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    WECHTERSWINKEL

    Boröm der Rhöner Dialekt besonders ist

    Ausgewiesene Kennerin der unterfränkischen Mundarten. Dr. Monika Fritz-Scheuplein im Festsaal von Kloster Wechterswinkel... Foto: Stefan Kritzer

    Was „Strotze“ ist muss man einem waschechten Rhöner nicht sagen. Auch nicht was „Roddbarn“ oder „Runkel“ bedeutet und warum es nicht „warum“ heißt, sondern „boröm“. Als Bindeglied zwischen dem unterfränkischen und südthüringischen Sprachraum gibt es so manche Besonderheiten in Dialekt wie Mundart in Rhön und Grabfeld. Im Rahmen der Fränkischen Woche, die diesmal ganz im Zeichen des Begriffs Heimat steht, sprach Dr. Monika Fritz-Scheuplein im Kloster Wechterswinkel über den Rhöner Dialekt. Und das mit einem aussagekräftigen wissenschaftlichen Hintergrund.

    Der Bayerische Sprachatlas ist ein Mammutwerk, in dem auch die unterfränkischen Mundarten genauestens bearbeitet wurden. Allein im Landkreis Rhön-Grabfeld wurden in 22 Ortschaften Dialekterhebungen durchgeführt, sorgsam notiert, kartiert und wissenschaftlich ausgewertet. Die Ergebnisse der in den 1990er Jahren durchgeführten Befragungen sind bis heute nicht zur Gänze bearbeitet und lassen immer noch Raum für wissenschaftliche Untersuchungen.

    Monika Fritz-Scheuplein ist die Leiterin des unterfränkischen Dialektinstitutes am Lehrstuhl für Deutsche Philologie der Uni Würzburg. Im Rahmen der Fränkischen Woche sprach sie vor einem erstaunlich großen Publikum im Festsaal von Kloster Wechterswinkel über den Rhöner Dialekt. Mit der Bemerkung „Buu der Wöö zum Wooche wird“ hatte sie ihren Vortrag überschrieben und nahm damit bereits die verschiedenen Dialektgrenzen innerhalb des Landkreises, die Wissenschaftlerin spricht hier von Isoglossen, vorweg. So gibt es eben den „Wöö“ in den thüringisch-hessischen geprägten Gebieten des Landkreises genauso wie den in Unterfranken präferierten „Wooche“ – beides steht für „Wagen“ – in Rhön-Grabfeld. Genau das macht den Rhöner Dialekt, oder besser die Dialekte, aus: Mehrere verschiedene Sprachräume treffen hier aufeinander. Das Osthessische, das Thüringische genauso wie das Ostfränkische.

    Eine ganze Reihe an Sprachkarten hatte Monika Fritz-Scheuplein nach Wechterswinkel mitgebracht und erläuterte, warum es hierzulande eben nicht Kleid, breit und heiß heißt, sondern „Klääd“, „brääd“ und „hääß“. Mit Fritz-Scheuplein ging es zudem auf die Suche nach eigenständigen Wörtern in Rhöner Mundart, die es sonst so nicht gibt. Wie die „Gackel“, was die dünne Haut auf der gekochten Milch umschreibt.

    Doch nicht nur regionale Wortbesonderheiten machen den Dialekt aus. Auch grammatikalische Eigenheiten wie die Pluralbildung sind häufig anzutreffen. So ist der hochdeutsche Baum in der Rhön häufig ein „Baam“ und in der Mehrzahl mehrere „Beem“. Ganz kurios wird es, wenn die Satzbildung in der typisch rhönerischen Art ganz eigene Wege geht. Da wird dann schnell aus dem Satz „Ich habe den Wagen anschieben helfen“ das rhönerische „Ich ho de Wooche ohölf schieb“ Für die Erläuterungen derlei kurioser Satzbildungen gab es reichlich Beifall des durchaus dialektbewanderten Publikums. Nach ungezählten Beispielen schloss Monika Fritz-Scheuplein ihren Vortrag und entschuldigte sich, dass sie nicht noch mehr mundartliche Eigenheiten hat anfügen können. „Do hätte se halt e weng länger do müss bleib.“

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