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    Bad Königshofen

    Bad Königshofen: "Grenzüberschreitungen" der Berufsfachschule

    Zum Thema 'Grenzüberschreitungen' fand ein Symposium statt. Das Bild zeigt von links: Genoel Rühle von Lilienstern, Christian Kram, Christian Meyer, Anne Greiling, Stephan Adam und Yannik Helm
    Zum Thema "Grenzüberschreitungen" fand ein Symposium statt. Das Bild zeigt von links: Genoel Rühle von Lilienstern, Christian Kram, Christian Meyer, Anne Greiling, Stephan Adam und Yannik Helm Foto: Ernst Oestreicher

    Ein Symposium und ein Konzert veranstaltete die Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen, um sich in den von der Kulturagentur Rhön-Grabfeld initiierten Veranstaltungsreigen zum Gedenken an 30 Jahre Mauerfall einzureihen und damit einen musikalischen Beitrag zu bieten.

    Christian Meyers Impulsreferat zeigte die Vielschichtigkeit des Themas "Grenzüberschreitungen" auf. Der Musikwissenschaftler und Fachlehrer an der BFSM stellte Grenzen als Urerfahrung des Menschen dar, die von frühster Kindheit an das Leben prägten. Über politische und persönliche Grenzziehungen ging Meyer zur Frage nach künstlerischen Grenzen über und stellte verschiedene Grenzüberschreitungen in der Musikgeschichte vor. Zuletzt stellte er die Frage, in wieweit die von der Gesellschaft für mechanische Aufführungsrechte (GEMA) gesetzte Grenze zwischen U- und E-Musik vielleicht willkürlich sei. Im Anschluss an das Referat hatten drei zum Symposium eingeladene Komponisten die Möglichkeit, an Hand ihres Kompositionsansatzes unterschiedliche Konzepte und Grenzziehungen ihres Tuns aufzuzeigen.

    Die Grenzen zwischen Klassik und Popmusik verschieben

    Yannik Helm (Würzburg) orientiert sich in seinen Werken zunächst immer an der Zielgruppe, für die er komponiert und setzt sich Grenzen im Machbaren, was er auch als interessante Herausforderung sieht. Christian Krahm (Leipzig) stellte am Lied "Ovid im Exil" ein konkretes Beispiel für eine Komposition vor, in der das Grenzen-Wahrnehmen und ihre Überwindung Teil des poetischen Textes sind. Auch das Motiv des Künstlers im Exil lässt sich leicht auf viele Komponisten aus der Geschichte übertragen, die wegen ihrer Werke die Heimat verlassen mussten. Genoël Rühle von Lilienstern (Berlin), wie Christian Krahm Absolvent der Berufsfachschule für Musik, verschiebt in seinem vorgestellten Werk "Couture" für großes Orchester und zwei Synthesizer die Grenzen zwischen Klassik und Popmusik, sowie zwischen verschiedenen Zeiten und Stilen und hebt sie auf.

    In der darauffolgenden Podiumsdiskussion kamen die Beteiligten zur Erkenntnis, dass das Komponieren heute im Gegensatz zu den letzten Jahrhunderten eigentlich keine Grenzen und Konventionen mehr kennt, jedoch im Beziehungsfeld Komponist – ausführende Musiker – Publikum Grenzen in der Aufgeschlossenheit und im Geschmack bestehen. Provokante oder höchst komplizierte Kompositionen sind dann vielleicht nur für eine Uraufführung geschrieben. Gefällige Kompositionen, die vom Publikum gerne gehört werden, wirken für Kenner möglicherweise seicht, Kompositionen, die von Musizierenden gerne gespielt und hoch geschätzt werden, verlangen vom Publikum die Bereitschaft, sich ebenfalls damit auseinanderzusetzen.

    Ein überaus hörenswerter Konzertabend

    Im abendlichen Konzert hatten sich dann neben Schülerschaft und Lehrkräfte auch viele Zuhörer im Orgelsaal eingefunden. Kim Bauer-Heilmann und Gert Drost eröffneten den überaus hörenswerten Konzertabend mit der Auseinandersetzung von Igor Strawinsky und Maurice Ravel mit "Tanzmusik" in einer packenden Interpretation. Die Schülerin Christina Moormann (Oboe) brachte mit dem Stück "Scherzoboe" des aus Fulda stammenden Yannik Helm, begleitet von ihrem Vater Ulrich Moormann, eine humoristische Darbietung. Expressiv gestalteten Sebastian Eicke und Christian Krahm das Lied "Ovid im Exil" aus der Liedersammlung "Grenzenlos" des Komponisten. Hanns Eisler (bekannt als Komponist der DDR-Hymne) komponierte sein "Hollywooder Liederbuch" im US-amerikanischen Exil; Romi Harth (Mezzosopran) und Jan Jablonowski (Tenor) interpretierten ausdrucksstark fünf Lieder aus diesem Zyklus und wurden von Linda Graf und Felix Dömling am Klavier begleitet. Die Geschichte vom Mäkelfritzen des ähnlich wie Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgerten Thilo Medek wurden von Daniela Guimarães (Sopran) und Andreas Pickel (Marimbaphon) auf hohem Niveau interpretiert.

    Die beiden letzten Beiträge eines überaus spannenden Konzertabends, den die Ausführenden, Komponisten und Dozenten durch kurze Werkeinführungen für die Zuhörer begreifbarer machten, waren einem weiteren Aspekt des Themas der  Grenzüberschreitung geschuldet: Die Grenzen der europäischen Musik werden durch eine Verbindung mit außereuropäischer Musik ständig erweitert. Yasser Khalfa, selbst ein "Grenzüberschreiter", und Smilla Pall (beide Gitarre) brachten zwei Volkslieder aus Syrien zu Gehör. Zum Abschluss sang Suat Yildizhan als Gast das islamische Gebet "Adhaan", das der Walisische Komponist Karl Jenkins in seiner "A Mass for peace" (Friedensmesse) vor das anschließende christliche "Kyrie" setzt. Die Ausführenden waren hier: Anne Greiling (Alt-Solo), Wolfram Bieber (Tenor), Elsa Freudenberg und Emily Samaan (Sopran), Leon Zimnol (Bass) begleitet von Schulleiter Prof. Ernst Oestreicher am Flügel. Tief berührt von dieser völkerverbindenden Geste mit der Bitte um Frieden applaudierte das Publikum lang anhaltend und begeistert.

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