• aktualisiert:

    OSTHEIM

    Blicke hinter verschlossene Türen

    Gabriela Kaminski (links) freute sich über reges Interesse an ihrem kleinen Atelier im Wächterturm, auch „Kisslingstürmc... Foto: Tanja Heier

    Kinder lieben es ganz besonders; aber auch Erwachsene finden es reizvoll, hinter verschlossene Türen blicken zu dürfen. Am Tag des offenen Denkmals ist das ausdrücklich erwünscht. Der Verein „Freunde der Kirchenburg“ hatte sich zu diesem Anlass mächtig ins Zeug gelegt, um den zahlreichen Besuchern allerlei Wissenswertes und Geheimnisvolles über das geschichtsträchtige Gemäuer zu vermitteln. Das diesjährige Motto „Entdecken, was uns verbindet“ passe für Ostheim ganz ausgezeichnet, wie Ingrid Schmidt befand.

    Früher diente die Wehranlage den Menschen zum Schutz für Leib und Leben. Diese Energie sei heute noch spürbar. Kaum, dass man das Süd-Ost-Tor passiert habe, fühle man sich geborgen, meinte die Kirchenführerin. Es falle tatsächlich nicht schwer, sich vorzustellen, wie es den Bürgern vor rund 600 Jahren gegangen sein muss, wenn plündernde Horden durch das Städtchen zogen, erklärte ein Urlauber aus dem Ruhrgebiet. Der Mann hatte gerade den Schaukeller inspiziert. Um nicht zu verhungern, wurden dort in Notzeiten Äpfel und Kartoffeln gelagert.

    66 Keller gibt es, sie sind bestens erhalten und werden größtenteils noch genutzt. Gerade sei man dabei, deren Holztüren instand zu setzen - und zwar in Eigenregie und auf Vereinskosten, weiß der zweite Vorsitzende Udo Trabert zu berichten. Jeder erwirtschaftete Euro werde sinnvoll investiert, versichert Ingrid Schmidt. Besonders erfreulich findet sie es, wenn aufgrund von Kooperation Neues entsteht. Ein Beispiel hierfür ist der Holzboden der Südgade. Gemeinsam mit ihrem Werklehrer Reinhard Grenzer hatten Schüler der Dr.-Alfred-Hauser-Schule im Rahmen eines offiziellen Schulprojektes die Dielen verlegt. Eine enge Treppe führt zum Waagglockenturm. Wer dorthin wollte, musste schwindelfrei sein.

    In der Kirchhofschule plauderten Angelika Mangold und Ulrich Zühlke, die beiden Künstler der Sommerausstellung „Federleicht und Abgedreht“, mit ihren Gästen.

    Vor dem Eingang zum Wächterturm, auch „Kisslingstürmchen“ genannt, hatte es sich Gabriela Kaminski gemütlich gemacht. Seit Frühjahr dient das liebevoll restaurierte Turmstübchen der Malerin als Atelier. Wer sich die steilen Stufen hinaufwagte, wurde mit einem wunderschönen Blick über die Dächer der Altstadt belohnt. Aufgewachsen in der Nähe der Wehranlage, habe sie das Ambiente immer schon fasziniert, erzählt die Künstlerin. Bei entsprechender Nachfrage will Kaminski den Herbst nutzen, um im Turm Zeichenkurse anbieten. Auf dem Tisch vor ihr sind in großen Lettern die Worte „Freude, Farbe, Musik“ zu lesen. Gerne wurde diese Einladung angenommen. Das Konzept ging auf, wie die strahlenden Gesichter verrieten. Für die Musik zeichnete sich Nicolaus Kirchrath an der Gitarre verantwortlich. Saxophonist Henry Shineflew schien sich in Gesellschaft seiner Freunde ebenfalls wohl zu fühlen - auch ohne Instrument.

    hei

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!