• aktualisiert:

    Bad Neustadt

    Bad Neustadt: Weinschenke Dörr erstrahlt in neuem Glanz

    Nicht mehr wegzudenken aus der Bad Neustädter Innenstadt: Die neue, alte "Weinschenke von Alois Dörr". Foto: Christian Hüther

    Es ist für Jochen Pechthold eine mittlerweile schon bekannte Situation. Die große, rote Tür der Weinschenke Dörr in der Bad Neustädter Schuhmarktstraße in der Innenstadt zieht die Menschen scheinbar magisch an. Viele unterbrechen ihren Spaziergang kurz, um die "neue" Weinschenke von außen zu begutachten. Andere packt die Neugierde beim Blick der offenen Tür, um zu sehen, wie die Räumlichkeiten von innen aussehen. "Schön, sehr schön", heißt es von einer Passantin, die früher dort auch den einen oder anderen Schoppen Wein genossen hat.

    Neu geschaffen wurde der Mariannen-Keller in Erinnerung an die langjährige Wirtin Marianne Weidt. Foto: Christian Hüther

    Allgemein hat der Maurermeister und neue Besitzer des Hauses, Jochen Pechthold, beim Wiederaufbau viel Wert auf Details gelegt - aus gutem Grund. "So eine Tradition wie hier muss erhalten werden, bevor ein Investor die ganze Ecke kauft und alles platt macht", erklärt der 60-Jährige. Für Pechthold selbst war die Weinstube Dörr - so der langjährige Name - schon immer so etwas wie ein zweites Wohnzimmer, war er hier schließlich 35 Jahre lang Gast und hatte auch eine enge Freundschaft zur langjährigen Wirtin Marianne Weidt gepflegt. "Ich habe ihr zum Beispiel beim Weinkauf geholfen oder wenn es darum ging, im Winter Kohle zum Heizen zu besorgen". 

    Im April 2018 rückten die Bagger an

    Nachdem sich 2015 abzeichnete, dass Weidt aus gesundheitlichen Gründen die Weinstube, gleichzeitig ihr Elternhaus, nach jahrzehntelanger Führung abgeben muss, zeigte Pechthold Interesse. Vor etwa zwei Jahren folgte schließlich der Kauf des Gebäudes und damit der Start der Bauphase. Bevor im April 2018 die Bagger für die Abbrucharbeiten anrückten und damit für das Ende des jahrehundertealten Altstadthauses sorgten, gestalteten sich laut Pechthold die Vorbereitungen im Inneren als gar nicht so einfach. "Weil das Haus eben von drei Seiten zugebaut war." Im Juni begann der Wiederaufbau. Bis zur Eröffnung dauerte es noch bis zum 14. Juli - pünktlich zu den Donnerstagskonzerten. 

    Erhalt von Tradition und Charme

    Ganz viel Tradition: Ein alter Bocksbeutel mit dem Bad Neustädter Hohntor und die Weinkarte aus dem alten Eichenholz. Foto: Christian Hüther

    Beim Blick ins Innere zeigt sich ganz schnell, dass der neue Besitzer viel Wert auf den Erhalt der Tradition und des Charmes der alten Weinstube gelegt hat. So ist das komplette Inventar inklusive Eingangstür und Zugang zur Toilette sowie den Bleiglasfenstern noch das originale von damals mit der entsprechenden, nötigen Restaurierung und Überholung. Auch die bei vielen noch in Erinnerung gebliebenen Wandfliesen konnte Pechthold in ähnlicher Ausführung kaufen und wieder anbringen, alte Familienfotos der Familie Dörr hängen an den Wänden oder stehen auf der Fensterbank.

    "Ich wollte das Alte erhalten, das mir ans Herz gewachsen ist."
    Jochen Pechthold

    Ein Stückchen Tradition hält jeder Besucher, der die Geselligkeit pflegen und sich der Weinseligkeit hingeben möchte, sogar in der Hand. Denn das Holz, auf dem die Weinkarte befestigt ist, wurde von den alten Eichenbalken verwendet. Das gilt auch für die Brotzeitplatten. "Ich wollte eben das Alte erhalten, das mir ans Herz gewachsen ist, auch aufgrund der herzlichen Freundschaft zu Marianne Weidt und ihrer Familie", freut sich Pechthold.

    Neuer Name und neuer Keller

    Neben einer neuen Decke und Theke gibt es aber noch entscheidende Veränderungen. Als Hommage an die frühere und im Januar 2019 verstorbene Wirtin Marianne Weidt heißt der frühere Vorratskeller nun "Mariannen-Keller". Er wurde erweitert, ist mit zwei langen Tischreihen ausgestattet worden und soll für Livemusik-Veranstaltungen, Weinproben oder ähnlichem dienen. Auch ein Wirtshaussingen im Gasthaus im Erdgeschoss ist geplant. Außerdem wurde sichtbar für jeden aus der "Weinstube Dörr" nun die "Weinschenke von Alois Dörr" - auch hier laut Jochen Pechthold der Tradition wegen. Schließlich prangte dieser Schriftzug als erster Lokalname schon um das Jahr 1900 auf alten Postkarten von Bad Neustadt.

    Im Inneren der Weinschenke ist das Inventar noch das gleiche, es wurde restauriert und überholt. In der hinteren Ecke befinden sich die originalen Bleiglasfenster. Foto: Christian Hüther

    Neben dem neuen Namen dürfen sich die Besucher auch auf eine viel größere Weinauswahl als zuvor freuen. Früher gab es vier bis fünf Weinsorten. Jetzt bewegt sich die Auswahl im zweistelligen Bereich (27). Neben den klassischen Frankenweinen gibt es als Besonderheit unter anderem "einen blauen Silvaner, der erst 1960 wiederentdeckt und um 1980 erneut im Sortenverzeichnis geführt wurde", so Pechthold, der die Weinschenke mit seiner besseren Hälfte Kerstin führt. Daneben gibt es Kleinigkeiten zum Essen.

    Die Reaktionen der Besucher seit der Eröffnung im Juli seien durchwegs positiv gewesen. "Es hat sich ja kaum etwas verändert", hört Jochen Pechthold des Öfteren Lob. Und das war gewissermaßen ja auch sein Ziel, das er vor allem dank vieler Helfer erreichen konnte. Pechthold hebt vor allem Peter Dechant hervor: "Er hat mir während der Bauphase beratend zur Seite gestanden und daraus hat sich eine wirkliche Freundschaft entwickelt. Leider konnte er die fertige Weinstube nicht mehr genießen."

    Die Geschichte der Weinschenke Dörr
    Das Haus in der Schuhmarktstraße 2 in der Bad Neustädter Innenstadt wurde 1857 von Carl Bach übernommen und als Bierwirtschaft geführt, erzählt Jochen Pechthold anhand von Informationen aus dem Stadtarchiv. Dies ist auch heute noch in Form einer Inschrift über der Eingangstüre sichtbar. Im Februar 1889 übernahm schließlich Alois Dörr mit seiner Frau das Haus und rief die erste Weinschenke ins Leben. Etliche Nachkommen der Dörrs wuchsen in diesem Haus auf, so auch Marianne Dörr, die nach ihrer Heirat den Familiennamen Weidt annahm. Seit ihrem 16. Lebensjahr half sie schließlich in der Wirtschaft mit und führte diese letztlich unter dem Namen "Weinstube Dörr" bis ins Jahr 2015 weiter. Vor etwa zwei Jahren kaufte Jochen Pechthold das Gebäude. 

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!