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    Bad Königshofen

    Bürgermeisterwahl: Fairness gepaart mit guter Streitkultur

    Die Wahlforum-Premiere stieß auf große Resonanz. Gut 350 Zuschauer verfolgten das Duell von Amtsinhaber Thomas Helbling mit seinem Herausforderer Frank Helmerich.
    Im Fokus: Die beiden Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Bad Königshofen beim Wahlforum der Main-Post und Rhön-und Saalepost. Foto: Björn Hein

    Die Anspannung war den beiden Kandidaten, die am 15. März zum Bürgermeister von Bad Königshofen gewählt werden wollen, vor dem Wahlforum anzumerken. Amtsinhaber Thomas Helbling (CSU) begrüßte das Wahlvolk im Foyer vor dem großen Kursaal der Frankentherme, sein Herausforder Frank Helmerich (Team 2020)  gleich am Eingang. Beide hatten sich eine Woche zuvor das ebenfalls von Main-Post/Rhön-Saale-Post ausgerichtete Wahlforum in der Bad Neustädter Stadthalle angesehen, um eine Ahnung davon zu bekommen, was auf sie zukam. Gespannt waren auch die Bad Königshöfer, schließlich hatte es ähnliches in der Kurstadt bisher nicht gegeben. Rund 350 Besucher zählte Hausherr Kurdirektor Werner Angermüller. Bevor es ans Eingemachte ging, kam ein kleines Bilderrätsel mit Motiven aus dem Stadtgebiet zur Auflockerung ganz recht.     

    Nahezu gleichauf beim Dalli-Klick-Spiel Frank Helmerich mit Moderator Michael Nöth (links) und Amtsinhaber Thomas Helbling (Mitte) und Moderator Stefan Kritzer. Foto: Björn Hein

    Die folgenden zwei Stunden waren von großer Sachlichkeit, hohem Informationsgehalt und einem höflichen Umgangston geprägt, Aggressivität kam nie auf. Schnell wurde deutlich, dass Helbling und Helmerich die feste Absicht hatten, fair miteinander umzugehen. Das lobten beide auch beim jeweils anderen ausdrücklich. Was nicht bedeuten soll, dass keine unterschiedlichen Ansichten und Ansätze zu den verschiedenen Themen gegeneinander standen. Sonst hätte man sich die von Michael Nöth (Main-Post) und Stefan Kritzer souverän und mit Witz moderierte Veranstaltung auch sparen können.    

    Warum dürfen trotz Wassermangel Autowaschanlagen gebaut werden?

    Angesichts der angespannten Wassersituation im Grabfeld konnte Gymnasiallehrer Helmerich nicht nachvollziehen, dass der Stadtrat zwei Autowaschanlagen genehmigt hat. Zudem rief er zum Wassersparen sowie die Erhaltung der eigenen Brunnen auf. Er kritisierte den Bürgermeister, zu spät auf die sich zuspitzende Situation reagiert zu haben. Helbling wiederum verwies bei den Waschanlagen auf das Baurecht und erklärte, dass es eben eine Zeit lang gedauert habe, bis sich die aus den drei Wasserzweckverbänden bestehende Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen habe. Angesichts der zu erwartenden enormen Kosten für den Anschluss an die Fernwasser Oberfranken hofft Helbling, dass der bayerische Staat die Leitung baut und die Zweckverbände vor Ort nur die Verteilung übernehmen müssen.

