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    BAD KÖNIGSHOFEN

    Bundesliga-Masterplan fordert die Macher im Grabfeld

    So sieht eine volle Bude beim TSV Bad Königshofen aus. Wenn das Tischtennis-Team des TSV zum Heimspiel ruft, pilgern immer mehr Zuschauer in die Shakehands-Arena. Dieses Bild entstand beim  Heimspiel im März gegen den Deutschen Meister und Championsleague-Sieger Borussia Düsseldorf.
    So sieht eine volle Bude beim TSV Bad Königshofen aus. Wenn das Tischtennis-Team des TSV zum Heimspiel ruft, pilgern immer mehr Zuschauer in die Shakehands-Arena. Dieses Bild entstand beim Heimspiel im März gegen den Deutschen Meister und Championsleague-Sieger Borussia Düsseldorf. Foto: Rudi Dümpert

    Der schnelle Sport an den grünen Platten elektrisiert in Bad Königshofen und Umgebung bis zu einem Radius von 100 Kilometer die Tischtennisfans. Und nicht nur diese. Man wird es an diesem Wochenende an den Parkmöglichkeiten weiträumig um die Shakehands-Arena sehen, wenn der Doppelspieltag Pokal und Bundesliga für den TSV ansteht.

    Weg von der Randsportart

    Nicht in Bad Königshofen, vielleicht auch nicht im Landkreis: Aber Tischtennis ist eine Randsportart wie fast alle außer Fußball. Eine, die in der Regel die Massen nur dann interessiert, wenn ein Boll die Weltrangliste anführt oder olympische Medaillen liefert. Dass es nicht so bleiben soll, darum kämpft die TTBL Sport GmbH, die seit 2010 den Spielbetrieb der 1. Bundesliga organisiert.

    Negative Schlagzeilen bereitete in den vergangenen Jahren ein bedeutendes Problem: Wegen des starken Abstandes der Spielstärke zwischen der 1. und 2. Liga mussten sich Aufsteiger erheblich verstärken, um im Oberhaus bestehen zu können. Dies bedeutete oft, dass Aktive ausgemustert wurden, wenn nicht gar die ganze Mannschaft ausgewechselt wurde. Dazu trugen auch die verschiedenen Spiel-Systeme bei: In der 3. Liga wurde mit sechs Spielern gespielt, in der 2. Liga mit vier und in der TTBL mit drei.

    Erheblicher finanzieller Mehraufwand

    Oft verzichteten aufstiegsberechtigte Vereine wegen des finanziellen Mehraufwands auf das Oberhaus. Dem Image des Tischtennis-Sports waren diese Vorgänge nicht dienlich. Diese Serie hat der TSV Bad Königshofen als Zweitliga-Meister 2016 erst noch fortgesetzt und nach der zweiten Meisterschaft 2017 durchbrochen. Er unterwarf sich mit der Entscheidung zum Aufstieg allerdings auch dem so genannten Masterplan der TTBL GmbH, über den kurz- bis mittelfristig die Attraktivität und das Ansehen der Sportart angehoben werden sollen, letztendlich zum Nutzen der Mitgliedsvereine selber.

    Bei der Mitglieder-Versammlung im Juni in Fulda hatte die TTBL diesen Plan auf den Tisch gelegt und Beschlüsse angestrebt, die nach siebenstündigen Diskussionen und Angleichungen alle mitzutragen in der Lage sein sollten.

    Sanktionen bis zu 5000 Euro

    TSV-Manager Andy Albert brachte eine ganze Agenda von Maßnahmen mit ins Grabfeld, von denen einige schon erfüllt sind, einige noch zu erfüllen waren. Allerdings kommt man nicht umhin festzustellen, dass durch diesem professionell aufbereiteten Masterplan vor lauter Solidität und Seriosität die Realität bei kleineren Vereinen wie dem TSV Bad Königshofen auf der Strecke bleibt. Hinzu kommt, dass über die nicht unerheblichen Lizenzgebühren hinaus Sanktionen bei Nichterfüllung von 50 bis 5000 Euro angedroht werden. Was die Königshöfer betrifft, sind Auflagen zu erfüllen, die man für nicht nötig hält, die aber den Finanzrahmen erheblich ausdehnen. Während andere bereits erfüllt oder sogar übererfüllt sind.

    Eine dieser Auflagen ist die Einrichtung einer Geschäftsstelle, die in dieser Saison mit einer 20-Wochenstunden-Kraft ganzjährig, also auch in der pflichtspielfreien Zeit von Ende März bis Ende August, besetzt sein muss, im ersten Jahr zehn Stunden, in der nächsten Saison 25 und in der übernächsten 30 Stunden. Dies seien Mindest-Anforderungen wie bei allen Auflagen. Entgelt-Basis sei der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro brutto. Sonderfall-Regelungen seien für FSJ-ler und BFD-ler möglich. Die Mitführung der Geschäfte im Büro einer Partner-Firma, wie sie der Post SV Mühlhausen bisher praktizierte, wird nicht anerkannt.

