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    Bad Neustadt

    Bad Neustadt und Pershore sind seit 40 Jahren eng verbunden

    1994 wurde das 15-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert. Die Aufnahme zeigt (von links) den damaligen Bad Neustädter Partnerschaftsreferenten Wolfgang Poppe, Barbara Harrison, David Hemming mit Kindern und die damalige Bürgermeisterin von Pershore sowie Bad Neustadts damaligen Bürgermeister Josef Schlagbauer. Foto: Archiv Gabi Gröschel

    "Die Menschen sind es, die die Partnerschaft mit Pershore besonders machen", sagt Gabi Gröschel. Sie zeichnet seit 2008 als Partnerschaftsreferentin des Bad Neustädter Stadtrates für die Freundschaft mit der Stadt in der englischen Grafschaft Worcestershire verantwortlich. Vor nunmehr 40 Jahren, am 3. März 1979, wurde von den beiden Gründervätern der Städtepartnerschaft, Norman Attwood (Pershore) und Paul Goebels (Bad Neustadt) der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Die ersten Partnerschaftsreferenten auf Bad Neustädter Seite waren Bernd Roggenkamp und anschließend Andreas Seefried. Es folgten Wolfgang Poppe, Peter Zoll und Gerd-Ludwig Borst und 2008 schließlich Gabi Gröschel. Einen großen Anteil am Gelingen der Partnerschaft haben auch Ilse und Karl-Heinz Buchta sowie Julie und David Hemming. Unvergessene Förderer der Partnerschaft auf englischer Seite waren Barbara Harrison und Chris O'Loughlin.

    Förderer und Unterstützer der Städtepartnerschaft zwischen Bad Neustadt und Pershore: David und Julie Hemming (vorne) sowie (ab 2. von links) Renate und Wolfgang Poppe, Ilse und Karl-Heinz Buchta. Aufgenommen wurde das Foto 1992 im Gasthaus "Löwen". Foto: Archiv Gabi Gröschel

    Der Ursprung der Partnerschaft war ein höchst romantischer: Der Sohn des damaligen Leiters des Bad Neustädter Hauptamtes German Beer hatte seine große Liebe im englischen Pershore gefunden. So war man an der Saale auf die Kleinstadt in Mittelengland aufmerksam geworden. Seither füllen regelmäßige Treffen die Partnerschaft mit Leben, viele Freundschaften sind entstanden. Die Verbindung zueinander sei immer da gewesen, so Gröschel. Was macht für sie die Partnerschaft mit Pershore besonders? Gabi Gröschel: "Die Menschen aus Bad Neustadt und aus Pershore sind immer wieder aufeinander zugegangen, haben sich kennengelernt, schöne gemeinsame Ausflüge unternommen und zusammen eine tolle Zeit erlebt." Zahlreiche Bürger würden mittlerweile in Eigeninitiative die Reise über den Kanal unternehmen, um die englischen Bekannten zu besuchen, sagt Gabi Gröschel. Nahezu ausschließlich seien sie dabei privat in den Familien selbst untergebracht. Auf diese Weise könne man den Sinn einer Städtepartnerschaft, die Völkerverständigung, am besten erfüllen.

    Die Bürgermeister Norman Attwood (links, Pershore) und Paul Goebels (Bad Neustadt) bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags im Jahr 1979. Foto: Archiv Giesela Sendner

    Austausch hat auch kulturellen Wert

    Der Austausch habe für sie auch einen kulturellen Wert, so Gröschel. Dies betreffe etwa die Freundschaft zwischen der Rhöner Volkstanzgruppe und der Pershore Scottish Country Dance Society. Seit der ersten Begegnung 1980 fanden bereits viele gemeinsame Auftritt in England und Deutschland statt, die Verbindung wird bis heute gepflegt. So treffen sich die Tanz-Gruppen alle zwei Jahre, während der reguläre Bürgeraustausch jährlich statt findet.