    Aufmerksam: Das Publikum im nahezu vollen Großen Saal der Frankentherme beim Wahlforum. Königshofen Foto: Björn Hein

    Das Publikum passte sich der Grundstimmung an und quittierte die Redebeiträge in der Regel mit höflichem Applaus, Begeisterungsstürme oder Missfallenskundgebungen blieben aus. Wer sich angesichts der zurückliegenden Streitigkeiten etwa um das alte Krankenhaus gefühlsgeladene Redebeiträge erwartet hatte, sah sich getäuscht. Nur als die Sprache auf das Thema Altersheim und Senioren kam, stockte Frank Helmerich aus persönlichen Gründen für einen Moment die Stimme. Auch das in der Öffentlichkeit zuletzt umstrittene Thema Grundschulanbau wurde nüchtern diskutiert. Helmerich zweifelte allerdings die Sinnhaftigkeit des Baues einer zweiten Mensa in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gymnasium an, wohin die Grundschüler derzeit noch zum Essen in der Mittagspause gehen. Er befürchtete, dass am Ende keine der beiden Einrichtungen wirtschaftlich zu betreiben sei. Auf großes Interesses stieß das von Main-Post und Rhön-Saale-Post ausgerichtete Wahlform auch zeitgleich im Netz. Am Ende der Veranstaltung waren gut 20 000 Klicks auf den Live-Ticker aufgelaufen, gut 362 Personen verfolgten das Ganze an ihren Geräten.  

    Was läuft da im Kinderland schief?

    Für regelmäßige Beobachter der Kommunalpolitik ergaben sich an diesem Abend eher wenige Neuigkeiten. Dass es in der Kita Kinderland anscheinend größere Kommunikationsprobleme gibt, eine Reihe von Eltern ihre Kinder abgemeldet und es Kündigungen gegeben hat, wurde durch eine per Email eingesandte Frage und einen Redebeitrag aus dem Publikum deutlich. Geklärt werden konnte die Problematik nicht, Bürgermeister Helbling sagte aber, dass man einer Lösung arbeite.

    Thomas Helbling beim Wahlforum in Bad Königshofen. Foto: Björn Hein

    Der Großteil der Besucher in der Halle waren aus der Kernstadt, aber auch aus den Stadtteilen fanden viele den Weg in die Frankentherme. Oft würden sich die Stadtteilbewohner als Bittsteller gegenüber der Stadt vorkommen, habe er auf seinen Ortsrundgängen gehört, erklärte Helmerich und schlug feste Budgets im Haushalt für Stadtteile vor. Dagegen meldete Helbling "ernergischen Widerspruch" an. Die Stadtteile müssten sich nicht zurückgesetzt fühlen, betonte er und startete eine Aufzählung von Maßnahmen aus den vergangenen Jahren, wie Dorferneuerungen oder Breitbandverkabelung. Erörtert wurden darüber hinaus auch Themen wie die generationsübergreifende Stadt und Leerstandsbekämpfung und Marktplatz-Visionen.

    Nur wenig Lust auf Wortmeldungen 

    Das Publikum verfolgte zwar aufmerksam das Geschehen auf der Bühne, allzu große Lust, selbst mit einer Frage zum Abend beizutragen, bestand dagegen nicht. So gab es nur einzelne Wortmeldungen, wie etwa von der Werbegemeinschafts-Vorsitzenden Carmen Lang, die zum Thema Marktplatzsanierung im kommenden Jahr davor warnte, die Innenstadt zu sperren. Das würden einige Einzelhändler wohl nicht überleben.

    Frank Helmerich beim Wahlforum in Bad Königshofen. Foto: Björn Hein

    Beide - Helbling und Helmerich - machten deutlich, dass man die Sache behutsam angehen und Betroffene mit ins Boot holen werde. Am Ende sorgte der Herausforderer bei der Schlussfrage, was denn der eine an dem anderen besonders schätze, noch für Heiterkeit. Während Helbling den fairen Umgang lobte, freute sich Helmerich mit einem Augenzwinkern schon darauf, dass er, nachdem er zum Bürgermeister gewählt worden sei, im Stadtrat vom unterlegenen Thomas Helbling unterstützt werde. 

    Der Live-Ticker wurde übrigens bis Freitagnachmittag von 822 Nutzern gelesen, die 40 500 Klicks erwirkten. Auch daran kann man sehen, wie hoch die Berichterstattung über den Wahlkampf momentan im Fokus steht.  

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