    Hauptamtlicher Manager gefordert

    Als nächster Schritt ist das hauptamtliche Management angedacht. Über einen Stufenplan soll der Weg zum Aufbau der Hauptamtlichkeit in den Vereinen angebahnt werden. Was in bayerischen Vereinsstrukturen an Ehrenamtlichkeit existiert, gefördert und teils mühsam aufrechterhalten wird, ist demnach unerwünscht. Die Geschäftsstelle in der Martin-Reinhard-Straße beim ehemaligen Schlecker-Markt soll in Kürze ganz eröffnet werden.

    Auch das bisherige TSV-Vertriebssystem für Eintrittskarten stand auf dem Prüfstand. Alle Vereine wurden verpflichtet, Karten auch über das professionelle Ticketsystem reservix anzubieten. Natürlich hat auch die Digitalisierung längst Einzug gehalten in der TTBL. So werden Ballwechsel in der Shakehands-Arena per Livestream per Realbild- und Slowmotion-Kamera weltweit ins Netz eingespeist. André Ankenbrand und sein junges Helferteam wurden vom Internet-Sender Sportdeutschland.tv in die Handhabung eingewiesen. Für (mindestens) zwei Highlight-Spiele pro Saison sucht der TSV noch einen Live-Kommentator. Wer sich das zutraut, kann sich gern bei Andy Albert melden.

    „Eventisierung“ der Heimspiele

    Weitere Auflagen sind die Umsetzung konkreter Vermarktungskonzepte, eine verbesserte Präsentation von Vereinen, Liga, Partnern und Sponsoren in der Halle durch Show-Court, VIP-Raum mit Catering, Stand mit Fan-Artikeln und Ausrüster-Artikeln. Anzustreben sei sogar die Produktion von eigenen Videos in Magazin-Format, die die Spieler außerhalb der Wettkämpfe zeigen. Spieler-Trainer-Interviews sollen nach jedem Spiel geschaltet werden, ebenso zwei bis drei Facebook/Instagram-Posts pro Woche. Fan-Clubs sollen mit Hilfe eines Fanclub-Beauftragten entwickelt, Auswärtsfahrten für Mitglieder, „mindestens zwei pro Saison mit jeweils mindestens 15 Fans“ organisiert werden. Was man ebenso bereits erfüllt wie die allgemeine „Eventisierung der Heimspiele“, wobei immer wieder der TSV Bad Königshofen als Vorreiter erwähnt wurde.

    Gleiches gilt für die Auflage, dass mindestens drei Jugendmannschaften im Spielbetrieb gemeldet sein müssen und mindestens sechs Wochenstunden Jugend-Training mit einem lizenzierten Trainer stattfinden müssen. Woran noch zu arbeiten wäre: „Abschluss von Medien-Partnerschaften mit lokalen und regionalen TV-Anstalten und Online-Medien durch Kooperationsvereinbarungen.“ Was wiederum für Vereine wie Borussia Düsseldorf, Werder Bremen oder 1. FC Saarbrücken TT kein Problem darstellt.

    Doppelspieltag steht an

    Allerdings: Wenn man die Vielfalt von Vereinen mit ihren unterschiedlichen Strukturen und ihrer Herkunft von der Metropole bis zur Provinz will, wird man an vereinzelten Kompromissen nicht vorbeikommen. Der Andrang bei den nächsten Lizenzierungsverfahren wird es zeigen – und die Stimmung beim Doppelspieltag an diesem Wochenende in der Shakehands-Arena.

    Auf der Main-Post-Tribüne in Bad Königshofen (von links): Ella und Andreas Köber, die durchaus auch aus Köln zum Spiel nach Bad Königshofen fahren.
    Auf der Main-Post-Tribüne in Bad Königshofen (von links): Ella und Andreas Köber, die durchaus auch aus Köln zum Spiel nach Bad Königshofen fahren. Foto: Rudi Dümpert
    Andre Ankenbrand (blaues T-Shirt) wurde von seinem Vorgänger Peter Mendel in der Telefonkonferenz mit dem Internet-Sender Sportdeutschland.tv bei der Einweisung in das neue Streaming-System unterstützt.
    Andre Ankenbrand (blaues T-Shirt) wurde von seinem Vorgänger Peter Mendel in der Telefonkonferenz mit dem Internet-Sender Sportdeutschland.tv bei der Einweisung in das neue Streaming-System unterstützt. Foto: Rudi Dümpert
    Hallensprecher Jürgen Halbig – der Bankangestellte ist selbst begeisterter Tischtennisspieler.
    Hallensprecher Jürgen Halbig – der Bankangestellte ist selbst begeisterter Tischtennisspieler. Foto: Rudi Dümpert
    Erste Besprechung in dem Raum, der zur TSV-TT-Geschäftsstelle ausgebaut werden soll mit den Themen „Masterplan“ und „Vorbereitung des Doppelspieltags” (von links) Josef Ort, Peter Mendel, Johannes Heusinger, Andy Albert und Udo Braungart.
    Erste Besprechung in dem Raum, der zur TSV-TT-Geschäftsstelle ausgebaut werden soll mit den Themen „Masterplan“ und „Vorbereitung des Doppelspieltags” (von links) Josef Ort, Peter Mendel, Johannes Heusinger, Andy Albert und Udo Braungart. Foto: Rudi Dümpert
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