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    Bischofsheim

    Bischofsheim: Beeindruckendes mexikanisches Konzert in der Pfarrkirche

    Farbenfroh und prächtig gekleidet: Die "Catrinas" gehören zum mexikanischen Totenfest dazu. Es sind Menschen, die sich als Tote verkleiden, die mitten im Feiern aus dem Leben gerissen wurden. So traten die mexikanischen Gäste in der Bischofsheimer Stadtpfarrkirche auf. Foto: Marion Eckert

    Höhepunkt des Aufenthalts der mexikanischen Freunde im Rahmen des interkulturellen Projektes "Cruzando fronteras" ("Grenzen überquerend") war das Konzert in der Bischofsheimer Stadtpfarrkirche. Die Delegation von 15 Musikern aus Mexiko hat in den Tagen zuvor schon einige Programmpunkte in Bischofsheim absolviert, die auf großes Interesse in der Bevölkerung stießen. Dazu zählte das mexikanische Kochen ebenso wie das Märchenkonzert und die verschiedenen Bastelaktionen.

    Die Bischofsheimer Kirche war nahezu voll besetzt, als die bunt gekleideten "Catrinas" und die Musiker einzogen. Farbenfroh und fröhlich feierten die Mexikaner den "Dia de los Muertos", den mexikanischen Totengedenktag. "Sie haben einen ganz bunten Umgang mit dem Tod", begrüßte Pfarrer Manfred Endres die Gäste und erinnerte an den farbenfrohen Gottesdienst, der am Wochenende ebenfalls gefeiert wurde. "Was sie uns mitbringen, ist ein Geschenk für uns. Uns tut die Farbe gut, die natürliche Freude und Menschlichkeit, die unsere mexikanischen Freunde zu uns nach Bischofsheim gebracht haben."

    Die als "Catrinas" Verkleideten gaben ein beeindruckendes Bild ab

    "Der Bruder Tod kommt", das wisse jeder Mensch und doch sei der Umgang mit dem Tod ganz unterschiedlich. "Wir bekommen von den unseren Freunden auch spirituelle Anregung", dankte Endres.

    Im Volksglauben der Michoacanischen Indianer dürfen die geliebten Seelen am Allerseelentag zu ihren Lieben kommen und mit ihnen Kontakt aufnehmen. Dadurch wird der Tag zu einem Festtag: Man schmückt einen Altar für den Verstorbenen, mit dessem Bild, Blumen, aber auch mit seinen Lieblingsspeisen  und -getränken. Solch ein Altar war auch in der Bischofsheimer Pfarrkirche aufgebaut, mit unzähligen Blumen in gelb und orange, mit Bildern und einem Blumenbogen. Dieser symbolisiert den Durchgang zwischen den Welten: dem Leben und dem Jenseits.

    Zum Totengedenken wurde in der Bischofsheimer Pfarrkirche ein Altar aufgebaut, wie es zum "Dia de los Muertos", dem mexikanischen Totengedenktag, üblich ist. Foto: Marion Eckert

    Beeindruckend ist auch der Brauch der "Catrinas": Das sind Menschen, die sich als Tote verkleiden, um damit daran zu erinnern, dass jeder irgendwann einmal sterben wird. Mit prächtigen Kleidern, Hüten und Haarschmuck traten diese auf. Das Gesicht weiß geschminkt, wie mit einer Maske bedeckt. Sie erinnern an Menschen, die, während sie feierten, aus dem Leben gerissen wurden. Das Brauchtum zum Tag der Toten wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

    Meisterhafte musikalische Darbietungen der mexikanischen Gäste

    Meisterhaft waren auch die musikalischen Darbietungen der mexikanischen Gäste. Ob Gesang oder instrumentale Beiträge, die Bischofsheimer waren begeistert. Tosender Applaus brandete nach jedem Beitrag auf. Die jungen Musiker haben fröhlich und farbenfrohe Melodien mitgebracht, traditionelles aus ihrer Heimat, aber auch bedeutende Stücke aus der Weltliteratur. Sehnsuchtsvolle Melodien wechselten mit temperamentvollen Rhythmen ab.

    Faszinierende Stimmen: Die mexikanischen Freunde begeisterten mit ihrem Konzert. Die Sängerin ist zudem als "Catrina" verkleidet. Foto: Marion Eckert

    Die Gäste kommen aus Michoacan, einem Bundesstaat in der Größe Bayerns. Es ist ein Land überwachsen vom Regenwald mit weiten Avocadoplantagen. Hier wächst Kaffee, Bananen, Feigen, Kolibris schwirren umher und der Monarchfalter überwintert hier nach seiner anstrengenden Reise. Inmitten dieses hochfruchtbaren Gebietes liegt ein für mexikanische Verhältnisse kleines Dorf mit etwa 30 000 Einwohnern mit dem Namen Tingambato. Es gibt antike Tempel der indigenen Indianerkulturen, einer ist bereits freigelegt, der andere liegt noch unter der Regenwaldschicht verborgen.

    Das Konzert der mexikanischen Gäste in der Bischofsheimer Stadtpfarrkirche war ein besonderer Kunstgenuss. Foto: Marion Eckert

    Tingambato hat dank engagierter Bürger eine der beiden berufsvorbereitenden Musikschulen des Bundeslandes. Jugendliche, aber auch Erwachsene, können sich hier in einer sehr straffen Ausbildung innerhalb von vier bis fünf Jahren von Null bis auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vorbereiten. Wie erfolgreich diese Ausbildung ist, wurde beim Konzert in der Bischofsheimer Kirche mehr als deutlich. Es war ein Fest der Musik und Melodien, das Kontinente und Menschen miteinander verband und zu Freunden machte.

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