    Von Vereinsseite wurde bzw. wird die Partnerschaft außerdem vor allem von der inzwischen nicht mehr bestehenden Gesangsgruppe „Capella Nova Civitas", der Nes-Ka-Ge, der evangelischen Kantorei und den Crazy Dancers gepflegt. Die Löhriether Musiker unterhalten seit vielen Jahren enge Beziehungen zur „Bretforton Silver Band“ aus einem Ort in der Nähe von Pershore.

    2012 wurde gemeinsam beim 60. Thron-Jubiläum von Elisabeth II. gefeiert. Mit dabei waren auch die Crazy Dancers. Foto: Archiv Gabi Gröschel

    Gröschel: Gegenseitiges Verständnis möglichst breit streuen

    Gabi Gröschel nennt das gegenseitige Verständnis als wichtigen Faktor für die Partnerschaft mit Pershore. Als wichtig sieht sie es an, dieses Verständnis möglichst breit über alle Generationen hinweg zu streuen. Aus diesem Grund wurde 1979 erstmals ein Schüleraustausch des Rhön-Gymnasiums mit Pershore durchgeführt. Ostern 1980 begann der Austausch zwischen der Werner-von-Siemens-Realschule und der Pershore Highschool.

    Im September diesen Jahres waren die Bad Neustädter bereits in Pershore, aufgrund des Jubiläums kommen von 10. bis 15. Oktober nun die Gäste aus Pershore nach Bad Neustadt. Auf dem Programm stehen diesmal Ausflüge nach Fulda und zum Point Alpha, eine Campus- sowie eine Bäckerei-Besichtigung. Aber auch genügend Zeit zur individuellen Freizeitgestaltung mit den Gastfamilien bleibe, auch wenn es Gabi Gröschel wichtig ist, möglichst viel gemeinsam zu unternehmen.

    Grillfeier mit Schülern im Pershore-Garten

    Da sich erstmals der Schüleraustausch der Realschule und das Partnerschaftstreffen um einen Tag überschneiden, ist eine gemeinsame Grillfeier der regulären englischen und deutschen Delegation und der Schüler im Pershore-Garten geplant. Dieser hat seinen Platz neben dem Hohntor und wurde zum zehnjährigen Bestehen der Freundschaft mit Pershore 1989 eingeweiht. Bei der Grillfeier sollen von den Teilnehmern sowohl englische als auch deutsche Spezialitäten mitgebracht werden, um den Austausch auch auf der kulinarischen Ebene zu pflegen.

    40 Jahre sind eine lange Zeit. Wie hat sich die Partnerschaft mit Pershore seither verändert? "Vieles in den beiden Ländern gleicht sich in unserer globalisierten Welt immer mehr an. Zu Beginn des Austausches war zum Beispiel Fish and Chips noch etwas ganz Besonderes, heute erhält man dies auch in Deutschland. So hat sich manches, was damals noch eine Attraktion war, inzwischen verwaschen. Dennoch hat England für mich immer noch einen ganz eigenen Charakter, zum Beispiel bedingt durch den Linksverkehr", resümiert Gröschel.

    Wird der Brexit die Freundschaft beeinflussen?

    Pläne für den weiteren Ausbau der Partnerschaft gibt es bereits. So äußerte Bad Neustadts Bürgermeister Bruno Altrichter den Wunsch, die partnerschaftlichen Beziehungen auch auf sportlicher Ebene auszubauen. Ideen hierfür gibt es nach Aussage von Gabi Gröschel schon. Und auch, dass bei der letzten Europa-Wahl die Bürger von Pershore mehrheitlich für die Brexit-Partei und damit europafeindlich gewählt haben, lässt die Partnerschaftsreferentin daran nicht zweifeln. "Da bin ich optimistisch. Das wird bei den Menschen nichts ändern. Auch diese politischen Veränderungen wird unsere Freundschaft überdauern", zeigt sich Gröschel zuversichtlich. Schließlich seien es die Menschen, die die Partnerschaft ausmachen.

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