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    SALZ

    Bio-Eier aus der Region gehen richtig gut

    Hühner mit Auslauf und frischer Luft: Bei extensiver Haltung ist der Schädlingsdruck nicht so hoch wie bei intensiver Haltung.
    Hühner mit Auslauf und frischer Luft: Bei extensiver Haltung ist der Schädlingsdruck nicht so hoch wie bei intensiver Haltung. Foto: Regina Vossenkaul

    Die Verbraucher sind verunsichert. Welche Eier kann man noch ohne Bedenken essen und auch den Kindern geben? Wie so oft bei Lebensmittelskandalen erinnern sich Verbraucher an regionale Bio-Lebensmittel und wenden sich an Direktvermarkter in der Region. Auch Ulrike Mandl-Derleth hat am Wochenende im Hofladen in Salz mehr Bio-Eier verkauft als sonst. Stammkunden, aber auch ganz neue Kunden wollten gern direkt bei einem Erzeuger einkaufen, dem sie vertrauen, weil er mit seiner Überzeugung dahintersteht.

    Ein Ehepaar, das im Hofladen einkauft, hatte sich wieder darauf besonnen, dass man hier Eier ganz in der Nähe kaufen kann, während ihre Kinder in München einen großen Aufwand betreiben müssen, um an Bio-Eier aus der Region heranzukommen. „Wir haben es vor der Haustür, das sollte man nutzen“, sagt die Kundin, die genug hat von den Lebensmittelskandalen.

    Da schmecken die Eier nicht mehr

    „Da schmecken einem die Eier nicht mehr“, findet sie. Der nächste Kunde, André Dietz, kauft seine Grundnahrungsmittel gern direkt vom Bauern, auch weil er sein Kind gesund ernähren will. Die genormten Lebensmittel findet er außerdem langweilig. Beim Direktvermarkter bekomme er auch mal Außergewöhnliches, wie Eier mit Doppeldotter, das sei natürlicher, so Dietz.

    Der Familienbetrieb Derleth mit drei Generationen unter einem Dach ist im Erntestress, aber Ulrike Mandl-Derleth nimmt sich trotzdem Zeit, Fragen zu beantworten. Der Hof produziert Getreide, Kartoffeln und Eier und gehört mit 2000 Hühnern, die in zwei mobilen Ställen untergebracht sind, zu den größten Bio-Eier-Produzenten im Landkreis.

    Parasitendruck ist geringer

    Rund 11 000 Eier legen die Hühner durchschnittlich pro Woche. Das ist wenig im Vergleich zu den großen Produzenten mit rund 40 000 Legehennen. Bei der Haltungsweise in ihrem „Naturland“-Betrieb sei der Parasitendruck nicht so groß wie bei der Massentierhaltung, berichtet die Bäuerin.

    Mindestens zweimal pro Jahr werden die beiden Ställe und der Auslauf verschoben, damit die Tiere wieder neues Grün finden und sich draußen in frischer Luft in Wind und Sonne bewegen können. Momentan wachsen auf einem Feld neben den zwei Hühnerställen Mais und Sonnenblumen, damit die Tiere nach dem nächsten Umzug dort Schatten und Deckung finden. Letzteres ist wichtig, weil die Greifvögel sich ab und zu ein Tier holen, obwohl die Hähne, die bei den Hühnern mitlaufen, aufpassen und warnen.

    Tobias Schmitt aus Großbardorf züchtet im Nebenerwerb Biohühner. Eier verkauft er in seinem „Eier-Fenster“ in der Schmiedegasse, einer Seitengasse der Hauptstraße. „Wir merken das ganz extrem, dass die Nachfrage steigt“, sagt Schmitt, der Überschuss übrigens an den Kollegen Derleth in Salz verkauft.

    „Die Leute im Ort sprechen vermehrt darüber. Und es spricht sich herum, dass es bei uns Bio-Eier gibt. Darum halten sogar Fahrzeuge aus Schweinfurt oder der Münnerstädter Ecke bei uns, um Eier zu kaufen“, so Schmitt, der, so schlimm er ist, dem Fipronil-Skandal für sich etwas Positives abgewinnen kann.

    Aufgeregte Anrufe

    Dieter Then betreibt in Reyersbach einen großen Eierhof in konventioneller Bodenhaltung. „Viele Großkunden haben sofort angerufen und eine Bestätigung gewollt, dass das Reinigungsmittel aus dem Fipronil-Skandal bei uns nicht zur Anwendung kam“, erzählt Then. Er betont, dass zur Desinfektion seiner Ställe nur Silikatstaub zum Einsatz kommt, wenn die Ställe leer sind. „Viele Landwirte haben das Mittel im guten Glauben eingesetzt, sie konnten das nicht wissen. Und das Mittel ist sogar für Biobetriebe zugelassen“, merkt der Reyersbacher Landwirt an.

    „Ob sich die Leute jetzt vermehrt regionalen Produzenten zuwenden, kann ich nicht leicht sagen. Teilweise werden derzeit auch weniger Eier gebraucht, selbst Bäckereien stellen nicht so viele süße Teilchen her, für die Eier gebraucht werden“, so der Fachmann. „Aber ich glaube, es geht wie bei allen Skandalen vorher. Nach vier Wochen haben es die Leute schon wieder vergessen“, gibt sich Then wenig optimistisch, dass eine umfassende Hinwendung zu regionalen Produkten kommt.

    Zurück nach Salz: Um sich gegen die hartnäckigen Hühnermilben schützen, nehmen die Tiere gern ein Staubbad in Lavagesteinsmehl, das in Behältern bereitsteht. Tauchen die Milben vermehrt auf, wird Silikatstaub im Stall gestreut. „Wichtig sind abwaschbare Flächen“, berichtet Mandl-Derleth. Bei Reinigungsarbeiten im gut durchlüfteten Stall kommt heißes Wasser aus dem Hochdruckreiniger zum Einsatz – mehr nicht.

    Trotz des Skandals, der auch vielen nicht betroffenen Erzeugern schadet, hat die Bäuerin Verständnis für die Kollegen. Das Insektizid Fipronil ist nach derzeitigem Kenntnisstand illegal in ein Reinigungs- und Desinfektionsmittel mit dem Handelsnamen Dega-16 gemischt worden.

    Das Mittel basiert normalerweise auf ätherischen Ölen und ist sogar in Biobetrieben zugelassen. Die Tierhalter können die Inhaltsstoffe nicht nachprüfen. Wo die Beimischung geschehen ist, weiß man momentan noch nicht.

    Fipronil

    Das Ehepaar Derleth ist gut informiert und weiß, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung bis zu 0,72 Milligramm Fipronil pro Kilogramm Hühnerei weder bei Erwachsenen noch bei Kindern als akut gefährlich einschätzt. In Belgien wurden aber bis zu 1,2 Milligramm Fipronil pro Kilogramm Hühnerei nachgewiesen, das ist zu viel – besonders für Kinder.

    Fipronil ist ein Insektizid, das in der Tiermedizin oder als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird, um Flöhe, Läuse, Schaben, Zecken und Milben zu bekämpfen, die Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren ist verboten. Beim Menschen kann es Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen.

    Mehr Ansturm im Hofladen von Ulrike Mandl-Derleth Auch Kunde André Dietz kauft lieber direkt beim Erzeuger.
    Mehr Ansturm im Hofladen von Ulrike Mandl-Derleth Auch Kunde André Dietz kauft lieber direkt beim Erzeuger. Foto: Picasa
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    Von Regina Vossenkaul u.

    Gerhard Fischer

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