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    Bad Neustadt

    Bad Neustadt: Rund 100 Personen streiken für ein besseres Klima

    Beim vierten Klimastreik der Bad Neustädter Fridays for future-Gruppe machten rund 100 Teilnehmer mit. Was waren ihre Forderungen?
    Rund 100 Jugendliche, Kinder und Erwachsene nahmen am vierten Klimastreik von Fridays for future teil. Foto: Kristina Kunzmann

    Warum es sich lohnt, für ein besseres Klima zu kämpfen und beim nunmehr vierten Klimastreik der Bad Neustädter Fridays for future-Gruppe dabei zu sein? Ein Junge weiß es genau: "Ich finde es traurig, dass meine eigenen Kinder vielleicht nicht mehr wissen, was Schnee eigentlich ist", sagt er. "Ich möchte nicht in einer verseuchten Welt leben", ein anderer. Ein weiterer erklärt seine Motivation damit, dass er gegen den Klimawandel sei. Damit fasst er zusammen, was die Teilnehmer des Klimastreiks, der sich am Freitag vom Bad Neustädter Bahnhof in die Innenstadt schlängelte, eint. Unter den Mitlaufenden waren einige Kinder und Jugendliche, jedoch vor allem Erwachsene.

    Am globalen Klimastreik beteiligte sich auch die Bad Neustädter Fridays for future-Gruppe. Maja Büttner hat den passenden Aufkleber auf der Jacke. Foto: Kristina Kunzmann

    "Ein Streik hat noch einmal eine andere Qualität als eine reine Demonstration. Von unserem Kern-Organisationsteam konnten mit mir, Frederik Dürr, Lena Gräfenschnell und Tobias Tefke heute nur vier Personen teilnehmen. Die anderen müssen arbeiten", sagt Maja Büttner. Beim letzten Klimastreik waren es rund 300 Teilnehmer gewesen. Trotz des schlechten Wetters nahmen rund 100 Personen an dem Klimastreik teil. Darüber zeigten Büttner und die Mitorganisatoren sich sehr erfreut. Anlass für den Streik sei zum einen die am 2. Dezember startende Weltklimakonferenz gewesen und zum anderen das erst kürzlich von der Bundesregierung verabschiedete Klimapaket. Für Maja Büttner sind die darin geplanten Maßnahmen "einfach viel zu wenig, um wirklich etwas zu bewirken". Tobias Tefke fehlt darin außerdem der soziale Ausgleich.

    Mit Plakaten zeigten die Aktivisten, dass sie für einen besseren Klimaschutz kämpfen. Foto: Kristina Kunzmann

    Parolen und Plakate zeigen den Unmut der Teilnehmer

    Und so machten die Fridays for Future-Aktivisten ihrem Unmut denn auch in Sprechchören und Liedern Luft. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Landratsamt skandierten sie lautstark und eindrucksvoll Parolen wie "Es gibt kein Recht, einen SUV zu fahren", "Rettet die Bienen, stoppt die Maschinen" oder auch "Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut". Immer wieder heizte Maja Büttner die Teilnehmer an ("Das ist kein Spaziergang, ihr seid zu leise"). 

    Lena Gräfenschnell (Mitte), Frederik Dürr (links) und Maja Büttner gehören zum Kern-Organisationsteam der Bad Neustädter Fridays for future-Bewegung. Foto: Kristina Kunzmann

    Eskortiert von der Polizei bewegte sich der Demonstrationszug über das Hohntor in die Stadt und auf den Vorplatz des Landratsamts. Die unterschiedlichen Plakate, etwa mit Parolen wie "Wir wollen nicht sterben", "Mit Klimakrise ist alles tot" oder auch "Wir haben keinen Planet B" machten dabei die Anliegen der Streik-Teilnehmer deutlich. Auch auf die vielen Passanten, die die Aktivisten interessiert beäugten, hatten die Klima-Aktivisten eine Antwort: "Leute, lasst das glotzen sein, reiht euch in die Demo ein". Vor dem Landratsamt angekommen freute sich Maja Büttner über den ein oder anderen neugierigen Blick aus dem Amtsgebäude, doch die meisten Fenster blieben zu. Nach dem kämpferischen Lied "Schwester Angie, Schwester Angie, schläft du noch? Hörst du uns nicht streiken, Klimaschutz" griff Lena Gräfenschnell zum Mikrofon.

    Klimapaket ist Frederik Dürr zu schwach

    Sie rief die Teilnehmer auf, solange zu kämpfen, bis die Regierung endlich Verantwortung in Sachen Klimaschutz übernehme, auch wenn dies nicht immer leicht sei. Seit dem Start der Fridays for future-Bewegung sei noch viel zu wenig passiert: "Wenn nicht wir, wer sollte dann kämpfen?", rief sie in die Menge.

    Schon die Kleinsten waren dabei beim Klimastreik. Schließlich geht es um ihre Zukunft. Foto: Kristina Kunzmann

    Das verabschiedete Klimapaket sei viel zu schwach, so Frederik Dürr. Den öffentlichen Nahverkehr günstiger zu machen, sei zwar ein guter Ansatz, jedoch müsste dieser Dürrs Meinung nach komplett kostenlos sein, sonst sei weiterhin der SUV das attraktivere Verkehrsmittel. "Reichen die bisherigen Maßnahmen aus, um den Klimawandel zu stoppen?", fragte Frederik Dürr. "Nein", antwortete die Menge lautstark und unter Pfiffen. Daniel Frank, seit rund zehn Jahren Klima-Aktivist und Vorsitzender des Permakulturvereins Waldgeister, zeigte in seiner Rede auf, was jeder Einzelne für die Umwelt tun könne.

    Teilnehmer tun bereits viel, statt nur zu reden

    Weiter ging es zum Markplatz, wo Gunnar Gantzhorn vom Bund Naturschutz darauf einschwor, dass jeder selbst bei sich anfangen müsse, etwas zu verändern. Mit gutem Beispiel voran zu gehen, dazu rief auch Maja Büttner in ihrer Rede auf. Jedoch sei niemand perfekt. Und dennoch: "Es ist noch nicht zu spät, gemeinsam können wir etwas ändern. Wir sind die Zukunft, sie zu retten, liegt in unserer Hand", sagte sie und lobte die aktive Fridays for future-Gemeinschaft Bad Neustadt, die ihr die nötige Kraft für ihr Engagement gebe.

    Dass das Engagement der Aktivisten mehr als leere Worthülsen ist, zeigte eine anschließende kleine Umfrage von Maja Büttner unter den Teilnehmenden. So leisten viele von ihnen, wenn auch im Kleinen, bereits ihren Beitrag. Dies indem sie etwa gebrauchte Kleidung kaufen, weniger Fleisch essen oder auch eigenes Gemüse anbauen.

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