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    Bad Königshofen

    Bad Königshofen: Kerzen erinnern an die Pogromnacht

    Kerzen in einem Fenster der Wohnhäuser in Bad Königshofen und anderer Gemeinden im Grabfeld sollen an die Pogromnacht am 9. November 1938 erinnern. Foto: Hanns Friedrich

    Am Samstag, 9. November, jährt sich zum 81. Mal die Reichskristallnacht. Der damalige national-sozialistische Staat plante das jüdische Volk auszurotten und mit dieser Nacht begann die Umsetzung dieses Vorhabens, der mit dem Mord an über sechs Millionen Juden endete. "Als ein Zeichen des Gedenkens unserer christlichen Gemeinden werden am Samstag um 18 Uhr für fünf Minuten unsere großen Glocken läuten, sagen der evangelische Pfarrer und Initiator der Aktion, Lutz Mertten und sein katholischer Amtsbruder Pfarrer Karl Feser.

    Die Pfarrer laden gleichzeitig ein, Kerzen in eines der Fester der Wohnungen zu stellen, um auf stillem und persönlichem Weg dieser Erinnerung Ausdruck verleihen. Neben Bad Königshofen beteiligen sich an der Aktion die Kirchengemeinden in Sulzdorf an der Lederhecke mit Zimmerau, sowie Irmelshausen mit Höchheim und Rothausen. Hinzu kommt Aubstadt mit Rappershausen und Gollmuthhausen.

    Synagoge wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen 

    Der evangelische Pfarrer Lutz Mertten hat ein entsprechendes Plakat entworfen, das darauf  aufmerksam macht. Der Verein für Heimatgeschichte im Grabfeld, der sich in seiner Satzung der Aufarbeitung der Geschichte des Grabfeldes verschrieben hat, stellt auch in diesem Jahr wieder Kerzen und Tropfenbecher zur Verfügung.  In Bad Königshofen verweist ein Gedenkstein in der Bamberger Straße darauf, dass hier bis in die 1950er Jahre eine Synagoge stand, die in der Reichskristallnacht nicht angezündet wurde, aber nach dem Zweiten Weltkrieg leer stand. Sie wurde von der Israelitischen Kultusgemeinde zum Abriss frei gegeben.

    In der Bambergerstraße in Königshofen im Grabfeld schräg gegenüber dem Elisabethaspital stand bis in die 1950er Jahre die jüdische Synagoge. Sie wurde bei der Pogromnacht nicht in Brand gesteckt, danach aber verwüstet. Die Postkarte stammt aus dem Jahr 1910. Foto: Repro Hanns Friedrich

    Die Erinnerung müsse wach gehalten werden, sagt Pfarrer Lutz Mertten. Er nennt den 9. November einen Schicksalstag in der Geschichte des deutschen Volkes. Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Auch hier sind die Grenzen längst verschwunden. Immer sei es wichtig zu bewahren, was Menschen, Menschen antun. Die Kerzen, die für diesen Anlass am Samstag, 9. November Verwendung finden, sind ab sofort sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche vorhanden. Pfarrer Lutz Mertten: "Dort, wo ich eine Kerze sehe,  finde ich Menschen, die mit mir die Erinnerung wach halten und sich gegen Antisemitismus in unserem Land stark machen."

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