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    Bischofsheim

    Bischofsheim: Der Borkenkäferbefall hat deutlich zugenommen

    Revierleiter Daniel Walter von der von Waldthausen'schen Forstverwaltung zeigt Schälschäden, die durch Rotwild entstanden sind. Foto: Marion Eckert

    "Es ist bestes Waldwetter", mit diesem Einstieg begrüßte Bürgermeister Georg Seiffert die Stadträte und interessierte Bürger zum Waldbegang am Irenkreuz. Für den Wald war das Wetter in der Tat optimal. Es regnete in Strömen, doch das konnte weder den Bürgermeister noch Revierleiter Daniel Walter oder Constantin von Waldthausen davon abhalten, die Stadträte durch den Wald zu vier Stationen zu führen.

    Den Waldbegang nutzten der Revierleiter und  Constantin von Waldthausen, um über die aktuelle Situation zum Borkenkäfer und über Verbiss- und Schälschäden im Stadtwald zu sprechen. Im vorigen Jahr sei Bischofsheim relativ glimpflich davon gekommen. Lediglich 1.545 Festmeter Kalamitätsholz seien aufgrund von Borkenkäferbefall bei der Fichte angefallen.  In diesem Jahr seien es bis zum Termin des Waldbegangs allerdings schon 5.375 Festmeter.

    Der Sturm im Januar 2018 und seine Folgen

    Aufgrund eines Sturms im Januar 2018, der die Feinwurzeln stark schädigte und der extremen Trockenheit im Sommer, die ein Nachwachsen der Wurzeln verhinderte, seien die Bäume so geschwächt und geschädigt, dass sie den Schädlingen keinen Widerstand mehr bieten können.  "Aber nicht jede braune Fichte im Wald sei eine 'Borkenkäferfichte', Bäume sind auch schlichtweg vertrocknet", erklärte von Waldthausen.

    Schälschäden an jungen Bäumen können diese dauerhaft beeinträchtigen. Foto: Marion Eckert

    Der Sommer diesen Jahres habe dem Borkenkäfer ideale Bedingungen beschert, drei Bruten und Geschwisterbruten habe es gegeben. Ein Weibchen könne bei günstigen Bedingungen 100 bis 150 Eier legen.  Ein befallener Baum könne so innerhalb kürzester Zeit 625 Bäume "anstecken". "Sie kommen dann nicht mehr hinterher", zeigte von Waldthausen die Dimension des Borkenkäferbefalls auf.

    Mittlerweile seien nicht nur reine Fichtenmonokulturen befallen, sondern auch einzelne Bäume im Mischwald. Exemplarisch zeigte Daniel Walter den Stadträten solch einen Befall von einzelnen Fichten im Bereich "Koppelwald". Diese seien viel schwieriger auszumachen, als ein größerer Befall in einer Monokultur und auch arbeitsaufwendiger zu entfernen.

    Befallene Bäume frühzeitig erkennen

    Es werde immer wieder betont, wie wichtig es sei, befallenes Holz aus dem Wald zu holen. Constantin von Waldthausen erläuterte hierzu: "'Rote' Fichten müssen nicht sofort raus. Da ist schon alles passiert." Viel wichtiger sei es, befallene Bäume frühzeitig zu erkennen und schnellstmöglich, solange der Käfer noch nicht ausgeflogen ist, einzuschlagen.  Denn ein einmal vom Borkenkäfer befallener Baum werde sich nicht mehr erholen.

    Doch woran ist ein befallener Baum zu erkennen?  "Buchdrucker und Kupferstecher werden meistens Mitte bis Ende April bei einer Temperatur von 16,5 Grad aktiv und schwärmen aus den Winterquartieren aus", erklärte Walter. Zu erkennen sei ein Buchdruckerbefall im Anfangsstadium durch braunes Bohrmehl in Rindenschuppen, Spinnweben und am Stammfuß. Im späteren Verlauf falle die Rinde ab, der Baum verliere seinen Nadeln und die Krone verfärbe sich braun. Die frühe Diagnose bei Kupferstecherbefall sei sehr schwierig, meist sei der Befall erst dann zu erkennen, wenn die Krone sich vom Gipfel abwärts verfärbt und die Nadeln verliert.

    Egon Sturm fragte nach vorbeugenden Maßnahmen gegen eine Borkenkäferbefall. Wie der Revierleiter erläuterte, werden unter anderem Lockstofffallen aufgestellt. Um einen Pheromon-Lockstoff werde ein Netz gespannt, das begiftet sei und somit den anfliegenden Käfer töte. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass im Frühjahr im Boden überwinternde Käfer sich in Fichten einbohren. Doch sollten solche Fallen nicht überhand nehmen, um durch die Lockstoffe nicht noch mehr Borkenkäfer anzulocken.

    Kein akuter Handlungsbedarf

    Derzeit sei kein akuter Handlungsbedarf gegeben, um einen weiteren Befall zu vermeiden. Die Käfer haben sich zum Überwintern zurückgezogen, entweder in den Boden oder in Bäumen. Nun sei Zeit bis zum Frühjahr, um die geschädigten Bäume aus dem Wald zu  holen.

    Das zweite große Thema im Bischofsheimer Wald sind der Wildverbiss und die Schälschäden. Revierleiter Walter zeigte anhand verschiedener Beispiele Schäden, die durch Rotwild an jungen Bäumen angerichtet wurden. Die Naturverjüngung werde auf diese Weise stark eingeschränkt oder gar verhindert. Schäden kommen aber auch in mittleren Beständen vor, die schon um die vier Meter hoch sind. Hier finde das Rotwild genügend Deckung und eben auch Futter. "Geringe bis mittlere Verbiss-Schäden führen nicht gleich zu einem Absterben von jungen Waldbäumen. Leider führt ein ständiger Verbiss-Druck aber tatsächlich zum Absterben dieser Waldbäume. Sehr ärgerlich, wenn man versucht, durch Pflanzung in Waldbestände eine Mischung durch andere Baumarten herbeizuführen", so Walter. Die nachwachsenden Bestände durch Zäune zu schützen, sei aber auch keine zufriedenstellende Lösung und zudem häufig auch nicht praktikabel.

    Eine hohe Wilddichte führe zu hohen Verbisszahlen, die Anpassung des Abschussplans müsse daher in enger Abstimmung zwischen Jägern, Förstern und Waldbesitzern erfolgen. Ein gutes Miteinander sowie Verständnis füreinander sei die Basis, um gute Lösungen für Wild und Wald zu erzielen, betonte Walter abschließend.

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