden die ausgestreckte Hand ergreifen und zu einer guten Partnerschaft beitragen". Im Namen der Stadtverordnetenversammlung hieß Wanda Hoffmann die Gäste aus dem Grabfeld willkommen. Der Begrüßungstag sollte dem gegenseitigen Kennenlernen dienen und letztendlich zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages.

    Als Erinnerung überreichte sie an Bürgermeister Wolfgang Mack ein in Kupfer getriebenes Relief der Stadt Römhild, das heute im Museum für Grenzgänger zu sehen ist. Allerdings dauerte es noch ein ganzes Jahr bis 1991 endgültig die Partnerschaft besiegelte wurde.

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